Zum Jahreswechsel: Dora segelt durch die Symplegaden

Mit Dora an Bord wird das Schifflein namens 2022 sicher durch die Symplegaden und ins unbekannte Meeresgebiet von 2023 gelangen. So denke ich, so hoffe ich.

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Du weißt nicht, was die Symplegaden sind? Nun, es sind die „Zusammenstoßenden“. In alten Zeiten nannte man so die zwei Felsen vor dem Bosporos, die nicht wie andere Felsen am Boden festsaßen, sondern frei beweglich waren. Wenn sie aufeinander zutrieben, schwollen die Wellen dazwischen gewaltig an und es bildeten sich Studel, die die Schiffe verschlangen. Manchmal trieben sie auseinander, dann war ein Durchkommen zwar möglich, aber immer noch brandgefährlich. Die Symplegaden sorgten dafür, dass Europa und Asien getrennt blieben, soweit es den Schiffsverkehr betraf.

Das blieb so, bis die Argonauten kamen, um das Goldene Vlies aus Kolchis am Schwarzen Meer zu rauben. „Zurückzuholen“, sagten sie, aber ich bin mir da nicht so sicher. Die Westler haben eine manchmal sehr merkwürdige Auffassung von Reconquista, „Rückeroberung“.

Wie dem auch sei.

Jedenfalls schickten die Argonauten klugerweise eine Taube los, um zu testen, ob ein Durchkommen durch die Symplegaden möglich sei. Die Taube schaffte es, unter Zurücklassung von ein paar Schwanzfedern. Also trauten sich auch unsere Helden und schafften es, mit ein wenig Anschupsen durch Athene, ihr Boot sicher hindurchzubringen. Mit List, Verrat und Mord setzten sie sich dann in den Besitz des Goldenen Vlieses. Die Helios-Tochter Medea half ihnen dabei, weil sie Jason liebte. Als er diese Liebe verriet, brachte sie die gemeinsamen Kinder um.

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Immer noch, bis heute, ist das Verhältnis zwischen Asien und Europa schwierig. Wieder einmal trennen sie sich und stehen sich verständnislos-feindselig gegenüber.  Schön wäre es ja, wenn im kommenden Jahr Friedenstauben hin und herflögen, unbehindert und ohne den Hintergedanken, dass sie den Weg freimachen für Eroberung, Plünderung und „Werteexport“. Um diesen Wunsch zu unterstreichen, gieße ich Friedenstauben aus dem Blei, dass die Kriegsherren viel lieber in menschliche Körper versenken würden.

Ein frohes friedliches Neues Jahr 2023!

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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28 Antworten zu Zum Jahreswechsel: Dora segelt durch die Symplegaden

  1. Linsenfutter schreibt:

    Einen guten Rutsch und Zufriedenheit für das neue Jahr.

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  2. Gisela Benseler schreibt:

    Na dann gute Durchfahrt durch den Engpaß!

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  3. Stefan Kraus schreibt:

    Alles Gute für das kommende Jahr, liebe Gerda!

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  4. Myriade schreibt:

    Liebe Gerda, ich wünsche dir eine gute Durchfahrt und ein sicheres Ankommen. Ich finde es aber ganz unwiderstehlich darauf hinzuweisen, dass auch „östliche“Kriegsherren ein sehr zweifelhaftes Verständnis von Reconquista haben. Manche wissen auch nicht, was Zivilisten sind und zivile Infrastruktur. Friede, möglichst auf der ganzen Welt wäre schön, ja ….

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    • gkazakou schreibt:

      Danke für die guten Wünsche, Myriade. Zu deinem Kommentar: Ich habe nicht gesagt, dass „der Osten“ nicht ebenfalls oft genug in der Geschichte übergriffig wurde. Wien hat da ja etliches an Erfahrung zu bieten. Polen auch, Tschechien, Ungarn, Afganistan… Und gegenwärtig die Ukraine. Doch wenn sich der „Westen“ als tugendhaft und friedfertig und den hohen menschlichen Werten verpflichtet hinstellt, mag ich nicht schweigen. Als nicht unbemittelbar durch diesen Krieg Leidende habe ich das Privileg, das zu tun. Wäre ich selbst in den Krieg verwickelt, wäre es schwieriger, aber auch nicht unmöglich.
      Ich sah gestern ein Video aus Cherson, wo eine alte ukrainische Frau sagt: „Das einfache Volk braucht diesen Krieg nicht Wir möchten in Frieden mit Freunden eine Tasse Tee trinken, und die Russen auch….“. Vor dem Krieg war Cherson zur Hälfte von russisch-sprachigen Menschen bewohnt.

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      • Myriade schreibt:

        Die ganze Ukraine ist auch von russischsprachigen Menschen bewohnt. Putins Bomben machen da keine Unterschiede. Auch die jungen Männer aus den Randprovinzen Russlands, die er mit schlechter Ausrüstung als Kanonenfutter an die Front schickt, sind russische Staatsbürger und die vielen Tausenden jungen Männer, die aus ihrer Heimat Russland geflohen sind um nicht in den Krieg ziehen zu müssen.

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      • gkazakou schreibt:

        Ich bin wie du mit den Menschen, egal welcher Nationalität. Das Übel beginnt, wenn sie sich nach Nationen, Ethnien, Rassen auseinander dividieren und gegeneinander hetzen lassen. Also lass uns nicht über Dinge streiten, in denen wir vollkommen übereinstimmen. Es gibt genug, wo wir nicht übereinstimmen, da können wir dann meinetwegen streiten.

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      • Myriade schreibt:

        Ich habe gar keine Lust zu streiten, mir geht es nur ähnlich wie dir: ich mag Dinge, die ich nicht richtig finde nicht einfach so stehen lassen als wäre ich damit einverstanden. Wenn wir aber jede ihre Meinung einfach stehen lässt, kann ich sehr gut damit leben …

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      • gkazakou schreibt:

        Am Ende machen wirs ja auch immer so, Myriade. Aber vorher brauchen wir offenbar eine Phase der Klarstellung, die aussieht wie Streit.;).

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      • Myriade schreibt:

        Genau, es sieht nur so aus 😉 Aber eigentlich, ganz im Ernst, machen wir das ziemlich gut !

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  5. juergenkuester schreibt:

    Liebe Gerda! Ich wünsche Dir einen guten Rutsch und für 2023 alles Gute, Gesundheit und Wohlergehen!

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  6. hanneweb schreibt:

    Dankeschön liebe Gerda, komm auch du gut ins neue Jahr und für 2023 wünsche ich dir von ganzem Herzen alles Gute, vor allem auch Gesundheit! 🤗🍀🕊️💖🥂

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    • gkazakou schreibt:

      Danke dir, liebe Hanne! So ist also auch dies Jahr vorbei, ein neues kommt. Kann ja nicht ausbleiben. 🙂 Mögen wir alle es gut beginnen und nach 365 Tagen auch heil beenden!

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  7. linienspiel schreibt:

    Danke Gerda für Dora, die selbst Leuchtfeuer ist, und die mir viele Denk- und Fühlimpulse geschenkt hat!
    Alles Gute für das Neue Jahr!

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  8. Elsbeth Weymann schreibt:

    Liebe Gerda,
    dir und Dora Dank!!! für interessante, engagierte Beiträge , Gedanken , Fragen, Entdeckungen , künstlerischen Arbeiten Immer anregend!!!

    In puncto „Reconquista „von ‚West‘ und‘ Ost ’sehe ich es genauso wie Myriade.

    Und…kein, keine Zeitgenoss*in kann heute sich zurücklehnen, als Zuschauer eines Spiels auf einer verrückt gewordenen Weltbühne …“ alles, was geschieht, geht dich an“…. Immerhin wird , ohne ständige Schuldzuweisungen an die eine oder andere Seite AUCH ganz pragmatisch und realistisch Menschen geholfen, hier bei mir, in meinem Stadtteil -Umkreis. Und an vielen Orten in diversen Làndern.Ehrenamtlich. Ukrainern UND Russen.
    Wenigstens etwas praktisches Frieden -schaffen, an ganz kleinen Punkten…unter Menschen.

    Die Wege sind noch weit…die Gräben werden von Tag zu Tag tiefer….ich weiß.Kein Gandhi oder Mandela in Sicht…..Dennoch !

    Dir ein “ gutt rosch“…(wie ich dir wahrscheinlich schon schrieb ?) dieser jiddische Gruß hat nix mit Rutschen zu tun, sondern heißt schlicht “ Guten Anfang ( rosch)“ für 2023!!!
    Herzlich! Elsbeth

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    • gkazakou schreibt:

      Hab Dank, liebe Elsbeth! Auch dir ein gutes Beginnen!
      Die konkrete Hilfe ist immer das allerwichtigste, auf allen Ebenen und in allen Problemlagen. Darüber kann es gar keinen Dissens geben.
      Was den Ukraine-Krieg anbetrifft, auf den du offenbar anspielst (ich dachte an viele andere Kriege, begonnen mit dem Argonautenzug oder dem Trojanischen Krieg – „Mutter aller Kriege“ – … die Kriege Roms, die Zerstörung der alten Welt durch Byzanz, Kreuzzüge, Vertreibung der Araber und Juden aus Südspanien, Zerstörung der amerikanischen Kulturen …. Gräuel des Kolonialismus in Afrika und Asien, Algerienkrieg, Vietnamkrieg, …Golfkrieg, Jugoslawien, Afganistan, Libyen…. bis hin zum heutigen Kriegsgeschehen in vielen Weltteilen, mit unendlichem Flüchtlingselend) Die Bevölkerung der Ukraine selbst hat über viele Jahrhunderte ein blutiges Schicksal mit ständigen Grenzveränderungen über sich ergeben lassen müssen. Kriege, Progrome, Säuberungen durch Invasoren und auch durch die eigenen Nationalisten… In all diesen Fällen waren westliche Mächte die Aggressoren, vermeinten sich dabei immer auf der „richtigen Seite der Geschichte“ zu befinden, weil sie die „höheren Werte“ vertraten.
      Ich mag mich im Krieg auf keine Seite stellen, denn auf beiden Seiten gibt es Handlungsmotive, die ich unerträglich finde, und andere, die ich verstehe, aber deshalb noch lange nicht gutheiße. Denn gutheißen kann ich Kriege nie. Damit bin ich, denke ich, dir nicht so fern. Liebe Grüße!

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      • Elsbeth schreibt:

        Aber ja, Gerda…deine Antwort an mich und die an Myriade: absolut einverstanden!!!

        .Der “ Osten “ und der „Westen „( höchst schwammige Begriffe -und sowieso nur die halbe Welt betreffend) stehen sich in NICHTS nach in puncto Conquista und Reconquista .Wenn du die Vertreibung der Araber aus Spanien anführt durch die blutige Reconquista der Isabella und Co, sollte man genauso auch die blutige Conquista Spaniens durch die Umayyaden und Almohaden u.u. benennen.
        Auch in den jeweiligen Untermauerungen der Eroberungen durch jeweils ihre achso gottrichtigen “ Werte“.Die Beispiele ließen sich gewaltig noch erweitern.!!!!
        ..Attila bis Burgund, Tschingiskan bis Schlesien…u.u.

        Oder zunächst(!!) überhaupt nicht im Ost/ West -Gegeneinander…die Conquista der Inka zu deren Großreich…u.s.w. u.s.w ….wieder nur EIN Beispiel…du weißt das alles.
        Gegen die jetzt dauernd so wortreich wie verlogen beschworenen“ westlichen Werte“ wehre ich mich genauso wie du !!

        Und, was kann ich tun ? Außer mich gründlich nach allen Seite zu informieren?
        Praktisch helfen, in meinem überschaubaren Umkreis..mich einsetzen, wenn meine russische Freundin nicht mehr wagt, mit ihrem Töchterchen auf der Straße in Berlin Russisch zu sprechen…mails, Nachrichten von Freunden in der Ukraine mit- verbreiten, die Versöhnung und NICHT Hass und diesen sturen , tödlichen Nationalismus posaunen….mehr sehe ich im Moment nicht an echten kleinsten Möglichkeiten.
        Wer weiß denn z.B.schon, dass von Menschen in Odessa, Kiew,Lwiw täglich bewusst (!)das Vaterunser in Ukrainisch UND in Russisch gebetet wird??…( sorry, das sollte hier keine Predigt werden..)
        Meine Überzeugung : Gedanken sind auch Taten.Sie gehen, wie auch in diesem Krieg klar ersichtlich, den Taten voraus .

        Möge für 2023 der “ gute Wille“ wachsen, ohne den kein Frieden sich je entwickeln kann.
        Herzliche Grüße nach Hellas !! Elsbeth

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      • gkazakou schreibt:

        Liebe Elbeth, danke für deine immer sehr interessanten und tief in die Geschichte greifenden Kommentare. Natürlich kenne auch ich die Geschichten über Dschingis Khan, Tamerlan etc. Warum aber habe ich diese Seite der Medaille nicht erwähnt? Weil ich meine gegensteuern zu müssen gegen eine Tendenz, den „Iwan“ in eine Reihe mit Dschingis Khan, Tamerlan und Stalin zu stellen. Habe ich Unrecht? Sagst du nicht selbst, dass deine russische Freundin sich nicht mehr traut, auf der Straße russisch zu sprechen mit ihrer Tochter? Ist Putin daran schuld? Oder ist es nicht vielmehr diese alte Obsession, den Iwan als ein kinderfressendes Monster hinzustellen? Ich erinnere mich sehr gut _ und du vielleicht auch – , wie zu Adenauers Zeiten mit einem Plakat geworben wurde, wo dich furchterregende geschlitzte Augen anstarrten, die unser armes friedliches deutsches Völklein bedrohten. In den USA zirkulierten ähnliche Plakate. Warum wird jetzt bei allen Propagandalügen immer wieder von russischen Monstern berichtet, die Kinder und Frauen systematisch vergewaltigen? Weil sie es tun? Oder vielmehr, weil „der Iwan“ so was tut? Weil es ihm im Blut liegt? Es wird tüchtig an diesem Feindbild gebastelt und gebaut – dagegen argumentiere ich an. Ich gehe aber auch nicht in die andere angebotene Falle, nun zu sagen: das arme russische Völkchen, das von einem bösen Tyrannen (Putin) in den Krieg gehetzt wurde. Solche Ammenmärchen mag ich nicht. Vielmehr glaube ich schon, dass viele Russen diesen Krieg zwar bedauerlich, auch furchtbar finden, dennoch überzeugt sind, dass er vom Westen (USA, Großbritanien, zum Teil auch Deutschland) angestiftet wurde und sie sich in der Verteidigung befinden. Mir scheint es der Wahrheit und der Friedensfindung dienlicher, wenn man versucht, auch diesen Blickwinkel einmal einzunehmen.

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  9. lachmitmaren schreibt:

    Auch von mir alles Gute für 2023!!
    Herzlichen Gruß
    Maren 💝

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  10. Ach, Gerda, ich habe natürlich die Kommis genau verfolgt und weiß eines gewiss, die *kleinen* Leute überall in der Welt, ob Ost, ob West, ob sonstwo sind es immer, die leiden, wenn ihre Oberhäupter meinen, einen Krieg anzetteln zu müssen, aus welchen Gründen auch immer . Ihre Söhne fallen, sterben, gehen elend zugrunde, nicht die der Befehlshaber…

    Seien wir friedlich untereinander und miteinander und verweigern wir uns jeglichem Kriegsgeschen.
    Friede sei mit uns und keinerlei Kriegsgeschrei!
    Ein gutes friedvolles neues Jahr für alle Menschen der Erde wünsche ich uns.

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