X Der Rad – Schicksals- oder Glücksrad?

Die No X im Tarot nennt sich „das Rad“ und wird oft als „Schicksalsrad“ ausgelegt. Wie beim Rad, das sich ständig drehe, befinde man sich eben mal oben mal unten.  Und wenn man unten sei, gehe es auch wieder bergauf. Also sei das Beste, es annehmen und die gegebenen Spielräume zu nutzen, lese ich.

Doch ist das Schicksal ein Rad? Ich meine: nein. Es ist tief mit unserem Sein, unserem „Karma“ verwoben und folgt dem Gesetz des Ausgleichs von Nehmen und Geben, dem Gesetz der Nemesis. Selbst die Götter sind ihm unterworfen. Dagegen ist freilich keine Rebellion möglich. Da bleibt nur: es anzunehmen und zu verstehen. Und für den gebotenen Ausgleich zu sorgen. Die gegenwärtige globale Krise ist in diesem Sinne „Schicksal“ für die Menschheit. Geschieht der Ausgleich, dann, und nur dann  dreht sich das Rad und hebt die Menschheit eine Stufe höher.

Dargestellt wird das „Rad“ meist wie die Drehscheibe im Roulett. Das verweist auf eine andere unser Leben beeinflussende Göttin: das Glück. Das Glücksrad ist unberechenbar, es dreht sich, wie es will. Fortuna ist seine Gottheit, Zufall sein Gesetz. Ich mag dies Glücksprinzip nicht besonders, eben weil es sich jedem Kalkül entzieht. Aber es ist unbestreitbar eine gewaltige Macht.

Fortunas Rad und die Nemesis

In Zentrum von „Fortunas Rad“  sitzt bei mir eine spinnenartige Königin. Dümmlich wirkt sie, irrational und amoralisch ist ihr Charakter. Sie lässt die Luft um sich flirren. Ihre Strahlen treffen oder treffen nicht – reiner Zufall. Sie verspricht den Armen Wohlstand, Gesundheit, Liebesglück. Wie verschieden doch die beiden Gottheiten Fortuna und Nemesis sind!

Wo Fortuna lockt, predigt der Hohepriester tauben Ohren. Unser Narr hört das Schwirren ihres Rades mit Vergnügen.

Und die Armen, die wie Zwerge in den Bergwerken schuften, frönen ihr und bringen ihr Opfergaben dar. Können sie die Göttin gnädig stimmen, dass sie sie teilhaben lässt am Reichtum der Welt?

Herr Ritter, was nützen dir deine Tapferkeit und Gelassenheit? Was nützt dir deine Rüstung? Fortunas Rad dreht sich, ihr Strahl trifft dich oder trifft dich nicht. Ein verirrter Pfeil, der Stich einer Wespe kann dein Ende bedeuten. Pech gehabt, Herr Rittersmann.

Und hier die bisherigen Karten im Überblick (zum Vergrößern anklicken):

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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31 Antworten zu X Der Rad – Schicksals- oder Glücksrad?

  1. sylvieb61 schreibt:

    Liebe Gerda! Bin ja nun endlich wieder in der Lage, Beiträge zu lesen.
    Dein Beitrag heute ist sehr interessant und hilft beim Überlegen und Nach-denken, neu sortieren, Beschlüsse fassen.
    Was für eine Zeit. Aber so wie das Rad, dreht sich auch das Leben, drehen sich die Abläufe im Kreis.
    Auch eine Schraube dreht sich im Kreis. Irgendwann geht es nicht weiter, dann überdreht sie und danach geht dann alles viel leichter, bzw es ist zu überlegen, wie kann es weiter gehen, wenn alles so festgefahren ist.
    Ach, man könnte so viel philosophieren, aber wem hilft‘s?
    Abwarten und Tee trinken ist das, was uns bleibt.
    Bis eine neue Schraube eingedreht wird.
    Alles Liebe
    Silvia

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  2. kormoranflug schreibt:

    Je schneller sich das Rad dreht um so mehr Menschen fallen vom Rad ins Ungewisse.

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  3. Gisela Benseler schreibt:

    Oh, was ist das inzwischen für eine zahlreiche, vielgestaltige Gesellschaft! Da ist ja eigentlich fast alles möglich. Da wir ja aber das Gute der Menschheit im Auge haben, werden wir wohlbedacht sein mit all unseren Entscheidungen. Alle streben irgendwie nach Glück. Alle wollen für sich gern Gerechtigkeit. Jeder hätte gern auch ein bißchen Macht, um in seinem Bereich herrschen zu können. Alle sind auch gern mal Gaukler und Spieler. Alle wollen gern auch an Tugend und Weisheit Anteil haben. Ach ja, wie soll ein irdischer Herrscher, der ja vorläufig noch in einem Sessel sitzt, da für Recht und Ordnung sorgen und sie vor allen Gefahren schützen? Das wird kaum möglich sein für alle. Was bleibt ihm? Gesetze und Verordnungen, denen sich alle fügen müssen, damit das Ganze funktioniert. Doch damit die Gesetze nicht willkürlich sind, läßt sich der Herrscher beraten. Am besten aber, er handelt möglichst unbeeinflußt und übt eine Autorität aus. Sonst wird er von all den vielen Beratern manipuliert und ist nicht verläßlich.

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    • gkazakou schreibt:

      Vielen Dank, Gisela. Der letzten Schlussfolgerung möchte ich widersprechen: absolute Herrscher, die sich allein auf ihre Autorität berufen, sollte es nicht mehr geben. Nicht nur bedarf vieler Berater für all die verschiedenen Sachbereiche, sondern vor allem transparente Institutionen. Herrscher im alten Sinne wünsche ich mir wirklich nicht zurück.

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  4. Ule Rolff schreibt:

    Sehr unsympathisch ist mir dieses Glücksrad, liebe Gerda, denn ich glaube so stark an Klugheit und eigene Entscheidungen und aktiven Einsatz für das eigene Leben. Diese Bereich werden oft so stark eingeschränkt (und so ungerecht!) von der unbestreitbaren Macht des Glücks. Wir merken es gerade, und werden es noch deutlicher zu sehen bekommen in der nächsten Zukunft.

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    • gkazakou schreibt:

      Tja, liebe Ule. Manche sagen, das Glück sei eine Hure. Sie legt sich zu jedem, der zahlen kann. Für wen diese Seuche das AUS bedeutet und wer nochmal davon kommt, ist unbestreitbar auch eine Frage des Glücks und dh in dem Fall, der finanziellen Mittel, die ihm zur Verfügung stehen.

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  5. Gisela Benseler schreibt:

    Hier noch eine Ergänzung, die vielleicht in das Ganze paßt? Bei einer Pferdedressur las ich gerade etwas über die Zügel. Und da wurde etwas zitiert:“ Die Zügel sind nicht zum Ziehen, sondern zum Zügeln da.“ Könnte zum idealen Herrscher passen, aber auch für das Verhalten seiner „Untertanen“. Ob sie aber Untertanen bleiben, oder zu „Freien“ aufsteigen, hängt wohl davon ab, ob sie ihre Wünsche und Egoismen zu „zügeln“ verstehen.

    Liken

  6. Verwandlerin schreibt:

    Ganz großes Kino wieder, liebe Gerda! Bzw. grieantike Tragödie auf à la Moderne.

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  7. Ulli schreibt:

    Für mich stellt sich ganz zuerst die Frage: was ist Glück? Ein philosophischer Exkurs wäre vonnöten, um überhaupt verstehen zu können, was hier wirklich gemeint ist. Was sich aber sehr deutlich zeigt ist, dass wir nicht allein bestimmen können oder es in der Hand haben, ob Schicksale eine glückliche Wendung nehmen oder nicht. Wir können nur unser Bestes geben und dazu bin ich wild entschlossen, der Rest liegt nicht in meiner Hand.
    Und dann muss ich all das nehmen, wie es kommt, ob es mir passt oder nicht und schauen, ob ich dem Ganzen etwas entgegen zu setzen habe oder nicht. Mich allein auf Fortunas Glücksstrahl zu verlassen erscheint mir sehr naiv.
    Ich nehme dein Rad als sehr verschwommen wahr, es ist mir nicht sympathisch. Ganz anders geht es mir mit meiner Karte von diesem Rad, das von drei Gestalten in Schwung gehalten wird: ein Krokodil als Symbol für die eigene schöpferische Kraft, die Sphinx, die hier als Kraft der Objektivität gedeutet wird und ein Affe, der für Flexibilität steht.
    Wenn wir an dem festhalten wollen was einst gewesen ist, dann können wir nur verlieren und fallen. Bleiben wir aber offen, flexibel, bemühen wir uns um eine objektive Sicht (soweit dies überhaupt möglich ist) und nutzen in der Situation unsere schöpferische Kraft, dann können wir dem Rad einen Schwung in eine andere Richtung geben. Somit sind wir nicht einfach nur Opfer.
    Puh, hoffentlich führt das jetzt nicht wieder zu Missverständnissen.
    Herzliche Grüße
    Ulli

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Ulli. Zu Missverständnissen führt es nicht, es beruht auf einem Missverständnis. Ich habe Fortunas Rad gelegt, und diese Glücksgöttin ist mir nicht sympathisch, wenngeich ich froh bin, wenn sie das nicht hört. Denn ich hatte im Leben sehr viel Glück und möchte auch weiter Glück haben. Die Strahlen habe ich absichtlich verschwimmen lassen, Warum, schreibe ich im Text.
      Ich schreibe auch, dass ich das Bild des Rades für das Schicksal ungeeignet finde, da das Schicksal sich nicht wie ein Rad dreht; auch wenn es Aufs und Abs gibt.
      Du schreibst darüber, was du zu tun versuchst, um dein Leben zu meistern. Das aber ist für mich nicht das Thema des Rades, sondern gehört zB zur Karte der „Kraft“. Hier geht es um das ganz krude Glück, das man hat oder nicht :Es ist das Bild des Roulette. Die Kugel rollt. der eine gewinnt, der andere verliert. Der eine lebt, der andere stirbt.

      Gefällt 1 Person

      • Ulli schreibt:

        Es ist heute etwas schwierig mit uns, liebe Gerda, warum auch immer noch. Darum schreibe ich jetzt lieber nichts mehr, da du mich dann eben doch nicht verstanden hast und auch nicht was ich zur Karte aus meiner Sicht geschrieben habe, was gar nicht weit weg von deiner Auslegung ist, nur mit drei anderen Aspekten zusätzlich.

        Gefällt 2 Personen

  8. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    Ein Rad bei den Tarotkarten. wie spannend, liebe Gerda. Wie gut, daß Du es nicht als Schicksalsrad siehst, denn das kann ich auch nicht, weil das Schicksal sich tatsächlich nicht dreht, sondern ausbricht, wenn keiner daran denkt, einen runden Lauf gibt es einfach nicht, während das Glück viel besser in ein Rad passt, so wie es auf Jahrmärkten zu drehen ist und kleine Gewinne oder auch Nieten *ausspuckt*. Ein unberechenbares Rad, das Glücksrad. Deine Legearbeit zeigt das Glück so verwaschen/so unscharf, wie es tatsächlich ist.

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Bruni, für deine Zustimmung. deine assoziationane gehenin dieselbe Richtung wie meine. Glücksrad, Jahrmarkt, Roulette. Instabil ist das Glück. Das Rad dreht sich, du kannst nicht erkennen wann es zum Halt kommt, welche Zahl es anzeigen wird….wirst du am Ende der reiche Mann sein oer wieder nur die Achseln zucken und etwas Ärmer nach Hause gehen?

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      • www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

        Tja, was wird mein sogenanntes Gück nun wieder mit mir machen…? Wenn das Rad sich nicht mehr dreht, werde ich es wissen…
        Wurde überhaupt mal einer wirklich reich durch Glückspiel?

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    • gkazakou schreibt:

      Vorübergehend schon, liebe Bruni. Und natürlich gibt es die Spieler an der Börse, die sind zum Teil steinreich geworden. Manchmal habe ich ein Lotto gekauft mit em Gedanken: wenn du es nicht ausprobierst, kann das Glück dich nicht treffen. Na, es traf dann sowieso nicht. Aber im Leben insgesamt schätze ich mich vom Glück begünstigt. Liebe Grüße!

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      • www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

        Da denke ich sofort an die vorübergehenden Lottomillionäre…
        An der Börse, ach ja, aber was da wie Spiel aussieht, ist bitterer Ernst.

        Ich finde bei mir Glück und Pech gleichermaßen, liebe Gerda, und daß ich es doch als Glück empfinden kann, ist ein großes Glück und nun das so überaus putzige noch so kleine Enkelchen, von dem ich täglich neue kleine Videos bewundern kann. Das ist ein Glück!

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      • gkazakou schreibt:

        da hast du echt Glück, Bruni 🙂 . Enkelkinder hab ich leider nicht, aber ich beklage mich nicht, schaue auf das, was das Leben mir gab. Und das ist nicht wenig. Ich schaue auch auf das, was das Leben mir nicht nahm. Und bin dankbar.

        Gefällt 1 Person

  9. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    Das können wir sein, liebe Gerda!

    Gefällt 1 Person

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