Zweite Blüte

Als ich heute, angeregt durch Susannes Zitat am Sonntag (Chao-Hsiu Chen: „Blüht eine Blume, zeigt sie uns die Schönheit. Blüht sie nicht, lehrt sie uns die Hoffnung“) zum mir noch unbekannten Blog von Ernst Blumenstein rüberwechselte, stieß ich inmitten der Blütenpracht des Schlumberga-Kaktus auf ein Zitat von Albert Camus:

„Der Herbst ist ein zweiter Frühling, wo jedes Blatt zur Blüte wird“.

Nanu, dachte ich. Denn am Vorabend, in der nun schon frühen Dämmerung, war mir ein Gebüsch golden entgegengeleuchtet, und ich meinte fast, die Mimosen hätten schon zu blühen begonnen. Aber es waren keine Blüten, sondern nur die Herbstfarben des Feigengebüschs. Und so wird mal wieder tröstlich wahr: auch das Alte, Absterbende hat seine Schönheit.

Heute ging ich wieder hin und fotografierte es bei Blauhimmel, um es euch zu zeigen.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Fotografie, Leben, Natur, Psyche veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

25 Antworten zu Zweite Blüte

  1. Ulli schreibt:

    Es gibt Pflanzen, Bäume und Büsche, die finde ich nur im Herbst schön, ihr Sommer- oder Frühlingskleid nehme ich kaum wahr, so zum Beispiel beim Essigbaum…
    Schon lange finde ich, dass, wer will, jede und jeder zu allen vier Jahreszeiten Schönheit entdecken kann, die Fixierung auf nur Frühling oder Sommer ist mir eher suspekt.
    In diesem Licht kommt auch bei mir der Satz von Camus an, obwohl er bestimmt wohlwollend gemeint ist oder augenöffnend für die Jammerer im Herbst 😉
    fröhliche Grüsse,
    Ulli

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  2. gkazakou schreibt:

    Keine Ahnung, liebe Ulli, wie Camus den Satz gemeint hat. Vielleicht einfach wie ich: als Feststellung.

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  3. kopfundgestalt schreibt:

    Im Rückzug wird verborgene Schönheit wahr.
    Gefleckte Blätter, irr von Eis bedrängt: Ein wahrer Rausch.
    Wer sieht, für den hört Mysterium nicht auf, dachte ich gestern, als ich mit 182 Fotos aus dem verkühlten Garten ging.

    Gefällt 2 Personen

  4. wildgans schreibt:

    Schönheit: jenseits der Mauer? Der Berg und der Himmel darüber.
    Die bemalte oder besprühte Mauer könnte jemand schön finden.-
    Heute hier wunderbar: der Schnee…

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    • gkazakou schreibt:

      Die Mauer gehört zu einem aufgegebenen Wasserreservoir. Das Reservoir ist ein beliebter Treffpunkt jugendlicher Sprüher und anderer Romantiker. Schnee – nee, gibts hier noch nicht.

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  5. Susanne Haun schreibt:

    Guten Morgen, liebe Gerda, ich freue mich, dass dich das Zitat so angesprochen hat wie mich 🙂
    Einen schönen Wochenbeginn von Susanne

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  6. ernstblumenstein schreibt:

    Die ausdruckstarke Aufnahme der leuchtenden Feigenblätter untermalt das Zitat von Camus eindrücklich. Danke für’s zeigen.

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  7. ernstblumenstein schreibt:

    Das gleiche gilt für deine Seite, Gerda. Auch ich freue mich…

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  8. kowkla123 schreibt:

    herrlich, wünsche eine gute erste Dezemberwoche, Klaus von der Müritz

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  9. www.wortbehagen.de schreibt:

    da sagst Du was, liebe Gerda: Auch das Alte, Absterbende hat seine Schönheit
    Zweifellos ist es so, das Veränderte, die Verwandlung vor dem Vergehen ist oft von so unglaublicher Schönheit, daß es uns schier den Atem verschlägt.
    Ullis Beispiel von Essigbaum zeigt es deutlich. Seine Bätter im Herbst machen ihn uns jetzt erst bewußt und in dem Moment, in dem es uns bewußt wird, fallen sie auch schon, seine Blätter von einem so satten wundervollen Rot, daß wir sie gar nicht hergeben wollen …

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  10. Pega Mund schreibt:

    das hast du gut fotografiert, liebe gerda.
    schönheit … ja, was ist das? jede/r sieht/findet sie woanders …mir geht es oft so, dass etwas „schön“ wird, sobald ich nur bereit bin, mich darauf einzulassen …
    lieben pegagruß!

    Gefällt 2 Personen

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