Zu den bedeutendsten Metopen des Parthenon-Frieses gehören zwei Kampfszenen zwischen den Kentauren und Lapithen*. Eine davon fotografierte ich gestern.
Zum Zeichnen kam ich nicht. Aber wozu gebt es ein Archiv? Und so machte ich mich auf die Suche nach meinen Zeichnungen und wurde fündig im Februar 2019. Ich fotografierte damals dieselbe Kampfszene sowie zwei andere, von denen nur ein Teil des Originals erhalten geblieben ist.
- Original, Tageslicht
- Nachbildung, Kunstlicht
- Original, verwittert
Zuerst machte ich zwei schnelle Skizzen
Dann führte ich zwei Zeichnungen aus.
- unbekannt (Zentauren und Lapiten, Akropolisfries)
- unbekannt (Zentauren und Lapiten, Akropolisfries)
Die zweite Szene zeichnete ich noch ein zweites Mal, diesmal mit den Schatten, die durch die Ausleuchtung des Hochreliefs entstehen.

Ich freue mich, dass ich damals so fleißig gezeichnet habe. Ob ich es jetzt noch schaffen würde, zwei Stunden auf den Füßen zu stehen, den Block in einer, den Stift in der anderen Hand, den Nacken verspannt, die Augen zugekniffen? Leider gibt es in solchen von Menschenmassen durchwanderten Museen keine Stühle, auf denen sich ein müder Zeichner ausruhen könnte. Und natürlich sieht man aus der Ferne nicht die Details, die man fotografisch heranzoomen kann, und begnügt sich mit den allgemeinen Merkmalen.
*Die Kentauromachie bestand aus 32 Metopen vor allem an der Südseite des Parthenon. Entstanden sind sie im 5. Jahrhundert v. Chr.. Sie zeigen den mythologischen Kampf zwischen den Lapithen, einem griechischen Volksstamm, und den Kentauren, Mischwesen aus Mensch und Pferd. Sehr viele wurden 1687 bei der Explosion des türkischen Pulverlagers durch die belagernden Venezianer zerstört. Die meisten noch vorhandenen Bildplatten und Fragmente ließ Lord Elgin 1803 nach London verschleppen.
Zur Interpretation: Die Kentauren sind die wüsten Angreifer, die Lapithen verteidigen sich tapfer und sind am Ende siegreich. Der Mensch überwindet die tierisch gebliebenen wilden Impulse.








Ich würde das nicht aushalten. Um gut zeichnen zu lernen, ist das natürlich eine gute Gelegenheit.
Aber eigentlich ist das alles so gruselig, daß man gar nicht hinsehen mag und sich wünscht, so etwas hätte es nie gegeben.
Zentauren gab es ja zum Glück auch nicht wirklich.
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Kentauren sind ja einerseits eine Verkörperung wilder Natur oder, wie wir heute sagen würde, doch schon eher Unnatur. Damals ging so eine Mischung ja an, bis hin zum Minotaurus (gibt es eigentlich eine Erzählung, wie die Kentauren entstanden? Also die Sagenhaften, denn vermutlich entstand die Erzählung aus den ersten Begegnungen mit reitenden Steppenvölkern.) Zugleich gilt der Kentaur aber auch als kenntnisreicch, ja, in manchen Erzählungen als Arzt – diese Widersprüchlichkeit finde ich nicht nur in den Kentaurensagen das eigentlich Reizvolle an den alten Geschichten.
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es ist tatsächlich etwas sehr Besonderes im Kentaurenmythos zu finden: die wilde ungezügelte tierische Kraft, die von einem menschlichen Kopf gesteuert wird, und der Weise Kentaur Chiron….(die Tarotkarte „Kraft, Stärke“ kommt dem am nächsten). Der Minotaurus ist ein Mensch, der vom Tierkopf dirigiert wird
Hab darüber schon so manches Mal geschrieben, zuletzt im Nachspann zur abc-Etüde „Stiergedanken“ vom Januar.
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Die Szene steckt so voller Gewalt, daß ich sie mir gar nicht ansehen möchte, Gerda, aber die Erklärungen zur Zentaurenentstehung finde ich hochinteressant. Daß sie das Wilde der Natur verkörpern, kam noch nie in den Sinn, aber sie leuchtet mir ein.
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