Heute erwartete ich Frauen unserer Gruppe, die ich gebeten hatte, das umgestaltete Atelier in Augenschein zu nehmen. Da noch etwas Zeit war, nahm ich eines der Skizzenbücher zur Hand, Jahrgang 2018, und besah mir die damaligen Skizzen, fotografierte auch die, die mir am meisten zusagten.
Vier Frauen und eine Jugendliche kamen. Sie waren beeindruckt von der Ordnung, der Raum sei jetzt doppelt so groß. Eine meinte, „fast zu ordentlich“. Natürlich fragte ich sie aus: was sie von meiner Auswahl hielten.
Und so erfuhr ich: Sie fanden alle ausgewählten Bilder gut, aber irgendwie wurden sie nicht warm mit dem Arrangement. Sie waren der Meinung, dass ich zu deutsch-asketisch denke und dass ich sehr viel mehr Bilder aufhängen sollte. Eine meinte, ich sollte vielleicht unterschiedliche Werkgruppen für verschiedene Ausstellungen ankündigen.
Nach dem ersten Umschauen setzten wir uns um ein Tischchen. Der 13jährigen Rhea gab ich eine Leinwand – die erste ihres Lebens – und Temperafarben, denn sie hatte Lust zu malen. Mein Mann brachte einen Moschato-Spumante-Wein und Kuchen für die Damen. Und nun ging es rund mit der Diskussion. Natürlich ging es nur am Rande um meine Ausstellungsideen, sondern weit mehr um die Regierung, die ökonomischen Aussichten ab 2032, wenn Griechenland anfangen muss, seine Schulden zurückzuzahlen, die Schulreform, die Steuerreform, die Beziehungen zur Türkei, die Militärstützpunkte der USA … Ein Privatkolloquium des Herrn Professor, das mit großem Interesse und gelegentlich lebhaftem Widerspruch verfolgt wurde.
Und was mache ich nun mit meinem Ausstellungsprojekt? Das wird sich finden. Schön war es auf jeden Fall, Besucher im Atelier zu haben. Und Rheas Bild finde ich ziemlich erstaunlich für eine knapp 13Jährige. Sie hat die ganze Leinwand erst tief schwarz angemalt und dann die farbigen Zeichen gesetzt. „Nächtlicher Himmel“ heißt es.
- Besucher im Atelier
- Rheas Bild








Ich finde den Gedanken der Damen, mehr Bilder aufzuhängen sehr gut! Ich würde auch unterschiedliche Größen hängen um das Ganze aufzulockern!
Das Bild der 13jährigen finde ich auch beeindruckend, es ist minimalistisch und hat trotzdem einen starken Ausdruck, klasse!👌🏻👍🏻
Das ihr politisiert, frei von der Leber, ist mitlerweile eine Seltenheit geworden, die man echt schätzen kann!
Was mich interessiert, habt ihr auch dieses irre Heizungsgesetz und diese ganzen Verordnungen?
Wie sollen bei Euch die Häuser ökologischer und Co2 neutraler gemacht werden?
Man hört eigentlich garnichts darüber, wie daß in anderen Ländern läuft!
Bin sehr gespannt wie sich Dein Ausstellungsprojekt weiterhin entwickelt!
Liebe Grüße Babsi
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danke, Babsi! Zu deiner Frage: nein, ein Heizungsgesetz etc gibt es hier noch nicht, und es könnte auch praktisch gar nicht durchgesetzt werden. Ich weiß natürlich nicht, ob nicht noch von Brüssel Vorschriften kommen. Was hier passiert ist: der Strom, der vorher zum grossen Teil mit einheimischer Kohle produziert wurde, wird jetzt mit Importen und einigen Erneuerbaren produziert. Und man kann zwischennverschiedenen Tarifen wählen, wobei niemand den Durchblick hat.
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Da wäre ich gern dabei gewesen und hätte so manches aus griechischer Perspektive lernen können. Und wie du schon sagtest, nicht nur über Kunst.
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Ein lebhaftes Ereignis ! Ich kann es mir sehr gut vorstellen 🥰 auch schön, dass sich Dein Atelier im Miteinander entwickelt 🌱
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Solche Runden sind Balsam für die Seele, nicht wahr?! Nun sinniere ich über das asketische Deutsche versus der Petersburger Hängungen – ich komme zwar aus der Fülle, aber bei der Petersburger Hängung ist es mir oft zu dicht, ein Bild lenkt von dem anderen ab, es entsteht eine Unruhe, die mich von der Betrachtung eines Bildes ablenkt, sodass ich nicht zum einzelnen Bild durchdringe. Ob es nur Geschmackssache ist? Das Bild von Rhea ist toll!
Herzlichst, Ulli
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Was für schöne Atelierdinge da geschehen!
Mich blendet so richtig der Kontrast bei den zwei Teppichen, blau und gelb, hinreißend wie deine Bilder, egal in welcher Hängung. Du bist die beste Kuratorin, zusammen mit den entsprechenden Frauen!
Gruß von Sonja
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Ich finde deine Hängung der Bilder toll und würde nicht dichter hängen. Vielleicht denke ich auch zu deutsch? Ich möchte mich beim Anschauen ebenfalls ohne Ablenkung auf das einzelne Bild konzentrieren können, wie das in Galerien auch gemacht wird.
Meine Freundin Arne-Grit Gerold betreibt in Halle (Saale) eine Galerie und einen Kalenderverlag. Sie schickt mir auch manchmal Fotos von neuen Ausstellungen.
Liebe Grüße
Gerel
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tja, ich weiß nun auch nicht. Mir gefiel es, aber heute habe ich bereits umgehängt…
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Ein feiner Besuch, der neue Ideen einbrachte, aber ich finde nach wie vor, ein Zuviel würde die Augen und alle Sinne überfordern.
Das Bild von Rhea gefällt mir sehr!
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„Deutsch-asketisch“ 😄
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Die zweite, die Dreiviertelansicht, von oben, gefällt mir sehr. Dreiviertelansichten in der Portraitfotografie waren eh mein Ding um 2000, ich sollte nach diesen Fotos suchen…
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Danke, Gerhard.
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Ich habe übrigens meine Portraits nicht entdeckt. Muss ich gut verstaut haben 😉
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Mir geht es oft so, dass ich, wenn ich etwas suche, es nicht finde. Wenn ich es nicht suche, ist es plötzlich da.
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Gerade habe ich sie gefunden !!!
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🙂
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