Noch schnell ein Beitrag zum Buchstaben I, liebe Heide, bevor es auch damit vorbei ist. Bei Wortman ist derselbe Buchstabe dran, und so schließe ich hier an den dortigen an: Imitat.
Eigentlich wollte ich etwas über I wie Intarsien schreiben, aber das Schachbrett, das mit echten Intarsien geschmückt ist, befindet sich in Athen. Hier gibts nur ein Intarsien-Imitat.
Darauf steht ein Solitärspiel mit Eulen-Intarsien – ebenfalls Imitat, freilich. Beide Spiele stehen auf einem runden Tischchen mit Marmorplatte, und die ist echt. Marmor gehört hier zu den normalen Werkstoffen.
Das Schachbrett ist eigentlich ein Kasten. Die Innenseite ist als Tavli-Brett, auch Backgammon genannt, gestaltet, und dient in zusammengeklapptem Zustand den Spielsteinen als Aufbewahrungsort.
Von diesem Kasten-Brett als geht heute die Reise los … hin zum entsprechenden aus echten Intarsien, das in Athen steht und das ich vor vielen vielen Jahren in Istanbul erwarb. Ich glaube, es war 1962, und ich war zwanzig Jahre alt.
Als arme Studentin streifte ich durch den Basar von Istanbul, und mein Blick blieb an der feinen Arbeit aus hellen und dunklen Feldern hängen. Der Händler bemerkte mein Interesse und wollte sie mir verkaufen, doch ich musste passen. Viel zu teuer. Hin und her gings mit dem Verhandeln, aber wo nichts ist, bleibt auch das beste Feilschen erfolglos. Nun, „nichts“ ist natürlich übertrieben, ein bisschen Geld hatte ich ja durchaus dabei….
Das war dem Händler, einem freundlichen ältlichen Mann, wohl auch bewusst, denn er lud mich zu einem Spielchen ein. Würde ich gewinnen, würde ich das Spielbrett für einen lächerlichen Preis erhalten, andernfalls …
Vergessen habe ich, was andernfalls passiert wäre, denn ich gewann. Es war ein erhebender Augenblick. Stolz wie ein Spanier (?) nahm ich das in Zeitungspapier gehüllte Objekt meiner Begierde in Empfang, Seither wanderte es durch alle meine Haushalte und wurde viele Sommer und Winter bespielt, bis die Intarsien sich vom Klackern der Würfel lockerten. Bis heute ist es als Schachbrett nützlich. Aber als Tavlibrett taugt es nicht mehr. Und so wurde ein ganz gewöhnliches beschafft, das seinen Zweck freilich genauso gut erfüllen würde -wenn wir es denn noch bespielen würden. Aber wer weiß? Vielleicht werden wir ja doch noch einmal bei einem Glas Ouzo, mit klirrendem Eis und klackernden Würfeln im Garten zu sitzen und Glück und Geschicklichkeit beim Tavlispiel erproben?
Sonst bleibt nur das stille Solitär, das nie aufgeht.

so eine schöne Geschichte…
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so eine schöne Geschichte…
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So wurde Dir dies Schachspiel sicher besonders wertvoll, mit all den Erinnerungen, Gerda.
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Ich mag Dinge, an denen eine Geschichte hängt sehr!
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Habt Ihr denn Schach oder Backgammon
(Ich kenne es auch unter dem Namen Tabla) gespielt,
der nun bestimmt sehr alt gewordene Händler und Du?
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