Ausblenden – einblenden – überblenden (tägliches Zeichnen)

Wie nähere ich mich der außer mir existierenden Welt an? Nun, indem ich ausblende, was mir nicht zusagt. Oder indem ich Erinnerungen, Selbstreflexionen einblende. Oder auch, indem ich subjektive und objektive Bilder der Wirklichkeit überblende und daraus ein Neues mache.

Was ich meine, möchte ich an drei Beispielen verdeutlichen.

a) Überblenden – Neues schaffen: Ich sitze im Auto, warte, dass mein Mann mit dem Einkaufen im Supermarkt fertig wird. Die gegenüberliegende Straßenseite ist nicht besonders attraktiv zum Zeichnen: Garagen, Autos, Bäume und im Hintergrund Hausfronten mit Balkons und  Jalousien.

Ich skizziere den für mich zentralen Ausschnitt.

In das Foto eingesetzt und halb transparent gemacht, sieht das so aus.

Den Bildausschnitt kann ich zu etwas Eigenem umformen, kann eine neue Realität schaffen.

b) Beobachtung plus eingeblendete Selbstreflexion: Ich sitze auf einem Platz in Kalamata, darauf wartend, dass mein neues Handy eingerichtet wird. Ich bin unruhig, nervös, versuche daher, mich auf das zu konzentrieren, was um mich herum vorgeht. Mache eine erste Skizze, doch ist mir eher danach aufzuschreiben, was ich sehe und was in mir vorgeht. Der Reporterblock ist für beides gut.

c) Ausblenden-Einblenden: Ich sitze in der Taverne, sehe auf das ziemlich scheußliche Hotel, das in Zeiten der Diktatur dort hochgezogen wurde, aber auch auf die hübschen roten Dächer der alten Häuser.  (Die Fotos habe ich mit meinem neuen iphone gemacht, die Farbe kommen mir fremd vor).

Die Dächer bilden trotz  Schornstein, Sonnenkollektor und Lichtmast ein dem Auge angenehmes Ensemble.

Anschließend zeichne ich das zuvor „ausgeblendete“ Hotel samt Stromleitung, Meer und gegenüberliegender Küste. Das linke Foto zeigt einen schmalen Streifen davon. Ich habe es halbtransparent in die Zeichnung eingesetzt.

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Architektur, elektronische Spielereien, Fotografie, Kunst, Leben, Meine Kunst, Methode, Philosophie, schreiben, Zeichnung abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Ausblenden – einblenden – überblenden (tägliches Zeichnen)

  1. Werner Kastens schreibt:

    Ich finde, indem Du ein- oder überblendest verzerrst Du die Empfindung und führst Deine eigenen Ansprüche ad absurdum. An was kannst oder willst Du dann noch glauben, wo selbst Deine Existenz als mögliches Blendwerk erscheint?

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  2. gkazakou schreibt:

    Meine eigene Existenz eine Fiktion? Pures Blendwerk wie der Schatten und Strahlenkranz im gestrigen Beitrag von Joachim Schlichting? (https://hjschlichting.wordpress.com/2021/09/10/schatten-auf-einer-nebelbank/) Das habe ich bisher nicht gedacht, aber möglich ist es ja auch. Oder jedenfalls nicht unmöglich ;).

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  3. wildgans schreibt:

    Ein ganz schön wilder Eintrag, eine Art Lebensreportage…enthält, was dir wichtig ist, was und wie du siehst – für mich heftig, als käme dein Geist niemals richtig zur Ruhe, ich muss an Fassbinder denken. Gibt es Ähnlichkeiten in der Art zu leben?

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Sonja. An Fassbender muss ich nicht denken, denn ich kenne ihn kaum. Richtig ist, dass „dein Geist niemals richtig zur Ruh“ kommt. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie sich das anfühlen würde.

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