Philippe am Hafen und beim Mandarinenbaum

Ich habe beschlossen, Philippe jetzt öfter bei meinen Ausflügen mitzunehmen und ihn vorsichtig in die menschliche Gesellschaft einführen. Das scheint mir notwendig zu sein, denn er fremdelt immer noch sehr. Am besten, ich beginne mit lieben Menschen. Also fragte ich ihn heute vormittag: „Kommst du mit in die Stadt, eine Freundin abholen?“

Unterwegs schaut er mit großen Augen hinüber zum hellen stillen Meer, über dem ein leichter leuchtender Schleier liegt. Das Meer kennt er inzwischen, aber so verzaubert hat er es noch nicht gesehen, glaub ich.

Zuerst fahre ich mit ihm an den Hafen. Ich erzähle ihm von Dora, und wie gern sie immer auf den Booten rumkletterte.

Auch auf den gelb-blauen Pflöcken sei sie immer rumgeturnt. Ob er nicht auch Lust dazu habe?

Philippe hört mir aufmerksam zu, bleibt aber selbst am Rand des Hafenbeckens stehen. Wird schon werden, denke ich. Kinder soll man nicht drängen.

Dann holen wir Freundin Wasso ab und fahren zu uns.  Unterwegs macht Wasso allerlei Faxen, um Philippe zum Reden und Lachen zu bringen. Sie war früher Schauspielerin.

Nach dem Essen machen wir zusammen einen Spaziergang zu „meinem“ Mandarinenbaum“. Während wir zwei Tüten mit köstlichen Früchten ernten, höre ich Philippe mit einer Blüte wispern. Er erzählt ihr von seiner Rose. Die Mandarinenblüte wendet ihr Gesicht ab und ist verschnupft. Bemerkt er denn nicht, wie hübsch sie ist und wie fein sie duftet? Keine Blüte mag es, wenn andere vor ihr gerühmt werden.

„Schau mal, Kleiner“, sagt Wasso, „all diese Früchte waren mal Blüten! Wie sie das gemacht haben? Das kann ich dir nicht erklären. Es ist ein Wunder!“ Ich glaube, Philippe mag meine Freundin.

 

 

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About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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