Schilfwurzelmännchen: Die Neuankömmlinge

Gestern konnte ich euch die Neuankömmlinge nur als ungeschiedene Zuhörer-Masse der singenden Mme Kolokytha präsentieren. Ich versprach, mich der armen Entwurzelten einzeln anzunehmen, denn jede und jeder hat sein eigenes Gesicht, seine eigene Geschichte, seinen eigenen Namen.

Beim Zeichnen stellte ich fest, dass diese Wesen nicht anders als die Menschen viele Seiten haben. Vom ersten Wurzelmännchen portraitierte ich daher zwei Ansichten …

bei den anderen zeichnete ich dann nur noch eine Ansicht, denn das Blatt (50 x 70 cm Zeichenkarton) wurde zu voll.

Und nun zeige ich noch mal Original und Zeichnung in Einzelaufnahmen: zuerst die beiden inzwischen „Alteingesessenen“, dann  das neu angeschwemmte Volk, noch ein wenig nass, zerzaust und sandig, wie ich es einsammelte, aber doch schon auch ein wenig eingewöhnt. Voila!

Ihre Namen sagten sie mir auch, aber leider ist mein Namensgedächtnis inzwischen sehr schlecht geworden. Vielleicht magst du den einen oder die andere taufen? Was ihre Schicksale angeht – nun, das ist immer dieselbe Leier: eben noch trugen sie stolz den weichen Schilfwedel auf dem Haupt und ließen ihn in der sanften Brise wehen, dann kam ein Unwetter, das Wasser unterspülte sie und eine Welle riss sie schließlich mit sich fort.  Sie wurden dann von allerlei Kräften hin- und hergeschmissen, bis sie eben dort landeten, wo ich sie auflas. Entwurzelte.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Commedia dell'Arte, Flüchtlinge, Leben, Meine Kunst, Natur, Psyche, Umwelt, Zeichnung, Zwischen Himmel und Meer abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

37 Antworten zu Schilfwurzelmännchen: Die Neuankömmlinge

  1. Arno von Rosen schreibt:

    Ich finde das zufriedene grinsende Krokopapahörnchentier superniedlich und würde es dies als Puppe geben, würde ich es Goldstück sofort kaufen liebe Gerda 🙂

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  2. kunstschaffende schreibt:

    Also, die Erste ist so knuffig und sieht aus wie unser Haus und Hof Eichhörnchen, das ich Erna getauft habe somit würde ich sie auch klein Erna nennen.

    Das Zweite würde ich Kiki nennen.

    Das vierte Hilda

    Das Siebte little Professor

    Das Letzte Bruno

    So würde ich sie taufen und sie keines falls wieder ins Meer werfen. Ich würde diesen süßen Wesen ein Zuhause geben.

    ❤liche gute Nacht Grüße Babsi

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  3. Ulli schreibt:

    Wie ich sie ALLE mag! Aber „Gnubbel“, der letzte in der Fotoreihe, der hat im Flug mein Herz erobert … nun schaue ich doch noch einmal … Fluflie, weiß noch nicht so ganz genau: will ich fliegen oder bodenständig sein/bleiben … Einauge, der eigentlich zwei Augen hat, schaut gerne mit dem einen und erzählt dann von dem anderen … Madame la Chatte möchte jetzt nur eins: auf der Ofenbank liegen und Geschichten lauschen, das kommt Monsieur „Bruno“ sehr entgegen, wie gerne er sich mit seinen Geschichten brüstet! Und dann noch Madame le Carnard … sie sehnt sich … sehnt sich nach ihrem Seerosenteich, wo sie sich hin- und herwiegen kann, sie würde ja sofort losfliegen, hielte sie nicht diese menschliche Hand, quak, quak…

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  4. Susanne Haun schreibt:

    Liebe Gerda,
    da ist eine gelungene Serie entstanden. Ich mag diese verrunzelten Gewächse auch sehr gerne und ich bin wie immer angetan davon, wie unterschiedlich wir doch interpretieren.
    Liebe Grüße sendet dir Susanne

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  5. Karin schreibt:

    Das Letzte hat Ähnlichkeit mit Urmel aus dem Eis. Ich bin entzückt über die fantasievollen Taufnamen, die Deine Leserinnen ihnen gegeben haben.
    Lächelgruß vom Dach, Karin

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  6. kowkla123 schreibt:

    trotz Schmerzen und stürmischem Wetter, beste Grüße von mir zu dir, Klaus

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  7. Bludgeon schreibt:

    Das wäre passenderer Buchschmuck zu Kehlmanns TYLL gewesen, als dieses häßliche Kunstwerk, das nun einmal erwählt wurde, von wem auch immer. „Der letzte Samen der Sterbenden, Gefallenen, Hingerichteten, der den Boden netzt, zeugt „Alraunenmännchen“, die schreien wie Säuglinge, wenn man sie aus der Erde zieht…“(Kehlmann; gespenstisch, packend, gut)

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    • gkazakou schreibt:

      Danke herzlich! Da hab ich mir doch gleich auch das cover vom Tyll angesehen. …Du empfiehlst also das Buch? Die Entdeckung der Welt fand ich soundso.

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      • Bludgeon schreibt:

        Es ist mein erster Kehlmann. Ich bin begeistert. Allerdings fand ich „Die Hure und der Henker“ von Ingeborg Arlt (auch 30jähriger Krieg) noch einen Tick besser, weil mit giftigeren Parallelen zur Gegenwart gespickt. Kehlmann liest sich packend und interessant, tut aber keinem weh.

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    • gkazakou schreibt:

      Danke. Ich les es sicher mal. Gut schreiben kann er ja. Mir kommen der Simplizissimus und Brechts Mutter Courage und dann noch Schillers Wallenstein in den Sinn.

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      • Bludgeon schreibt:

        Auf den Simplizissimus bezieht er sich auch an einer Stelle und zwischen den Zeilen steckt da noch mehr drin: Tyll als „Narr“ der die unverschämte Wahrheit brutal formuliert, denn Gefühle passten nicht in jene Welt.
        Ich hab als Teenie das vermutlich bisher beste Buch über den 30jährigen Krieg gelesen „Mit Kaiser Gott und Teufel“ oder „Für Kaiser Gott und Teufel“, weiß nicht mehr genau – es ging in der Hauptsache um Pappenheim – dicker alter Wälzer aus der Kaiserzeit; Verfasser vergessen – das ergab ein seeehr rundes Bild von der Belagerung Magdeburgs und von Lützen.

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    • gkazakou schreibt:

      Warum schreibt Kehlmann eigentlich den Namen von Till Eulenspiegel als Tyll? Tilly, dessen Soldateska Magdeburg verwüstete, wird in alten Dokumenten als Tylli geschrieben, und so dachte ich beim Titel zunächst an diesen, bis mich die Rezensionen eines anderen belehrten.

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      • Bludgeon schreibt:

        „Tyll Ulenspiegel“ von de Coster muss so eine Holländische Freiheitkampfbibel sein; lag immer im Antiquariat herum; wurde in den späten 50ern mit Gerard Philipe verfilmt; war mir mit 11 oder 12 im TV zu brutal und traurig; hab ich vorzeitig abgeschalten; Zu Beginn wird sein Vater als Hexer verbrannt. Im Buch geschieht das so ähnlich, also hat der Kehlmann de Coster, Grimmelshausen und das Tagebuch des Landsknechts, dass vor ein paar Jahren erst Sensationsfund im Archiv von Magdeburg gewesen ist durch den Wolf gedreht und obendrein sehr geschickt auch ein paar bekannte Eulenspiegelstreiche einfließen lassen z.B. den lesenden/sprechenden Esel.

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    • gkazakou schreibt:

      Zum Glück kannte er meinen ersten literarisch-illustrarischen Versuch nicht, den hätte er sonst vielleicht auch noch mit verwurstet. In der Quinta (da war ich elf) brachte ich nämlich die Streiche des Till Eulenspiegel in Versform und bebilderte das einzige Exemplar, Das Stück wurde dann auch aufgeführt, leider durfte ich nicht mitspielen, sondern wurde Regieassistentin. Der 30jährige Krieg kam in diesem Versepos nicht vor….

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      • Bludgeon schreibt:

        Guck an, solche Jugendsünden gibt es von mir auch. Bei mir wars eine gar blutig gereimte Ballade über den Spartacus für die AG Geschichte (8.Klasse) und ein 13 oder 14seitiger Mittelalterroman nach den Schreckenbach-Roman-Genüssen, muss ungefähr 7. Klasse gewesen sein.

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    • gkazakou schreibt:

      So ja ja. danke! Schon kommen sie angewandert, die „Fernen der Erinnerung, Wünsche der Jugend, der Kindheit Träume, des ganzen langen Lebens kurze Freuden und vergebliche Hoffnungen kommen in grauen Kleidern, wie Abendnebel nach der Sonne Untergang.“ (Novalis, Hymnen an die Nacht)

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  8. Maren Wulf schreibt:

    Einen wunderbaren Zoo hat dir das Unwetter da vor die Füße gespült. Schön, wie du den Zottelchen Gesicht und Heimat bietest!

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  9. Pingback: abc-etüde: Rosalis Nachtgesang | GERDA KAZAKOU

  10. Pingback: Schilfwurzelmännchen von Gerda Kazakou – Es wird Zeit, dass es Zeit wird.

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