Gruß zum Reformationstag

Ich bin keine Kirchengängerin, war es nie. Aber eines gefiel mir immer: dass ich im evangelisch-lutherischen Raum Deutschlands aufwuchs. So ist mir das Anti-Päpstliche zur zweiten Natur geworden. Grund genug, den Reformationstag zu feiern anstatt Allerheiligen. Oder gar Halloween, dieser merkwürdige Import aus den Vereinigten Staaten, der heutzutage so beliebt ist.

Doch was passt zum Reformationstag? Vielleicht das, was Luther bekämpfte? Ein rotgewandeter Kardinal vielleicht, dem andere Würdenträger Referenz erweisen? Ich fand einen in meinem Archiv. Er stammt aus der Zeit, als ich meine allerallerersten malerischen Gehversuche machte.

Der Kardinal, Aquarell, ca 1981 (c) gerda kazakou

Vielleicht war es mein aufsässiger Geist, der mich damals inspirierte. Vielleicht wählte ich das Motiv aber auch, weil mir eine Kardinalsskulptur von Giacomo Manzu nicht aus dem Kopf ging. Die hatte mir enormen Eindruck gemacht, als ich sie, damals 17jährig, in einem Skulpturen-Park in Belgien sah. (Das Foto fischte ich aus dem Netz, in der Hoffnung, dassich keine Rechte verletze).

Giacomo Manzu, Cardinal. Fremdes Foto

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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18 Antworten zu Gruß zum Reformationstag

  1. Myriade schreibt:

    Da sieht man doch auch, welch weiten Weg du malerisch gemacht hast.

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  2. Elke H. Speidel schreibt:

    Ich bin gezwungenermaßen atheistisch aufgewachsen, ohne Allerheiligen, ohne Reformationstag. Obwohl ich durchaus in die Kirche ging und mich auch konfirmieren ließ. Aber das war privat, die kirchlichen Feiertage jenseits von Weihnachten, Ostern und Pfingsten kannten wir nicht. Trotzdem grüße ich dich gern zum Reformationstag zurück, aus dem katholischen Köln, nachdem ich drei kleinen Mädchen (vier, fünf und sechs Jahre alt schätzungsweise) mit ein paar Bonbons das Halloween-Feiern versüßt habe. Ist doch egal, wie die Feste heißen. Ich bin dafür, sie zu feiern, wie sie fallen.

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    • gkazakou schreibt:

      es ist schon recht, die Feste zu feiern, wie sie fallen, liebe Elke, und wenn die Kleinen Spaß am Halloween haben – wer will es ihnen verdenken? Doch, wie ich eben schon bei Viola schrieb, ist die Reformation eben ein ganz besonders wichtiges Geschehen in Deutschland, im Guten und im Schlimmen, und es ist nicht überflüssig, sich in der Geschichte umzuschauen, die bis in die Gegenwart wirkt.

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  3. violaetcetera schreibt:

    Ich bin im katholischen Köln als Kind einer protestantischen Mutter (preußische Vorfahren) und eines katholischen Vaters (rheinländisch/schwäbisch) evangelisch getauft und konfirmiert. Aber ich finde gut, dass ich Einblick in beides bekommen habe.
    Danke, dass uns auch zum Reformationstag mit passender Kunst versorgt hast.

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    • gkazakou schreibt:

      Ist ja auch ein wichtiges Ereignis gewesen, diese Reformation. Weit mehr als nur Anti-Päpstliches. Im Grunde ist die Deutsche Sprache damals geschaffen worden…. das ist die große Leistung der Luther-Bibelübersetzung. Dass es dann so blutig zuging mit 3o Jahren schrecklichem Krieg und einer Spaltung Deutschlands in so und so Gläubige, ist freilich ein Trauerspiel.

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  4. afrikafrau schreibt:

    dein Aquarell gefällt mir sehr gut, finde es ausdruckstark, minimalistisch klar

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  5. ann christina schreibt:

    Ich habe im Konfirmationsunterricht mal Luther gespielt, wir haben im Gottesdienst ein Theaterstück aufgeführt. Damals habe ich mich noch auf eine Bühne getraut. Ich bin auch kein großer Kirchengänger, hin und wieder gehe ich, weil ich es mich beruhigt und ich die Stimmung mag. Mit dem katholischen Männerverein hingegen kann ich gar nichts anfangen, es wird immer hoch problematisch, wenn in einer Gesellschaft oder Gemeinschaft Frauen nichts zu sagen haben. Kann man vielerorts weltweit beobachten.
    Aber den Glauben an sich finde ich schön, und ich kann den Lehren von Jesus viel abgewinnen. Wenn er wüsste, was die Menschen daraus gemacht haben, würde er wahrscheinlich nicht nochmal auferstehen 😉

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  6. elsbeth weymann schreibt:

    Halloween- ein amerikanisches Importprodukt…vom Kommerz hier begierig aufgegriffen. Das sehe ich auch so. Ich bezweifle auch das angeblich „Altirisch-Keltische“ daran. Aber : gestern Abend standen zwei nette Hexlein vor unserer Tür, und auf die Frage meines Mannes, ob sie denn auch etwas zu Halloween singen könnten, stimmten sie an „Hejo, spann den Wagen an“… wir sangen dann im Kanon, und dann gab es Lebkuchen.
    Aber ich finde es auch sehr wichtig, Luther und die Reformation über diesem Geisterklamauk nicht zu vergessen. Wir werden zu ahistorisch. Luther und seinen sprachlich wortschöpferischen und musikalisch-rhythmischen Übersetzungen der Bibel verdanken wir viel- mehr als uns bewusst ist.
    Einer meiner Deutschschüler , ein Flüchtling, der bereits sehr gut Deutsch sprach, ein Mathematikdozent aus Syrien, erzählte mir, dass er besonders gern ältere Lutherübsetzungen, nicht die schon tausendmal “ modernisierten“ lese. Auf meine erstaunte Frage , warum-seine Antwort :Wir Araber lieben die SCHÖNHEIT der Sprache.
    Liebe Grüße !
    Elsbeth

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    • gkazakou schreibt:

      Dein Kommentar ist wieder reine Freude für mich. So kommen sie bei dir alle unter einen Hut: Hexlein, deutsche Volkslieder, Deutschlerner, Araber, und Sprachmeister Luther. Ja, warum nicht? Für alles ist Raum. Lieben wir nicht auch die Schönheit der Sprache in Shakespeare, Euripides und Walther von der Vogelweide? Herzensgrüsse aus Athen!

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  7. Ulli schreibt:

    Haloween ist mir fremd. Ich stelle in den Nächten von Allerheiligen und Allerseelen eine Kerze vor die Türe, für die wandernden Seelen … nein, nicht in einem Kürbis! Hier kommen auch keine singenden Kinder vorbei … wir gingen zu St. Martin von Tür zu Tür und sangen, da gab es dann Äpfel, Mandarinen, Nüsse und hier und da auch Süßes, wer nichts gab, die Türe nicht öfnnete, bekam von uns ein „Gizzhals, Gizzhals“ zugerufen …
    Der Reformation zu gedenken ist okay, auch wenn ich heute die protestantische Linie genauso wenig mag wie die katholische, okay, kein Pabst, keine Kardinäle, aber viel ungesunde Moral, ich muss dann immer wieder an den Film: Das weiße Band, denken …
    Dein roter Kardinal wirkt auf mich wie ein Skelett, ein „Untoter“, einer, der viele unschuldige Menschen stigmatisierte und töten ließ, ein Grauen!
    liebe Grüße, Ulli

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    • gkazakou schreibt:

      so hast du den Kardinal in der bedeutung gesehen, wie ich ihn meinte. Und die Liebediener und Profiteure rundum, Was du zur evangelischen Kirche sagst. ja, so ist es. drum ging ich auch nicht gern hin, schon als Kind nicht. Am liebsten mag ich die Liturgien, wo Duftstoffe, Gewänder, Gesänge meine Sinne ansprechen und mich sonst mit meinen Gedanken allein lassen.

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  8. www.wortbehagen.de schreibt:

    Deine malerischen Gehversuche finde ich sehr gelungen, liebe Gerda!
    Ich sehe die Eleganz in den Figuren und erkenne, welche Haltung sie einnehmen. Ich sehe den Ausdruck in den Gesichtern, rechts Kriechendes, unehrlich Unterwürfiges, links ein Eingebildetsein, das mich abstößt und der Kardinal in der Mitte zeigt eine zurückgenommene Arroganz, die zur Vorsicht rät. Ich sehe es in den von Dir so fein gemalten Gesichtern und glaube nicht, daß ich mich von meiner Einstellung zur Kirche hier beeinflussen lasse. Womit ich schon verraten habe, wie ich inzwischen zur Kirche stehe…
    Ich besichtige Kirchen sehr gerne, aber Gottesdienste besuche ich eigentlich nie mehr.

    Gefällt 1 Person

  9. www.wortbehagen.de schreibt:

    Du meinst nicht, daß ich ganz und gar falsch liege, liebe Gerda? *schmunzel*

    Gefällt 1 Person

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