Reiner hat ein „Mitmachding“ initiiert. Es geht darum, jeden Tag einen Text zu einem Wort zu posten, das sich auf der Holsteiner Treppe in Wuppertal, verteilt auf 9 Absätze befindet. Es reizt mich, da mitzumachen, allerdings eher nicht mit eigenen Textproduktionen, sondern mit literarischen Assoziationen und Gedichten anderer. Ich bin gespannt, welche Texte, Gedichte, Geschichten jedes dieser Wörter in meiner Erinnerung aufleuchten lässt. All diese Erinnerungen an Gelesenes und im Gedächtnis Aufgehobenes sollen mir einen nachklingenden Teppich weben, den ich über die Stufen lege, um noch einmal hinaufzusteigen.
Hermann Hesse
Stufen
…
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft zu leben.
…
Diese Zeilen des berühmten Hessegedichts sind zuerst erschienen im Rahmen des Glasperlenspiels. Sie wurden seither endlos zitiert.
Wieso beschützt uns der Zauber des Anfangs? Und wovor?
Die Hoffnung, dass in jedem Vergehen, in jeder Katastrophe und auch im eigenen Sterben ein Keim zu neuem Leben verborgen liegt, und dass dieser Keim sich wird entwickeln können zu neuer schöner Form, beschützt uns vor der Verzweiflung, so dass wir leben können. (Verzweiflung – so Kierkegaard – sei „die Krankheit zum Tode“).
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden…

Nichts als eine tröstliche Illusion, die uns über die Tatsache hinweghelfen soll, dass es mit uns Sterblichen rettungs- und hoffnungslos abwärts und zuende geht?
Friedrich Hölderlin
Hyperions Schicksalslied
….
Doch uns ist gegeben,
Auf keiner Stätte zu ruhn,
Es schwinden, es fallen
Die leidenden Menschen
Blindlings von einer
Stunde zur andern,
Wie Wasser von Klippe
Zu Klippe geworfen,
Jahr lang ins Ungewisse hinab.
Friedrich Hölderlin, Hyperions Schicksalslied, aus: „Hyperion oder der Eremit in Griechenland“, 2. Band, erschienen 1799.

Vielleicht handelt es sich aber bei Hesse nicht nur um Hoffnung und Illusion, sondern um den allem Lebendigen eingeborenen Willen, immer wieder hinaufzusteigen und Gipfel zu erklimmen, egal, wie oft es uns schon hinabgeschleudert hat…

Mir ging gerade etwas durch den Kopf als ich diese Zeilen las, in jedem Ende liegt der Zauber eines neuen Anfang, unsere gute Zeit geht dem Ende zu und die Kriegstreiber sind kräftig am Werk!
Was wollen sie mit diesen Provokationen erreichen, eine neue Zeit, erst wenn alles in Schutt und Asche liegt können sie die Menschen nach ihrem Willen formen, weil diese Menschen geschwächt und voller Angst sind!?
Alles Quatsch was die da schreibt werden viele denken und lassen sich weiter lenken!
Sorry Gerda, aber Du hast da was an die Oberfläche gebracht, ich schon lange als Querdenkerin, Schwurblerin und wer was noch ich eingestuft werde DENKE!
Es ist halt auch ein Projekt des Nachdenkens, wenn es lästig ist was ich geschrieben habe, dann lösch es einfach!
Nachdenkende Grüße Antje
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gar nicht lästig, liebe Babsi.
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Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden…
Das ist natürlich Quatsch.
Lyrisch verbrämter Quatsch.
Wenn’s von einem Goat kommt,, mag man es bedenken und streicheln.
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Der Zauber ist es, der uns beschützt. Und dieser ist eben dem Anfange inhärent. Im Idealbilde ist der größte Zauber der erste Schrei eines Babys. Das Keimen eines Pflänzchens. Das erste Quäken eines gerade der Fruchthülle entleckten Welpen. Niemand, der nicht gänzlich empfindungslos ist, kann sich diesem Zauber entziehen.
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SO sehe ich es auch, liebe petra.
Aber den Zauber muss man erkennen können. Nicht jeder schafft das.
Ich liebe diese Gedichte und in Hesses Worten explodiert der zauber geradezu
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