Als ich wie jeden Sonntag ins Archiv stieg, um zu sehen, was mich an einem Tag wie diesem in früheren Jahren beschäftigte, landete ich im Jahr 2020. Damals entwickelte ich die Tarotkarten, und am 5. April war es das Jüngste Gericht (hier).
Das passt mir ganz gut, weil viele Männer und Medien heutzutage eine Endzeitstimmung verbreiten. Ich glaube nicht an Endzeiten, wohl aber an schwere Zeiten, Katastrophen und Wandlungen, an Zyklen, vielleicht auch an Entwicklungsschübe und an den Phönix, der sich aus seiner eigenen Asche strahlender als zuvor wieder erheben wird.
Was aber hat das mit der Tarotkarte „Das Jüngste Gericht“ zu tun?
„Die üblichen Karten“, so schrieb ich damals, „zeigen einen oder zwei Engel mit Posaune und nackten Menschlein, die sich aus ihren Gräbern erheben. (… Doch) keine Angst: Wir sollen nicht beurteilt und schon gar nicht verurteilt werden. Vielmehr gehe es um Erneuerung, Erweckung, Wiedergeburt. Wir werden die Welt mit neuen Augen sehen, denn das Gericht (griechisch „η κρίσης“, die Krise, das Urteil) befreit uns von alten Denkmustern und Lebensmodellen. Was verworren schien, ordnet sich, und wir verstehen endlich den Sinn dessen, was sich grad abspielt.“
Besseres könnte uns gar nicht passieren, als dass wir, von alten Denkmustern befreit, uns erneuern und den Sinn verstehen dessen, was sich gerade abspielt. „Gerade abspielt“, sage ich, und sagte ich auch 2020, denn auch damals, als wir die Covid-Krise durchmachten, hätte ich mir eine bessere Urteilskraft (κρίσης) der Menschen gewünscht.
Die Karte, die ich fürs Tarot legte, zeigt den Erzengel Michael, wie er in einer flammenden Wolke über den Menschlein verschiedenster Rasse und Herkunft erscheint.

Andere Varianten legte ich auch, zum Beispiel diese:


Ich verwarf sie aber, weil sie zu bedrohlich wirkten. Inzwischen aber scheint es ja so, als sollte ein großer Teil der Menschheit in einer Flammenwolke vernichtet werden. Oder wird dieser Kelch an uns vorübergehen? Und werden wir uns erneuern dürfen, ohne dass wir zuvor verbrennen?