Berlin – Episode 3 : Das Humboldtforum (Geschichte des Baus)

Anhand dieses Gebäudes und seiner Exponate kann man viel über Geschichte und den Umgang damit lernen. Der Grundstein des Königlichen Stadtschlosses wurde vom Kurfürsten Friedrich II. „Eisenzahn“ am 31. Juli 1443 in der damaligen unabhängigen Gemeinde Kölln gelegt – Berlin und Kölln wurden bei der Gelegenheit zu einer Doppelstadt vereinigt. Bereits 1537 wurde der burgartige Bau bis auf die Grundmauern abgerissen, um einem Wohnschloss Platz zu machen. Noch im selben Jahrhundert schien  dieser Bau nicht mehr repräsentativ genug: weg mit dem spätmittelalterlichen Plunder, ein Renaissancebau musste her.  Ein weiterer Umbau durch Andreas Schlüter wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts fällig, als Kurfürst Friedrich III zum König Friedrich I gekürt wurde (1701). Als Vorbilder dienten der Louvre (Paris, Entwurf Bernini) und der Palazzo Madama (Sitz des Römischen Senats). Damals entstand auch die Schlossfassade. Der Gesamteindruck ist durch Schlüters Einbauten nicht mehr Renaissance, sondern Barock.

Seither geschah noch vieles an Um- und Anbauten, doch gab es keine tiefgreifende bauliche Zensur mehr. Die Nutzung wandelte sich mit den Zeiten. Beispiele: Wilhelm II ließ hier, frisch zum Kaiser ausgerufen, den 1. Reichstag zusammentreten (1888). Von hier hielt der Kaiser dann auch eine seiner zwei „Balkonreden“ ans versammelte Volk, um es für den bevorstehenden Krieg zu erwärmen, und auch seine Deklaration des Kriegseintritts erfolgte am 6. August 1914 von hier aus. Als der Kaiser nach verlorenem Krieg abdankte, übernahm Karl Liebknecht für kurze Zeit, um von demselben Ort aus die „freie sozialistische Republik Deutschland“ auszurufen. Das Volk strömte herein, um zu plündern.

Während der Weimarer Republik wurde das nun teilweise an Privatleute und Einrichtungen vermietete Schloss zu einem zentralen Ort der bürgerliche Kulturdarbietung. Das blieb auch so während des Nationalsozialismus.

Am 3. Februar 1945 war es vorerst aus damit: ein alliierter Luftangriff zerstörte es bis auf ein paar Teile, die zwischen 1946-1948 bereits erneut als Ausstellungsräume genutzt wurden. Die Ausstellungen waren: „Berlin plant“, moderne französische Malerei, „Wiedersehen mit Museumsgut“ und Märzrevolution 1848.

Und dann? Dann beginnt der Bau des Humboldt-Forums. Aber halt, da war doch noch was zwischendurch! Ach ja, der „Palast der Republik“, den die DDR-Granden hinstellen ließen, nachdem sie die Reste des Schlosses weggesprengt hatten. Nicht sofort, freilich: 1950 wurden die Reste des Schlosses beseitigt, 1976 der Palast der Republik fertiggestellt. Dazwischen war das Gelände leer für Aufmärsche, Parkplätze und Ähnliches. Von 1976-1989 war er der Sitz des Staatsrats und ein allseits beliebter Veranstaltungsort.

Nach der Wiedervereinigung sollte das Ding weg. Es war mit gesundheitsschädlichem Asbest ausgekleidet, das half, den Abriss zu rechtfertigen. 2008 gewann der Italiener Franco Stella den internationalen Architekturwettbewerb zur Neubebauung von Berlin-Mitte. Viel Geschrei gab es um diesen ganzen Prozess: War es nicht Geschichtsvergessenheit, den Palast der Republik abzuräumen? War es nicht irre, die Schlossfassade in der alten Form neu zu errichten und ein modernes Gebäude dranzukleben? Wozu noch ein Großmuseum in Berlin Mitte?  Und was würde das alles kosten?

Nun, es kostete. Und es war irre. Und Geschichtsvergessenheit in Bezug auf die DDR ist auch nicht von der Hand zu weisen. Aber es hat sich auch gelohnt. Das Humboldtforum hat einen ganz anderen Atem als all die anderen Museen, es ist ein total spannender Ort der Begegnung mit den Kulturen der Welt und der Geschichte Berlins. Und der Besucherzustrom ist rekordverdächtig.

Hier mache ich einen Schnitt, damit es nicht zu viel wird. Zu den Exponaten kommt ein eigener Eintrag.


 

 

 

 

 

 

Avatar von Unbekannt

About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Architektur, ausstellungen, Fotografie, Geschichte, Politik, Skulptur, Spuren, Trnsformation abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Responses to Berlin – Episode 3 : Das Humboldtforum (Geschichte des Baus)

  1. Avatar von Linsenfutter Linsenfutter sagt:

    Das war sehr lehrreich und ich habe es mit Spannung gelesen.

    Like

  2. Avatar von Xeniana Xeniana sagt:

    Ich schließe mich Linsenfutter an.

    Like

  3. Ich hatte keine Ahnung von einem Stadtschloss, liebe Gerda, und vom HumboldtForum ebenso wenig.
    Nun kann ich die Lücke füllen und werde mir das Humboldtforum gut merken, falls ich doch mal nach Berlin komme.

    Gefällt 1 Person

  4. Spannend, Gerda, macht Lust auf mehr!

    Like

Hinterlasse eine Antwort zu Bruni | Wortbehagen Antwort abbrechen

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..