Tagebuch der Lustbarkeiten: Nachdenken über das Schnipselbilderlegen

Draußen geht ein sanfter Regen nieder, und der geplante Besuch auf Kalamatas Weihnachtsmarkt ist ausgefallen. Ist das nun schlimm? Natürlich nicht.

Ich gehe ums Haus und die Treppe hinunter ins Atelier, trödele herum, nehme die weißen Schnipsel in die Hand, mit denen ich schon allerlei Bilder gelegt habe. Ihr kennt sie ja wohl.

Ich schiebe die Schnipsel zusammen auf einen Haufen und ziehe sie zu einem neuen Bild auseinander. Ein Krippenbild.

Das Schöne an alten, immer und immer wieder erzählten Geschichten ist, dass jeder sie kennt. Ein Wort, und schon stehen die Bilder vor dem inneren Auge. So auch bei „Krippenbild“. Es ist gar nicht nötig, ins Detail zu gehen.

Also bilde ich nur ein paar mittelgroße Schnipselhaufen. Et voila! Maria, Joseph, dazwischen die Krippe mit dem leuchtenden Köpfchen, darüber ein Engel, daneben tierische und zwergige Besucher.

Wieso aber ist die eine Figur Joseph? Weil die Geschichte es so will. Aussehen tut sie eher wie eine helfende Frau, die sich mit Maria die Sorge ums Jesuskind teilt. Das aber ist ikonografisch nicht vorgesehen. Also ist es Joseph, außer, der Künstler bestimmt es ausdrücklich anders.

 

Natürlich kann man auch ein bisschen sorgfältiger legen, so dass ein jeder erkennt, worum es sich handelt. Na? Erkannt?

Möchte man eine nicht ganz so bekannte Geschichte erzählen, muss man ein bisschen nachhelfen, zB mit einem Titel. Das folgende Bild könnte den Titel „Silvester“ tragen.

Eine Menschengruppe  steht unter dem linken Bogen der Brücke, die nach links ins offene Meer führt und dort abbricht. Sie unterhalten sich über das, was war und wie es war, sie debattieren über das Jahr 2024, das hier aufhört. Vielleicht warten sie auch auf das Feuerwerk, mit dem das Neue Jahr begrüßt wird. Nach rechts, Richtung Zukunft führt die Brücke aufs feste Land. Eine Dreiergruppe hat sich in diese Richtung gewendet und freut sich wohl, das Alte zurückzulassen.

Und was sagen uns die großen Brückenfiguren? Auf jeden Fall Gutes! Denn so gehört es sich für das Fest des Jahreswechsels.

Dass ich schon Bilder von Silvester und den Heiligen Drei Königen legte und hier zeige, obgleich heute Abend erst die Feier der Geburt stattfindet, möge man mir verzeihen. Es ist eben eine Geschichte, deren Episoden wir alle sehr gut kennen. Wir können den Text an beliebigen Stellen aufschlagen und wissen sogleich, wo sie einzuordnen sind. Wir brauchen die Erzählung nicht zu Ende zu lesen, um zu wissen, wie sie ausgeht.

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About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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2 Responses to Tagebuch der Lustbarkeiten: Nachdenken über das Schnipselbilderlegen

  1. Avatar von Chrinolo Chrinolo sagt:

    Die Bilder sind alle wunderschön und deine Geschichte dazu auch, Liebe Gerda. Es ist wundervoll, die Bilder zu betrachten und sich darin zu vertiefen. Danke dafür 🥰

    Gefällt 1 Person

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