Welttheater, zweiter Akt, 4. Szene: Schuld und Strafe der Danaiden

Wir verließen die vier, nachem Danai mit der Erzählung ihres traurigen Schicksals als Flüchtling endete.

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Trud, die Fragende

Liebe Danai, darf ich dich fragen:

 Was hat sich nachher zugetragen?

Was ist aus diesen Frauen dann geworden?

Ist es wohl rechtens, die Männer zu morden?

Jenny theKid:

Was fragst du, Trud, klar durften sie,

sie mussten sie erstechen

sie mussten eher gleich als nie

die üblen Regeln brechen!

Ich find es cool, wenn sich die Fraun

die frei wie Männer sind

den Aufstand gegen sie zutraun!

Das sieht doch jedes Kind.

Trud:

Gemach, halt ein, du schnelle Zunge,

Und schone deine junge Lunge!

Ich fragte, was danach geschieht

und nicht, was man gern wollte

Ich wüsste gern, was sich vollzieht,

wohin die Kugel rollte.

Danai

Du fragst zu Recht, und Antwort fällt mir schwer,

denn nichts ist sicher, alles steht im Raum

Der eine Wahrheit nennt’s, der andre nennt es Mär

Der einer sah’s, dem andern ist es Traum.

So hör, was ich vernahm als kleines Kind,

was ich von meiner Ahnin hab erfahrn.

Danai erzählt die Geschichte der Danaiden, die im Orkus mit bodenlosen Krügen ewig Wasser schöpfen müssen, weil sie die ihnen angetrauten Männer erschlugen.

 

Die Frauen wurden Mütter vieler Kinder

und lebten wohl, solang ihr Leben währte

Das Land war reich und voll der schönsten Rinder,

das Frau und Mann und Kinder wohl ernährte.

 

Doch als ihr Tag vorbei und sich der Tod sie nahm

da mussten sie wohl vor den Totenrichter treten

der sprach zu ihnen: ‚Saht ihr nicht den Gram

der Mütter, die für ihre jung gefallnen Söhne beten?

 

Ihr habt viel Blut vergossen dort, in jener Nacht

als ihr den Mann erschlugt, den man euch gab,

Dafür wird  heute euch mein Spruch gebracht,

drum brech ich über jeder meinen Stab.

 

Für ewig müsst ihr nun mit Krügen,

die keinen Boden haben, Wasser schöpfen.

Denn wenn die Frauen alle Männer schlügen

und mordeten, das Haupt auch wohl abköpfen

dann gäb es keine Kinder, keine Erben

dann wären auch die Frauen ohne Glück.

Dann ging die ganze Welt in Scherben

und nichts brächt uns den Wohlstand je zurück.

 

Die Männer sind, wie sie halt sind geschaffen

sie träumen wild, sie handeln kaum aus Liebe

das ist das Erbe, das kommt von den Affen,

sie folgen ohne Denken ihrem Triebe.

 

Ihr Frauen aber müsst trotz alledem

das Leben fort und fort gebähren

und wenn ihr Kinder habt, fragt nicht mit wem,

so müsst ihr diese Kinder auch ernähren.‘

 

So sprach der Totenrichter zu den Frauen

und so vernahm ich es als kleines Kind

Wir müssen nicht nach Recht und Unrecht schauen

wir müssen Kinder tragen, weil wir sind.

 

Hera tritt auf

Halt ein, Danai! Jetzt rede ich!

Denn so, wie deine Ahnen dirs gesagt, so war es nicht!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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6 Antworten zu Welttheater, zweiter Akt, 4. Szene: Schuld und Strafe der Danaiden

  1. Gisela Benseler schreibt:

    Gruselig. Nun bin ich gespannt, was Hera sagt. Als Kunst natûrlich großartig!

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  2. Gisela Benseler schreibt:

    Das Urteil des Totenrichters, daß Frauen ohne Liebe Kinder zeugen müssen, entspricht nicht dem, was ich als wahr und gerecht empfinde.

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    • gkazakou schreibt:

      Es ist brutal. Leider wird es in vielen Gesellschaften weiterhin als normal befunden. Wie viele Frauen und halbe Kinder werden in ehelichen Verhältnisse gepresst, ohne nach ihrer Meinung gefragt zu werden? Sogar durch Vergewaltigung gezeugte Kinder müssen ausgetragen werden.

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  3. *Gemach, halt ein, du schnelle Zunge,

    Und schone deine junge Lunge!*

    Genial, liebe Gerda!

    Sollte die Strafe eine salomonische sein? Aber ein Urteil, das sich über die Ewigkeiten hinwegsetzt?

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