Ostersamstag-Spaziergang

Heute Nacht wird das große Fest der Auferstehung gefeiert, und ich habe die Liturgie schon in vielen Kirchen gehört. Um Mitternacht wird es dunkel, aber das Feuer, das aus der Grabeskirche nach Athen und von dort zu allen Gemeinden gebracht wurde, wandert von der einzigen Kerze am Altar weiter – von Kerze zu Kerze, von Mensch zu Mensch, bis sich das Licht überall verbreitet und alle die freudige Nachricht hören: Christus ist auferstanden, und sie antworten: Es ist wahrhaftig auferstanden.  Es ist das schönste Fest des Jahreszyklus.

Heute fuhr ich zum „Kleinen Kloster“, um zu schauen, ob esvielleicht schon offen hatte. Ich wollte nicht bei Nacht fahren. Natürlich war noch alles zu. Auch nicht schlecht, denn ich hatte Lust auf einen Spaziergang zum nächsten Dorf. Auch das Dorf war ganz still, nur ein Hund kläffte, ein paar Vögel sangen. Die Menschen bereiteten sich noch auf die Nacht vor – sie schliefen.

Das einzige, was auf Bewohnerschaft und bevorstehendes Ostern hinwies, war der frisch geweißte Straßenrand.

Diese alten Dörfer sind auch im Verfall schön. Man erkennt noch, wie prächtig sie einst waren. Diese Ruine ist ganz von der Feige überwuchert worden, und aus den leeren Fensteröffnungen schauen violette Blumenrabatten.

Die weite Landschaft – man sieht bis zu den Gipfeln des Taygetos, auf denen noch Schnee im Abendlicht aufglänzte – war von einem weichen Wolkenschleier wie eingehüllt.

Das kleine alte Kirchlein mit den riesigen Zypressen kennst du vielleicht schon aus früheren Berichten vom „kleinen Kloster“.

Ich fuhr dann die lange einsame Straße durch steiniges Olivenland langsam zurück nach Kitries und stieg vorsichtig die ausgetretene uralte Steintreppe hinunter zum Hafen. Das Meer dunkelte schon, nur ein leichtes goldenes Leuchten lag noch über dem Horizont. Die Liebesgottheit Aphrodite oder auch Venus strahlte darüber.

Schon ganz dunkel war es, als ich die Treppe wieder hochstieg. Ein junges Paar überholte mich, bot mir an, mir zu Leuchten. Die Frau öffnete die alte steinerne Kirche, bereitete sie vor für die Liturgie, die um halb zehn beginnen würde. Ich hatte die Gelegenheit, einen Blick hineinzuwerfen. Helles hölzernes Gestühl, der geschmückte Katafalk. Danke!

Frohe Auferstehung und Frieden allen Menschen guten Willens!

Avatar von Unbekannt

About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter alte Kulturen, Architektur, events, Feiern, Fotografie, Leben, Liebe, Natur abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Responses to Ostersamstag-Spaziergang

  1. Avatar von elsbethberlin elsbethberlin sagt:

    Danke (!) Gerda, dass Du uns mitnimmst in dieses Oster-Erleben in der griechisch-orthodoxen Lebensform. Ich habe das in meinem Jahr als Studentin in Griechenland auch als etwas ganz Besonderes erlebt und als Unvergessliches in Erinnerung…diesen Beginn in der Nacht ,die Gesänge und das von Mensch zu Mensch weiter wachsende und weiter getragene Licht. Unser Pfarrer hier in der Christengemeinschaft hat 7 Jahre in Delphi in einem Institut mit sogenannten „behinderten“, eigentlich ja vor allem „besonderen“, Menschen gelebt und gearbeitet.Wir begrüßen uns dann auch hier in Berlin zu Ostern mit „Χριστος ανεστη –αληθινως ανεστη.“ Ein Freund, geboren und aufgewachsen in Südbrasilien, Flüchtlinge aus Ostdeutsland, vor Jahrunderten nach Brasil geflohen, erzählte mir, dass in seinem brasilianischen Dorf sich die Christen dort in seiner Dorfkirche bis heute zu Ostern auch begrüßen mit „Christ ist erstanden“ –„Er ist wahrhaftig auferstanden“.Auf Deutsch.

    Like

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..