Zeig mir deine Wunde (Kätzchentod)

Kein Kätzchenlächeln mehr. Als ich heute aufwachend in den Hof hinunterschaute, sah ich das „Schwergewicht“ bewegungslos am Boden liegen. Ich eilte hinunter und sah sie da  hingemetzelt, wie das Gesetz der Natur es befahl. Alle? Ich fand fünf steife noch nicht ganz erkaltete Leiber neben und halb verborgen im Efeu, legte sie vorsichtig in den Korb, auf das leicht geblümte Tuch, das ich eigentlich für die Lebenden gerichtet hatte.

Ich dachte, jedes für sich noch einmal zu fotografieren, die versprochene „Charakterstudie“ im Tod, aber schon beim zweiten verließ mich der Mut.

 

Mama Prinkipessa schaut mich an. Ist da Vorwurf in ihren Augen zu lesen? Sie sucht, geht an den toten Kindern vorbei. Die Toten interessieren sie nicht. Schaut an verschiedenen Plätzen nach, sinnt, lauscht. Aber da ist nichts. Arme Mama Prinkipessa, wer trinkt nun deine Milch? Gibt es das sechste noch? Hat sie es weggetragen, dieses eine, und schaffte die anderen nicht? Oder habe ich nicht gut genug gesucht, zwischen dem Efeu?

Allmutter Natur wird es wissen: wozu sie dieses zauberhafte Leben gab, um es gleich wieder zu nehmen. Ich aber weine, weil ich mich nicht mehr am Lächeln der Kleinen trösten kann.

21.1.2021 Will.i, Max und Reden über den Tod

 

 

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Fotografie, Katastrophe, Leben, Natur, Tiere abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

48 Antworten zu Zeig mir deine Wunde (Kätzchentod)

  1. linienspiel schreibt:

    Auch meine Augen füllen sich mit Tränen. Gestern habe ich ganz erfreut deinen Bericht gelesen und dazu die Fotos der Katzenfamilie bestaunt, und jetzt das.
    Gerda, ich hoffe so sehr, dass bessere Zeiten kommen, und das möglichst rasch. Ich habe das Gefühl, dass rundherum soviel in Auflösung ist. Alles Liebe! Beate

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    • gkazakou schreibt:

      Dies Gefühl der Auflösung ist auch bei mir sehr stark, und es braucht Kraft, dass es nicht alles beherrschend wird. Der Himmel ist so dumpf und verschlossen, als wolle er uns keinen Segen mehr spenden. Die Kleinen schenkten ein paar kurze Tage Freude. Nun muss ich sie in mir selbst beleben. Es wird schon irgendwie gehen. Hab Dank für deine Worte. Gerda

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  2. Leela schreibt:

    was ist denn passiert?

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  3. Leinwandartistin schreibt:

    Oh! Ja, das ist traurig!

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  4. Oh nein… wie traurig. Das tut mir in der Seele weh.

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  5. Friedrich schreibt:

    Diese Fotos schaffen eine Starre in mir, es ging mir schon seit Kindheit so, wenn ich toten Tieren begegnet bin… Ein Gefühl der Begegnung mit der „unerbittlichen“ Wahrheit, ein Gefühl, das sehr tief eingeht. Klingt möglicherweise nach Pathos, ich kann es aber jetzt nicht anders ausdrücken. Der „erwachsene“ Kopf versucht tausend Gründe für das Geschehen zu finden, vielleicht auch warum es gut so war oder auch nicht usw. Es beeindruckt mich immer wieder, wie Tiere diese Verluste akzeptieren können/müssen – sie trauern auch, aber protestieren nicht.
    Entschuldige, die toten Kätzchen haben mich etwas verwirrt zurückgelassen…

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  6. signorafarniente schreibt:

    Eben tippte ich noch einen Kommentar mit viele Grüßen an deine Katzenbande und dann das. Mir fehlen die Worte. 😢😔

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  7. Gisela Benseler schreibt:

    Oh Gerda, wie konnte das nur geschehen. Ich traurere mit Dir. Sind alle Kleinen tot?
    Lebt die Mutter noch?

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  8. Hedwig Mundorf schreibt:

    Das ist ja sehr traurig. Gibt es Füchse in dem Revier, die sollen auch Katzen jagen…?

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  9. wildgans schreibt:

    Schock. Das Gesetz der Natur?

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    • gkazakou schreibt:

      Ja. Was sonst? Sie sorgen fürs Gleichgewicht und kümmern sich nicht um unsere Gefühle. Zu viele reizende Katzen sind der Vögel Tod. Und die Konserven, die ich Ihnen verfüttere, sind der gequälten Tiere aus Massentierhaltung Tod. Wir Menschen füttern und sterilisieren, der Kater oder Marder macht kurzen Prozess. Ich weine um meine Kätzchen, aber Allmutter Natur ist weiser als ich.

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  10. monimonikablog schreibt:

    das tut mir sehr sehr leid.

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  11. Random Randomsen schreibt:

    Das ist traurig. Aber so kurz ihr irdischer Lebensweg auch war, haben diese Wesen es doch vermocht, Freude zu schenken. Und ich denke, sie haben zumindest einen würdigen Aus-Klang verdient. Hier spielt Sokratis Sinopoulos auf der Lyra, begleitet von einem Gambenquartett:

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    • gkazakou schreibt:

      Danke von Herzen, Random. Prinkipessa scheint noch drauf zu warten, dass ich ihr ihre Jungen zurückbringe. Hält sie mich für eine Göttin?

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    • gkazakou schreibt:

      Ja, Random, sie wirkt traurig und verlassen. Ich ließ die hintere Tür offen und sie kam rein, ließ sich im Flur nieder, als suche sie Schutz. Ich spreche mit ihr, sage ihr, dass sie die nächsten Jungen im Schutz des Hauses bekommen soll. Scheu ist sie immer noch.

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      • Random Randomsen schreibt:

        Ihre Scheu mag zu einem guten Teil ein Erbstück sein. Kultiviert von Generationen von Vorfahren, die durchaus die Erfahrung gemacht haben, dass es besser sei, Menschen zu meiden. Prinkipessa scheint nun zu ahnen, dass es auch anders sein kann. Aber das Vertrauen ist ein zartes Pflänzchen, das behutsamer Pflege bedarf…

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  12. Gisela Benseler schreibt:

    Ja Gerda. Ich habe Deinen Beitrag jetzt noch einmal genauer gelesen. Alle 5 Jungen sind totgebissen worden, von wem auch immer. Grausam. Und das 6. wahrscheinluch auch, wie es scheint. So hat das Raubtier wohl, wie Hedwig vermutet, 5 getötet und das 6. als Beute mutgenommen zur Fptterung fpr seine Jungen. Und an Nachwuchs ist vorerst nicht zu denken.🐺Ich trauere mit Dir und auch mit Katzenmama Prinkipessa. Ob es nun Allmutter Natur war oder doch diese schrecklichen Feuer, die viele wildlebenden Tiere in Raubtiere verwandelte? Möglicherweise wäre die vorsichtige Mama lieber in dem heißen engen Versteck gestorben, als in der Freiheit nun ihre Jungen verlieren zu müssen? Was die Tiere doch andererseits unglaubliches ertragen aus Liebe zu ihren Kindern?!

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  13. hanneweb schreibt:

    Oh je, dieser Anblick tut richtig weh!!! 😟

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  14. Es wäre so toll, wenn wenigstens das sechste noch leben würde …
    Ich bin traurig mit dir, liebe Gerda!

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  15. Christiane schreibt:

    Ich weine mit. Natur, ja, trotzdem. Schlimme Zeiten. 😩

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  16. Johanna schreibt:

    Ach liebe Gerda… ich lese es erst jetzt, hatte aber davon erfahren….
    Wie gern hätten wir Deine Freude an den Katzen weiter verfolgt…
    Und ja, Allmutter Natur wird den Sinn wissen 💛💛💛

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    • gkazakou schreibt:

      Prinkipessa ist dieser Tage merkwürdig. Sie, die Stumme, mauzt und ruft. Sie sprang vorhin an der Wand hoch, um ins Schlafzimmer zu gelangen, eilte die Stufen zur Turmterrasse hoch. Ich machte die Tür auf, auch die zur Toilette, dessen Fester über dem desSchlafzimmers liegt, sah nichts besonders. Später saß sie im Turmzimmer. Ich habe das Gefühl, dass ein Junges noch lebt und sie es da oben versteckt hat. Und deshlab versuchte sie, an der Mauer hochzuspringen, um in die obere Toillette zu gelangen, deren Tür verschlossen war. Gefunden habe ich noch nichts, aber ich will auch nicht auffällig suchen, das würde sie verstören. – Es wäre einfach zuuu schön. Ich glaube,es wäre das schwarz-weiße, das hier mal durch die Terrassentür schaute und mich mit spitzen Ohren genau beobachtete.

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      • Johanna schreibt:

        Danke Gerda, ich wünschte es auch! Aber sehr beeindruckend, wie sie mit all diesen grossen Dingen umgeht… was für eine Weisheit die Tiere doch haben…

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