Ausstellung Frauenbild in Griechenland. 1. Von 1850 bis zur Jahrhundertwende.

Ich habe heute griechische Gemälde mit dem Thema „Aroma Frau“ angeschaut – auf drei Stockwerken der Stiftung Theocharakis im Athener Stadtzentrum hat man alles, was in der grechischen Malerei Rang und Namen hat, zusammengetragen. Nur eine Malerin war darunter.

Ich habe auch tüchtig fotografiert. Aber wie soll ich euch jetzt diese Kunst präsentieren, die in Griechenland hoch geschätzt, im Ausland aber so gut wie unbekannt ist?

Ich beginne einfach mal mit dem obersten Stockwerk. Dort hängen Portraits von Frauen, die auf sich hielten: „Archontissa“ – Herrin mit viel Landbesitz und Gesinde – oder Lady, Dame von Welt. Griechenland hatte sich damals noch kaum aus der osmanischen Herrschaft freigekämpft, aber die BürgerInnen zeigten schon voller Selbstbewusstsein, wer sie zu sein wünschten.

Zum Beispiel: Andreas Kriezis, Herrin von der Insel Hydra, 1849, und Aristeidis Oikonomou, Portrait einer Lady, 1849.

Gegen Ende des Jahrhunderts hat sich die Selbstdarstellung der griechischen Frauen schon deutlich gewandelt. Der Ausdruck wird persönlicher, unmittelbarer. Hier zwei Beispiele der in München ausgebildeten Maler Lytras und Gyzis: links die Frau von Gizis, Artemis (1890) und rechts das Fräulein Horn (1918).  Aber da sind wir schon im 20. Jahrhundert gelandet.

Sehr beliebt werden gegen Ende des 19. Jahrhunderts Darstellungen häuslicher Szenen in idyllischer Manier, die vor allem von den „bayrischen“ Malern Gyzis und Lytras mit großer Lebendigkeit und Kunstfertigkeit gemalt  wurden. Hier Konstantinos Panorios (Mädchen mit Brotkorb, 1885), Nikolaos Gyzis (Kuckuck! Detail, 1882), Nikiforos Lytras (Warten, 1895). Diese Bilder haben bis heute nichts von ihrer Beliebtheit verloren.

Die mondänen Damen, die ihre elegante Langeweile auf Chaiselongues mit Hündchen teilen, sind dem Zeitgeschmack der Jahrhundertwende aber wohl eher gemäß. Von den großen Umwälzungen in der Malerei um die Jahrhundertwende aber kommt kaum etwas in der griechischen Malerei an. Hier Beispiele von Iakovos Rizos (1885) und Mathiopoulos (1899).

Morgen geht es dann weiter mit dem 20. Jahrhundert. Gute Nacht!

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, die schöne Welt des Scheins, events, Kunst, Leben abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

28 Antworten zu Ausstellung Frauenbild in Griechenland. 1. Von 1850 bis zur Jahrhundertwende.

  1. Susanne Haun schreibt:

    Danke, Gerda. Das weiß gekleidete aus dem Fenster schauende Mädchen mir den Lilien links erinnert mich sofort an Maria Verkündigung.
    Es ist interessant, wie die Frauen (durch die Augen von Männern) gesehen werden,
    Einen schönen Tag von Susanne

    Gefällt 3 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Mir fiel auf, liebe Susanne, dass die Frauen nicht nackt, aber durchaus sehr attraktiv gemalt wurden. Die Bekleidung – auch als Symbol von Stand und Würde – spielte eine große Rolle für die Frauen, und das wurde von den männlichen Malern respektiert. Sicher auch deswegen, weil der Markt für Kunst sehr klein war und vor allem begüterte Bürger und Bürgerinnen Bilder kauften. Das taten sie allerdings mit Begeisterung, und so blieb es bis zur Krise 2009.
      Dir eine gute Erholung! Gerda

      Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      Eins. Es erinnert an die Wäscherinnen von Liebermann. Ich zeig es noch.

      Gefällt 2 Personen

  2. Arno von Rosen schreibt:

    Das sind wunderschöne Gemälde liebe Gerda und mich faszinieren diese alten Arbeiten immer wieder! Hab ein ruhiges Wochenende!

    Gefällt 1 Person

  3. Ulli schreibt:

    Guten Morgen, Gerda, Frauenbilder durch Männeraugen gesehen, dies begleitet uns schon lange, es ist in der „alten“ Kunst üblich gewesen, auch in der Literatur. Daraus kann man durchaus auch ein Thema machen, Frauenbilder mit Frauenaugen gesehen, als Bilder und Texte, ja, das fände ich spannend!
    Aber ich kann auch diesen alten Gemälden viel abgewinnen und bin sehr auf deine Fortsetzung gespannt.
    Von der Dynamik mag ich ganz besonders das Bild der jungen Frau im weißen Gewand, die aus dem Fenster schaut, hinaus in die Welt, denke ich dabei und es erinnert mich an eine Fotografie, nun muss ich aber erst einmal die Erinnerung wecken, von wem es war, dann füge ich auch noch einen Link hinzu.
    Aber auch Frl. Horn mag ich, es zeigt Selbstbewusstsein, andere Motive empfinde ich als sehr klassisch, ohne Wertung!
    herzlichst, Ulli

    Gefällt 2 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Herzlichen Dank, Ulli! Ja, auch ich dachte, als ich durch die umfangreiche Ausstellung wanderte: wo sind die Frauen als Malerinnen? Ich fand nur zwei, die eine aber war so schlecht, dass ich sie gleich aussonderte. Es wird wohl mehr Frauen geben,die Frauen malten, aber in der Ausstellung fand ich sie nicht. Und mir fallen spontan auch keine Griechinnen ein. Die mir bekannten haben sichanderen Themen zugewandt.
      Die Neigung zur „klassischen“ oder auch realistischen Malerei ist in Griechenland bis heute sehr ausgeprägt, da hat sich seit der Αntike nicht viel geändert, als man den zu Alexanders Zeiten so berühmten Maler Apelles bewunderte, weil er alles so lebensecht darstellte, dass man nicht wusste, hatte man einen Jüngling oder einen gemalten Jüngling vor sich. Liebe Grüße!

      Gefällt 3 Personen

  4. puzzleblume schreibt:

    Was für einen interessanten Titel die Ausstellung doch hat! Mit dem Eindruck jeder einzelnen der Dargestellten bzw. den sie umgebenden Kleidern und Räumlichkeiten könnte man andere Kombinationen von Aromen erwarten, die Gerüche, die den Kleidern anhaften mögen, seien es tatsächlich die von ihnen gewählten Parfüms oder durch Tätigkeiten des Alltags anhaftend, wie von Küche und Brot, Marienlilien, Hunden oder dem Baby – oder beides zu jeweils einer individuellen Mischung, die in jedem Bild sein Motiv umgeben mag.

    Gefällt 2 Personen

  5. puzzleblume schreibt:

    Die Freude beim Nachspüren war ganz meinerseits.

    Gefällt 1 Person

  6. kowkla123 schreibt:

    Frauen-Griechenland-Rosen aus Athen-Nana-so ist mein Griechen-Frauenbild, nimm bitte meinen herzlichen Gruß entgegen.

    Gefällt 1 Person

  7. Random Randomsen schreibt:

    Ohne mir eine künstlerische Wertung anmaßen zu wollen, nein, rein vom persönlichen Empfinden her sprechen mich die „häuslichen“ Bilder ganz besonders an. Alltägliche Momente, aber dergestalt dargestellt, dass eben genau diese Würze zum Ausdruck kommt, die dem alltäglichsten Alltag das Besondere verleiht. Am meisten fasziniert mich dabei das „Mädchen mit dem Brotkorb“. Eher nüchtern der Hintergrund. Die Kleidung schlicht, aber doch von einer gepflegt-geschmackvollen Schönheit. Und vor allem das Gesicht des Mädchens, das sich jeder gesichtsausdrücklichen Aufdringlichkeit enthält und unter anderem eben deshalb so ausdrucksstark wirkt. 🙂

    Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      Lieber Random, für mich ist das auch ein ganz besonderes Bild, Mich beeindruckt das unbewegt-bewegte des Mädchens. Es steht da, als stünde es eben gerade oder schon immer dort, es bewegt sich nicht und ist doch voller Bewegung. Es verzieht keine Miene und ist doch von sehr großer Ausdruckskraft.

      Gefällt 2 Personen

      • Random Randomsen schreibt:

        Ja, man kann sich hier kaum sattstaunen. 🙂
        Mir war der Name des Malers überhaupt nicht geläufig, und so habe ich ein wenig netzgestöbert. Der ist ja nur 35 Jahre alt geworden. Und man würde hier doch eine über Jahrzehnte gewachsene und verfeinerte Meisterschaft vermuten.

        Gefällt 2 Personen

    • gkazakou schreibt:

      ganz herzlichen dank, Random, fürs Stöbern! Ich kannte dieses Bild seit langem, aber über den Maler wusste ich auch weiter nichts, schaute eben nach.er starb im „Irrenhaus“. Welcher Art seine Psychopathie war, weiß ich nicht, aber ich sehe jetzt die dunklen schwermütigen Augen das Mädchens – oder auf einem anderen Bild, eines Jungen – noch einmal anders.

      Gefällt 2 Personen

      • Random Randomsen schreibt:

        🙂
        Ich bin diesem Bild und seinem Urheber hier zum ersten Mal begegnet und wollte deshalb wissen, wer da zu solcher Zauberei fähig ist (bzw. war). Die besonderen Eigenschaften dieses Bildes lassen vermuten, dass dieser Maler mit besonders feinen Antennen ausgestattet war, die seine Sinneswahrnehmungen ins Vielfache gesteigert haben. Und diese extra Wahrnehmung hat er auch im Bild eindrücklich rübergebracht. Aber es ist schon denkbar, dass jemand mit dieser Veranlagung Gefahr läuft, im tosenden Meer der Sinneseindrücke unterzugehen.

        Gefällt 2 Personen

  8. Vielen Dank für diese informative und interessante Lektion. Mir war diese Kunst bislang völlig unbekannt.

    Gefällt 1 Person

  9. Nadia Baumgart schreibt:

    Sehr interessant! Herzlichen Dank, liebe Gerda, für diese Einblicke, die in Deutschland tatsächlich so gut wie unbekannt sind. Manche Frauenportraits aus dem 19. Jahrhundert erinnern mich stark an diejenigen von Gustave Courbet.

    Es ist auch sehr spannend mal wieder zu erleben, wie bestimmte Kunstrichtungen und Motive sich zeitgleich in ganz Europa wiederfinden, weil die Künstler international immer schon agierten, beziehungsweise im Ausland studieren. So etwas wie eine „Globalisierung“ von Stylen und eben auch von Anschauungen gab es eben viel früher, als viele von uns heute wahrhaben wollen.

    Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      Stimmt, der Austausch zwischen den Kulturen war immer sehr groß, seit der Antike. Wir haben viel zu enge Vorstellungen von diesem ständig sich gegenseitig befruchtenden Hin und Her im Geistesleben, in der Kunst, im Handel. Allerdings ist die „Globalisierung“ dann problematisch, wenn sie von einem Zentrum ausgeht und alle anderen Ausdrucksmöglichkeiten herabmindert, abwertet, und schließlich alle Kulturschaffenden in den einen Sog zwingt. Bei der Malerei um die Jahrhundertwende war der Magnetismus von Paris enorm, zwang alles in seinen Bann. Dann kam New York, wo auch heute noch die wichtigsten Agenten des Kunsthandels sitzen. ….

      Gefällt 2 Personen

  10. www.wortbehagen.de schreibt:

    Es ist kein einziges Bild dabei, von dem ich sagen könnte, das mag ich nicht, es liegt mir ganz und gar nicht. In jedem ist großes Können, und natürlich gibt es dann die Lieblinge darunter.
    Bei Fräulein Horn verweilte ich schon länger und dann kam das Mädchen mit dem Korb, der ein Brotkorb sein könnte und ich sah sie mir lange an, weil ich überlegte,was sie denkt, während sie dem Maler Modell steht. Ein wundervolles eindrückliches Bild. Die Frau, die sich zum Fenster reckt, gefällt mir auch sehr und die jungen Damen mit Hund , bzw. Ärmelhündchen sind so gekonnt gemalt, daß es eine Freude ist, sie anzusehen in ihrer häuslichen Umgebung.
    Ein wundervolle Ausstellung muß es sein, liebe Gerda

    Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      Schön! ich freue mich wie immer über dein genaues und zugleich Imaginationen zulassendes Schauen. ich stimme dir zu: alle Bilder haben ihren Wert und ihren Charme und sind meisterlich gemalt. Diese Qualitäten gehen in den nachfolgenden Generationen verloren. An seine Stelle muss etwas Neues treten. Aber was?

      Gefällt 1 Person

  11. www.wortbehagen.de schreibt:

    Vielleicht wäre eine leichte Rückführung nicht schlecht? Die aber zu einer neuen Aufnahmebereitschaft führt?
    Ich mag die älteren Gemälde wirklich sehr

    Gefällt 1 Person

  12. www.wortbehagen.de schreibt:

    Vielleicht die *neuen* Frauen an ihren Arbeitsplätzen, mit ihren Kindern, Männer mit zerquältem Gesichtausdruck, weil sie um ihre Arrbeitsplätze fürchten? und, und, und
    Den Ausdruck in den Gesichtern der Menschen der Gegenwart? Junge Damen, wie sie sich heute geben? Kichernde Teenager?

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.