Der Ätna von Catania aus

Susannes Bericht über ihren Besuch des Ätna hat mich angeregt, auch meine Fotos vom September 2009 herauszukramen, als wir in der teilweise aus Lavagestein gebauten Stadt Catania Quartier bezogen und mit einer kleinen Expedition den Ätna besuchten. Der Ätna ist ein gewaltiges Gebirgsmassiv, fast dreieinhalb Kilometer springt es aus dem Meer empor, lebendig, rauchend, durch Lavaströme immer wieder umgeformt. Der Kastellan vom Kastell Ursino (Bären-Kastell), das Friedrich II der Stauffer im 13. Jahrhundert zu bauen befohlen hatte und das bei einem verheerenden Vulkanausbruch im Jahr 1669 fast als einziges Bauwerk überlebte, weil der Lavafluss im tiefen Graben zum Stehen kam – dieser Kastellan also, Sizilianer, versicherte uns, Aetna sei dasselbe Wort wie Atena, die Göttin, denn man müsse sich vorstellen, welchen gewaltigen Eindruck dieser rauchende feuerspeiende Berg auf die Seeleute ausgeübt habe. Für sie sei er eine weithin sichtbare Gottheit gewesen, Orientierungspunkt auf hoher See, lange bevor Land in Sicht kam. Das Wort aber sei äthiopischen Ursprungs.

Vieles gäbe es über die Hafenstadt Catania im Osten Siziliens zu berichten – doch heute will ich nur ein paar Bilder vom Ätna einstellen. Der für mich stärkste Eindruck war, neben der alles Licht aufsaugenden Düsterheit der Vulkanasche, die Fruchtbarkeit des Berges: Wälder von Esskastanien kurz vor dem Aufstieg und das Wunder der fast kreisrunden Form, in der sich Gräser auf dem Aschengrund ausbreiteten.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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30 Antworten zu Der Ätna von Catania aus

  1. Elke H. Speidel schreibt:

    Wunderschöne und beeindruckende Bilder, liebe Gerda! Sie entführen mich in den Urlaub, den ich mir dieses Jahr aus verschiedenen Gründen nicht leisten konnte.

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    • gkazakou schreibt:

      Herzlichen Dank, Elke. Auch ich schwelge dieses Jahr in Bildern vergangener Reisen, da ich „aus verschiedenen Gründen“ daheim geblieben bin. Allerdings ist die hiesige Welt durchaus auch wie Urlaubmachen, wenn ich die richtige Einstellung gewinne. Liebe Grüße dir!

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      • Elke H. Speidel schreibt:

        Da ich erst im Mai hierher gezogen bin, bemühe ich mich, meine hiesige Umgebung auch urlaubsmäßig zu betrachten. Ist allerdings Köln. Und Köln mochte ich noch nie. Insofern bemühe ich mich erst, es mögen zu lernen.

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    • gkazakou schreibt:

      Eine kluge Entscheidung, Köln mögen zu wollen, wenn du da schon hingezogen bist. sonst wäre es besser, du ziehst gleich weiter.

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      • Elke H. Speidel schreibt:

        Ich bin schon mein Leben lang eine Art Treibholz im Ozean und weiß nie, wohin mich die Wogen noch treiben werden. Das ist auch in Ordnung so. Ich entscheide über ganz andere Dinge, die mir wichtiger sind. Die Orte des Geschehens sind nur eine untergeordnete Funktion dieser wichtigeren Dinge, eine Variable, deren Wert sich daraus ergibt. 😊

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  2. mmandarin schreibt:

    Tolle Aufnahmen…. ach Reisen ist was Wunderbares. Marie

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  3. Susanne Haun schreibt:

    Guten Morgen, Gerda,
    leider haben wir Catania außer beim Hin- und Rückflug gar nicht erkundet. Soviel Zeit war nicht. Aber wir waren auch an den gleichen Vulkankegeln am Ätna, ich werde es in den nächsten Wochen bloggen. Bei eurem Besuch müsste ja noch einiges anders ausgesehen haben als bei uns, denn 2012 brach der Ätna aus und zerstörte viel.
    Schöne Fotos hast du uns gezeigt, teilweise musste ich lächeln, weil unsere von diesem Ort ähnlich aussehen.
    Ich freue mich immer wieder, deine Sizilien Fotos zu sehen. Wirst du uns auch Catania vorstellen?
    Liebe Grüße von Susanne

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    • gkazakou schreibt:

      Gern! Sehr eindrucksvoll waren auch Syracusa und Erice für uns. Habt ihr sie besucht?

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      • Susanne Haun schreibt:

        Nein, leider nicht, wir haben nur den Norden erkunded, der Süden steht noch aus. Die Entfernungen sind einfach zu groß. Ich hatte beide Städte sehr gerne gesehen. Besonders die Papyrusherstellung in Syracusa.

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    • gkazakou schreibt:

      Sieh mal an! Von Papyros-Herstellung in Syracusa wusste ich gar nichts! Erice liegt im äußersten Westen, sehr hoch über der sichelförmigen Bucht von Drepani (das kommt vom griechischen Wort für „Sichel“). Ein unglaublich eindrucksvoller Ort, grau in Nebelschwaden gehüllt…Ihr hättet eure Freude dran!
      Wir waren übrigens nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, die auf Sizilien ausgezeichnet funktionieren. Liebe Grüße!

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      • Susanne Haun schreibt:

        Das stimmt, aber von Caronia bis Syracusa ist das schon komplizierter. Ohne Auto ist man gar nicht in und vom Bergdorf gekommen.
        Sonst ist die Bahn rund um die Insel ein perfektes Verkehrsmittel.
        Mit dem Auto sist eine Strecke von Nord nach Süd ca. 4 Stunden. Das war mir einfach zu anstrengend. Wir haben das schon 2x für den Ätna und für Agrigento auf uns genommen. Das sind dann pro Tag 8 Stunden unterwegs.
        Ich denke jedoch, auch mit der Bahn ist es nicht weniger von der Zeit. Wir hätten uns zwei Quatiere suchen sollen, eines im Norden und eines im Süden. Ich denke jedoch die Lösung, nochmal nach Sizilien in den Süden zu fahren ist schöner 🙂

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    • gkazakou schreibt:

      Ja unbedingt wieder hinfahren! Wir waren bereits dreimal dort, einmal mit Hauptquartier in Catania (von dort aus dann auch Syracusa) und zweimal in Palermo, einer Stadt, die ich sehr sehr interessant finde und von der ich gar nicht genug kriegen kann. Ihr habt ein wunderschönes Dort als Ausgangspunkt gewählt, da ist dann das Auto doch notwendig für Exkursionen.

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  4. finbarsgift schreibt:

    Mondlandschaften auf Mutter Erde…
    Liebe Morgengrüße vom Lu

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  5. ann christina schreibt:

    Was für schöne Landschaften!

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  6. wildgans schreibt:

    Die jungen Leute auf dem letzten Foto, rüsten sie sich für eine Wanderung, für Forschungen, für…?
    Rauchwölkchen sieht man keines – oder sollte ich noch genauer hinschauen?

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  7. kunstschaffende schreibt:

    Das sind ganz fantastische Aufnahmen, die erahnen lassen, welche Faszination diese Gegend ausstrahlt. Einfach super!

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  8. Ulli schreibt:

    Liebe Gerda, ich wollte nun doch nicht jedes einzelne Bild kommentieren, sie sind alle auf ihre Weise ganz zauberhaft schön! Mich hat es gefreut, dass auch du zu sehen bist. Es muss toll gewesen sein dort herum zu spazieren. War es auch manchmal unheimlich über so einen aktiven Vulkan zu laufen?
    Herzliche Grüße
    Ulli

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  9. kopfundgestalt schreibt:

    Sizilien ist für mich magisch. War zweimal dort und jeses Mal war es bedeutsam und aufgeladen.
    Ich habe allerdings nur analoge Bilder.
    Als ich 2003 in Malta war, liebäugelte ich ernsthaft damit, wenigstens einen Fuß wieder auf Sizilien zu setzen, tat es aber dann doch nicht.

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  10. www.wortbehagen.de schreibt:

    ein gigantischer Eindruck, dieser riesige Krater, liebe Gerda
    Der Name alleine ist schon sehr eindrucksvoll, war es für mich immer und nun verbinde ich ihn mit Athene, einer überragenden Gottheit und ich staune noch mehr
    Ein Anblick, als würde man hier an dieser Stelle in den offenen Schlund der Erde sehen können

    Ehrfürchtige Grüße an Dich

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    • gkazakou schreibt:

      Ein Glück, du warst nicht dort! Sonst hättest du es noch dem Empedokles gleichgetan und wärst in den Krater gesprungen.
      Wie lässt Hölderlin seinen Hyperion sagen?„Gestern war ich auf dem Ätna droben. Da fiel der große Sicilianer mir ein, der einst des Stundenzählens satt, vertraut mit der Seele der Welt, in seiner kühnen Lebenslust sich da hinabwarf in die herrlichen Flammen.“
      Der „große Sicilianer“ war der griechische Philosoph und Arzt Empedokles, gebürtig aus Akragas, heute Agrigent, von wo ich schon Bilder gezeigt habe.

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