Kalenderblätter 27-29/1 plus Geschichten von und mit Philippe (6): Zähmen eines Löwen

Im gleichen Stil wie alle anderen Januarbilder – Kugelschreiber und farbige Stifte – sind  die nächsten drei Kalenderblätter entstanden.

Am 27.1. Der Plüschhund auf einem traditionell bestickten Tischtuch.

Am 28.1. Eine kleine Künstlerin in der Zeichenschule

Am 29.1. Eine Tarotkarte in meiner Hand: der Ritter der Schwerter

(das vierte Bild gehört nicht hierher, aber es lässt sich nicht löschen!)

27.1. Den Plüschhund ließ eine Freundin hier – damals als Tito starb. Er tröstet mich, und für die Katzen ist er ein beliebtes Spielzeug.

28.1. Das kleine Mädchen hatte sehr sorgfältig an einem schwarz-weißen Bild gemalt. Dann kam die Mama, das Kind sprang freudig auf sie zu, zog sie vor das Bild. Was gesprochen wurde, weiß ich nicht. Jedenfalls nahm die Kleine den Pinsel und übermalte mit entschlossener Gebärde ihr schönes Gemälde  zuerst mit Rotocker, dann mit anderen starken Farben, bis nichts mehr vom ursprünglichen Bild, stattdessen eine verschmierte Oberfläche zu sehen war. Es blieb dabei guter Laune.

29.1. Gestern, nach der Zahnziehung, hatte ich wenig Energie. Da sah ich neben dem Computer den Kasten mit den Tarotkarten liegen und dachte: Mal sehen, was ich heute zu einem Thema machen kann. Ich zog den Ritter der Schwerter. Das ist ein wild entschlossen in die Vergangenheit reitender und heftig mit dem Schwert des Verstandes die Zustände der Welt auseinanderlegender Herr. Er kann es! Sein Pferd und die Wolken harmonisieren mit seiner Bewegung. Aber das Pferd ist grau und die Welt hat wenig erfreuliche Farben, ist aufgeteilt zwischen grau, blutrot und einem kalten Grün. So ist es wohl, wenn man, nur mit den Waffen des Kopfes ausgerüstet, die Geschichte analysiert. Da tritt einem alles schrecklich und feindselig entgegen. Aber es ist ein sinnloser Kampf. Der Feind ist längst Schnee von gestern. Besser ist es wohl, sich dem Hier und Jetzt und dem, was da kommen mag, mit den Kräften des Verstandes und des Herzens zuzuwenden und weniger heftig dagegen anzugalloppieren.

Eben kam ich von einem Besuch heim und suchte Philippe, um ihm davon zu erzählen. Denn es betrifft ihn. Und wo finde ich ihn schließlich?

Im dunklen Garten! Er ist dabei, einen Löwen zu zähmen! Jedenfalls scheint es mir so – die Beleuchtung ist schlecht – , dass das große Katzentier ein Löwe ist.

Als ich näher trete, höre ich Philippes Stimme, und sie klingt wie ein lieblicher Singsang.

„Dein Leben ist eintönig. Du jagst Mäuse und Vögel, die Menschen jagen dich. Alle Mäuse und Vögel ähneln sich und alle Menschen ähneln sich. Du langweilst dich sicher ein wenig. Wenn ich dich zähme, wird dein Leben mit Heiterkeit erfüllt sein. Du wirst den Klang meines Schrittes kennen, der sich von allen anderen unterscheidet. Die anderen Schritte werden dich unter die Büsche jagen. Mein Schritt wird dich aus dem Versteck locken wie Musik. Und schau! Hast du mal Weizenfelder gesehen? Du isst kein Brot. Weizen ist für dich unnütz. Weizenfelder erinnern dich an rein gar nichts. Und das ist traurig! Aber ich habe goldene Haare. Wundervoll wird das sein, wenn ich dich erst gezähmt habe! Der goldene Weizen wird dich an mich erinnern. Und du wirst es lieben, das Rauschen des Windes im Getreide …“

(Anm: der kursiv wiedergegebene Text ist das Original von Saint-Exupery. Ich habe ein paar kleine Änderungen vorgenommen. Vor allem habe ich Ich und Du miteinander vertauscht)

Fortsetzung folgt

 

 

 

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About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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1 Response to Kalenderblätter 27-29/1 plus Geschichten von und mit Philippe (6): Zähmen eines Löwen

  1. Avatar von steinegarten steinegarten sagt:

    Schöööön 🙂 gezeichnet und erzählt 😀 ❤️

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