Weltpolitik am Sonntag: Saudi-Arabien

Saudi-Arabien ist letztens in die Schlagzeilen geraten. Nicht wegen seines verbrecherischen Kriegs im Jemen, nicht wegen der Unterdrückung der eigenen Bevölkerung und der Selbstbereicherung seiner „Eliten“, nicht wegen des Terror-Exports, nicht wegen der eklatanten Menschenrechtsverletzungen gegen ausländische Arbeitskräfte …. , nein, wegen der Ermordung eines Landsmanns, Jamal Khasogghi, der sich kritisch über seine ehemaligen Freunde äußerte. Ihr wisst es: Die Bundesregierung macht sich seither Gedanken, ob sie, „bis der Fall geklärt ist“, die Waffenlieferungen an Saudi-Arabien einstellen soll. Einen bitteren Kommentar dazu las ich in der heutigen FAZ. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/deutsche-waffenexporte-15858623.html. Und da das von mir in die Debatte geworfene Wort „skrupulös“ dort zu vollen Ehren kommt, möchte ich euch den Artikel warm ans Herz legen. Waffenexporte werden nicht leichtfertig genehmigt, sondern nach „skrupulösen“ Diskussionen.

Wichtiger aber ist mir der detailreiche Hintergrunds-Bericht von Telesur, ein Video, das wirklich sehr erhellend ist und wenig bekannte Facetten des saudischen Regimes zeigt (leider nur auf Englisch). Schaut es an, aber seid auf einiges gefasst. Mich jedenfalls hat es mal wieder bestätigt in meinen Zweifeln, welche Wertegemeinschaft eigentlich gemeint ist, zu der wir uns so gerne rechnen.

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, die schöne Welt des Scheins, Krieg, Leben, Politik, Weltpolitik am Sonntag abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

15 Antworten zu Weltpolitik am Sonntag: Saudi-Arabien

  1. Myriade schreibt:

    Die Waffenlieferungen und die „Freundschaft“ mit Saudi Arabien sind der absolute Hohn, da bin ich ganz deiner Meinung

    Gefällt 4 Personen

  2. Susanne Haun schreibt:

    Liebe Gerda, ich glaube, wenn wir tiefer schauen ist es mit unserer Wertegemeinschaft nicht so weit her. Es fängt schon im kleinen an und geht bis ins große weiter.
    Traurig aber vielleicht können wir es mit Protest wenigstens etwas eindämmen. Ich glaube nicht daran, dass wir die Macht es Geldes je ganz brechen können.
    Einen schönen Wochenbeginn von Susanne

    Gefällt 1 Person

  3. Ulli schreibt:

    Liebe Gerda,
    sie haben das Öl und somit die Macht, da hält sich der Protest in Grenzen, die Welt schaut zu, wenn Menschen geköpft, Frauen unterdrückt und Fremdarbeiter*innen versklavt werden. Die USA immer mittendrin, deutsche Waffen auch, es ist ja lukrativ … Was Freundschaft genannt wird, was ja schon ein Hohn an sich ist, ist nichts anderes als Abhängigkeit.
    Die protestierenden Menschen sind mehr als mutig, sie wissen, dass sie eventuell mit ihrem Leben bezahlen … sie haben meinen ganzen Respekt.
    herzlichst, Ulli

    Gefällt 4 Personen

  4. Raffa´s Welt schreibt:

    Danke Gerda für dein wichtiges Spot-Light,

    die Perversionen, die Doppelstandards hören bisher nicht auf:
    https://derstandard.at/2000056473363/Saudi-Arabien-in-Uno-Kommission-fuer-Frauenrechte-gewaehlt. Das geschah schon im April 2017. In „Ergänzung“ zu deinem Youtube Video von 2015.
    Bei dieser Doppelmoral, bei den Reaktionen unserer „leitenden Angestellten“ bleibt mir nur ein alter und mittlerweile allzu oft gebrauchter Satz.
    „Ich kann gar nicht so viel essen, ….“

    Doch wir können abstimmen, mit den Füßen … und diesem System Schritt für Schritt den Rücken zukehren, um selbst in den Frieden zu kommen.
    Ja, ich weiß, es sind viele Schritte,
    fangen wir an….!

    Raffa.

    Gefällt 2 Personen

  5. kowkla123 schreibt:

    irgendwie ist das alles durchschaubar, komme gut und gesund durch die Woche.

    Gefällt 1 Person

  6. Xeniana schreibt:

    Ein erhellendes und heftiges Video. Danke fürs Teilen!

    Gefällt 1 Person

  7. elsbeth weymann schreibt:

    Telesur kannte ich nicht. WICHTIG . Danke…bei Recherche über diesen Sender stieß ich auf vertrauenswürdige Namen wie Ernesto Cardenal und Eduardo Galeano…und jetzt Saudi Arabien, mal wieder, noch immer…Wegen Raif Badawi und der brutalen Strafe—(wegen seiner berechtigten Kritik am Staat — als Blogger) –seiner öffentlichen Auspeitschung und Gefängnisstrafe von 10 Jahren bin ich aktives Mitglied bei amnesty international geworden…ein hilfloser Versuch, irgendetwas zu TUN…Was weiß man über ihn heute ???…Öl, Waffen, Geld, Geld, Geschäfte, Geld……heiligt alle Mittel…. und alle hängen mit drin. Wir auch. Wieso zieht Kashoggis Ermordung weltweit mehr Emotionen und vielleicht (?) Sanktionen nach sich als der brutale Krieg im Jemen ??Jemeniten kommen bei uns nicht einmal als Flüchtlinge an.Sie können nicht raus. Wenn sie fliehen. landen sie in Somalia oder Dschibuti…so what.
    Sorry, Verzweiflung über soviel brutal Schreckliches weltweit, bringt auch nichts.
    Mein „Trost“ immer wieder…wir leben in einem Haus mit Kindern und einer Straße mit 5 Kitas… viele,echte, lebendige Kinder mit so wachen Augen und echter Ausstrahlung, Kinder aus allen Teilen der Welt. Ich habe den Eindruck, dass es auch etwas bedeutet, dass soo viele dieser Kinder heute einfach DA sind–und etwas zu wollen scheinen hier in unserer verrückten Welt…
    Herzlich,
    Elsbeth

    Gefällt 3 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Ganz herzlichen Dank auch für dies, Elsbeth! Telesur hat einige sehr gute Videos produziert. Leider es ist nur eine Frage der Zeit, wann sie nicht mehr im Web verfügbar sind. Jetzt nach dem Wahlausgang in Brasilien fällt auch dieses große Land als Unterstützer aus. Es wird immer schwerer, sich Informationen zu beschaffen.
      Deine Freude über die Kinder in deiner Straße macht auch mir Freude. Der Weg zu EINER Erde und EINER Menschheit ist noch weit und steinig. Er wird dennoch gegangen.

      Gefällt 2 Personen

  8. www.wortbehagen.de schreibt:

    Waffenlieferungen sind kriminell, egal wohin in der Welt.
    Wenn es nach mir ginge, gäbe es keinerlei Waffengeschäfte und keine einzige Waffe würde gefertigt

    Gefällt 3 Personen

  9. ann christina schreibt:

    Liebe Gerda, bei dem Artikel in der FAZ musste ich schmunzeln, er ist wirklich zu schön. Das Thema leider nicht. Das Wort „skrupulös“ sollte im Bezug auf diese Rat durch „skandalös“ ersetzt werden – aber dann gibt es natürlich nichts mehr zum schmunzeln… Die Wertegemeinschaft, in der wir leben, teilt vermeintlich Werte wie Menschenrechte, Moral, Skrupel, oder Gerechtigkeit, Menschenliebe, Höflichkeit, Freundlichkeit. Nur täuscht der Begriff der Werte. Die Werte unserer Gemeinschaft sind wirtschaftlicher Nutzen, Profit, Gewinn, ökonomische Logik, Eigennutz, Egoismus, das Gesetz des Stärkeren usw. Das können ja auch Werte sein, nur wird das nicht kommuniziert, wäre auch schwerer vermittelbar. Und das war schon immer so, nur hat man früher noch angenommen, dass man auch ein wenig was geben müsste, um alles zu bekommen. Heute weiß man: Erpressung tut´s auch. Und so muss man gar nichts mehr geben, kann nur noch nehmen. Unsere Wertegemeinschaft hat die Welt zu ihrem Selbstbedienungsladen gemacht, in dem sie alles zu Sonderangeboten, Schnäppchen oder ganz umsonst bekommt. Bezahlen müssen hier nur die anderen. Eine Welt, in der wir gut und gerne leben 😉

    Gefällt 3 Personen

    • gkazakou schreibt:

      „Und so muss man gar nichts mehr geben, kann nur noch nehmen“, sagst du, liebe Karin. Ich weiß schon, was du meinst, aber möchte dennoch betonen, dass solh eine Rechnung nie aufgeht. Geben und Nehmen werden immer ausgeglichen – auf die eine oder andere Art. Das ist das Gesetz der Nemesis.

      Gefällt 2 Personen

      • ann christina schreibt:

        Da hast du vollkommen Recht – unser einseitiges Nehmen zeigt sich z.B. in immer mehr Flüchtlingen weltweit. Es zeigt sich in Unwettern und Dürren auch bei uns. Nur bezahlen mit ihrem Leben in der Regel nicht die, die all das verursachen. Auch sind sie weder arm noch verzweifelt.

        Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      Wieder kann ich dir nur recht geben. Es geht bei den Gesetzen des Gebens und Nehmens (Nemesis) freilich nicht um Moral oder das Schicksal des Einzelnen. Die Gesetze gelten für das Gesamt der Erde und ihrer Bewohner. Der Einzelne – ob nun Pflanze, Tier oder Mensch – ist bei Verstößen den Folgen mehr oder weniger ausgesetzt, leidet mehr oder weniger unter den erzeugten Ungleichgewichten, aber alle sind davon betroffen. Vernünftig ist es, solche Ungleichgewichte zu vermeiden bzw zu korrigieren.

      Gefällt 2 Personen

      • ann christina schreibt:

        Ja, es wäre bitter nötig. Leider liegt die Macht dazu in der Hand jener, die kein Interesse an einer Veränderung der Ungleichgewichte haben, denn sie profitieren von ihnen. Aber es gibt Hoffnung: Menschen können unterdrückt werden, die Natur nicht. Vielleicht bringt sie den Zwang zur Veränderung, denn wenn Millionen Menschen sterben und Absatzmärkte wegbrechen werden sie vielleicht feststellen, „dass man Geld nicht essen kann“… Aber vielleicht bin ich zu pessimistisch. Naja, wenn man allerdings den von dir geposteten Film bedenkt, vielleicht auch eher nicht 😉

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.