So sind sie, die Griechen (Klischees)

das Wochenthema beim Mitmachblog ist „Klischees“. Hier mein erster Beitrag dazu.

MitmachBlog

IMG_3117 Träume, spiele, Grieche! (c) Gerda Kazakou

Ich bin mal ins internet gegangen und fand unter „Klischees über Griechen“ einen Haufen Texte und Videos – eine wahre Schlangengrube. Hier ein paar harmlose Beispiele, die es an die Spitze der google-Liste geschafft haben:

Die WELT titelt am 11.11.11 – vielleicht in Anbetracht der beginnenden Karnevalsperiode – Sirtaki vs. Hakenkreuz und Deutsche und Griechen im Kampf der Klischees.

Ein Wissensblog vom 6.7.2009 titelt Typisch Griechisch – den Griechen auf den Zahn gefühlt – wobei es vor allem um die Pünktlichkeit der Busfahrer und darum geht, ob sie anhalten.

Bei Brand eins, Ausgabe 08/2015 – Schwerpunkt Faulheit kann man die Meinung eines Kenners lesen: Nikos Dimou, der einst in München Philosophie studierte und nun schon 80 Jahre alt ist – also offenbar weise. Die ironische Überschrift: So ist er, der Grieche. Schuld an allem ist der Film Alexis Zorbas, in dem nicht…

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Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Legearbeiten veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

14 Antworten zu So sind sie, die Griechen (Klischees)

  1. Ulli schreibt:

    Liebe Gerda, ich habe generell Mühe mit Pauschalisierungen oder Klischees, die Griechen sind so, die Deutschen so, die Franzosen so… wem dient das?
    Bezogen auf die wirtschaftliche Krise in Griechenland und das Diktat der Deutschen und der EU wurde viel getan, um die Griech_innen hier bei uns in einem sehr schlechten Licht dastehen zu lassen. Wenn man auf andere herabschaut, hat man sich selbst erhöht, nicht wahr? Kinderkram! Dazu fällt mir wieder eine Radiosendung ein, die natürlich am späten Abend gesendet wurde, einem Zeitpunkt an dem nur solche Nachteulen wie ich eine bin lauschen, es sprach ein Grieche, er sprach über sein Land und sein Volk, danach wusste ich nur einmal mehr, was Medien doch für eine Macht ausüben im malen von Gesichtern und Geschichten. Er erklärte sehr einleuchtend was ist und wie das Diktat wirkt, mich gruselte es!
    Ich habe in meinem Leben nur sehr wenige Griech_innen kennengelernt, bis auf einen waren das alles unglaublich nette, bescheidene, gastfreundliche und grosszügige Menschen…
    Ich will immer wieder nur eins: genau hinschauen und mich auf alle Fälle weiterhin von Klischees und Pauschalisierungen fernhalten.
    herzlichst
    Ulli

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    • gkazakou schreibt:

      Ach ja, die Klischees – wozu dienen sie? Das ist die Frage, die ich aufwerfen möchte, da dieses Thema ja nun auf der Tagesordnung des Mitmachblocks steht, Ich wollte, andere, tiefer Denkende würden sich an dieser Diskussion beteiligen. Es ist ein so wichtiges Thema, fast allbeherrschend. Aber wird es mit der nötigen Ernsthaftigkeit durchleuchtet? Ich fürchte: NEIN.

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      • Ulli schreibt:

        Ich halte mich ja vom MitmachBlog fern, es sei denn jemand postet dort etwas, die/den ich kenne, ich habe einfach nicht die Zeit und Musse dazu. Vielleicht auch, weil so vieles immer nur angekratzt wird?!
        Klischees sind Vereinfachungen und dienen, meiner Meinung nach, zur Orientierung und zur Meinungsmache, vertreten Interessen von irgendwem, die/der will, dass wir dies und das und jenes denken. Hagen Rether, ein deutscher Satiriker, wiess schon vor ein paar Jahren auf die Aufmachung der Titelbilder des „Spiegels“ hin und wie diese auf sehr subtile Weise den Islam begannen schlecht zu machen. Heute sind sie alle Feinde, nur wenige können in Freund und Feind unterscheiden.
        Klischee bedeutet auch: eingefahrene, überkommene Sichtweise, abgedroschene Redewendung, es handelt sich um Stereotypen, ich finde das sagt doch schon eigentlich (fast) alles.
        herzlichst
        Ulli

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    • gkazakou schreibt:

      Klar, die Themen werden nur angerissen, aber das ist ja auch im eigenen Blog nicht anders. Immerhin öffnet sich ein kleines Meinungs- Spektrum, das gibt mir Einsicht in die Art, wie andere mit einem Thema umgehen. Es ist lehrreich für mich.
      Mir reicht es grad nicht festzustellen, was Klischees sind (Stereotypen), mich über Ihre Existenz zu ärgern u mich abzuwenden – sondern ich möchte verstehen, wozu sie dienen, warum manche so hartnäckig sind, warum einige plötzlich in der öffentlichen Debatte auftauchen ( du nennst hier die Klischees über den Islam) u andere verschwinden (die Judenklischees als Beispiel), wie sie für die von Negativklischees Betroffenen wirken, wie sie das Selbstbild bestimmen …. Fragen über Fragen.

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      • Ulli schreibt:

        Ich weiss nicht, ob ich mit meiner Annahme richtig liege, aber für mich gestaltet es sich so, dass Klischees der Meinungsbildung dienen, vor allen Dingen der Vorurteile, der Erhöhung von sich selbst, dahinter stecken meist materielle Interessen. Feindbilder werden kreiiert, gestern, wie heute, es geht um Ressourcen, die zusehndst knapp auf unserem Erdenball werden… ja, ich glaub letztendlich geht es darum und damit um Macht. Widerspreche mir, wenn du es ganz anders siehst, ich lerne gerne!

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  2. Myriade schreibt:

    Dass „Alexis Sorbas“einen guten Anteil am Griechenland-Klischee hat, glaube ich unbedingt. Wobei dies eigentlich ein Klischee mit vielen positiven Seiten ist: Lebenslust, Gelassenheit in Krisensituationen …. In den letzten Jahren ist wohl vielen Griechen veständlicherweise die Gelassenheit abhanden gekommen….
    Ich denke aber , dass solche Klischees oft einen wahren Kern haben, sich allerdings auch oft auf Situationen beziehen, die längst vorbei sind. Auf jeden Fall ein interessantes Thema.

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    • gkazakou schreibt:

      Du hast recht: Klischees haben einen wahren Kern, sonst würden sie nicht funktionieren. Die Frage ist nur, welche Eigenschaften dienen jeweils als Kern? Sind es Eigenschaften des Objekts, oder sind es Projektionen auf ein Objekt? Wunschbilder (der Grieche, der auf den Ruinen seines Lebenswerks tanzt), Angstbilder (der Russe, der dich mit seinen Mongolenaugen austarrt und deine Kinder fressen will), Neidbilder (der jüdische Bankier mit der dicken Uhrkette, der über Leichen geht) etc. pp.

      Als ich den Film Alexis Sorbas vor einer halben Ewigkeit sah, war ich entsetzt. Ich hasste ihn regelrecht, hasste vor allem seinen Erfolg in der ganzen Welt! Ich kannte damals wenig von Griechenland, aber immerhin genug, um zu erkennen, welcher bullshit da produziert worden war. Der Grieche (Anthony Quinn) – das ich nicht lache! Und nun erst die Griechin, dieses schwarz gekleidete archaische Wesen!
      Damals wurde ein Archetyp bedient und „Grieche“ genannt, der sehr viel Macht über die Fantasie des Menschen gewonnen hat – im Guten und im Schlimmen. Wer immer heute über „den Griechen“ spricht, tut es auf dem Hintergrund der Verfilmung von Kazantzakis Roman. Auch bei den Griechen selbst hat dieses Klischee erhebliche Macht, zumal es dem Tourismus so wunderbar dient. (s.o.: Klischees sind nicht unschuldig, sie bedienen Interessen).

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      • Myriade schreibt:

        Das ist ein sehr interessanter Ansatz, dass hier die Macht eines Archetypus „zugeschlagen“ hätte sowohl bei den Betrachtern als auch bei den Griechen selbst. Ja, wirklich sehr interessant. Das würde dann heißen, dass solche Klischees gewissermaßen aus der „menschlichen Ursuppe“ entstehen können und diejenigen, die sich ihrer bedienen sich erst nachträglich draufsetzen.

        Man muss auch bedenken, dass verschiedene Klischees bei verschiedenen Menschen aufgrund ihrer Sozialisierung, Nationalität, Generation etc. etc. verschieden ankommen. Bei mir zum Beispiel fährt der „Grieche“, der auf den Ruinen seiner Existenz bei Sonnenaufgang am Strand tanzt voll ein. Das imponiert mir gewaltig. Der „Russe mit den Mongolenaugen“ dagegen berührt bei mir gar nix. Wieso hat ein Russe überhaupt Mongolenaugen, und warum sind die angsterregend ?

        Ein äußerst tiefschürfendes Thema, das sehr viel mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit verdienen würde

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  3. gkazakou schreibt:

    Herzlichen Dank für deine weiterführenden Gedanken. Da tut sich grad was: wir fangen an zu begreifen, warum bei wem ein Klischee wie wirkt. Du sagst da was Wichtiges mit der Sozialisation u der Lebensepoche. Leute, die gerade mit Mühsal und Verbissenheit ihr Land aus den Trümmern wieder aufgebaut haben, können den Typ Sorbas nur verachten. Die später Geborenen finden ihn dann schon mal toll. Was den Mongolen-Russen anbetrifft, so würde er in der Zeit des Kalten Krieges sehr erfolgreich in Kampagnen (Wahlen, Wiederbewffnung) in den US und in der BRD eingesetzt. Er war eine Fortsetzung der Nazi-Propaganda u wurde mit neuen Dchauergeschichten unterfüttert. Was den fetten, reichen, geilen, niederträchtigen, gierigen, weltverscwörerischen Jude anbetrifft, so spukt dieser Archetyp in vielen Ländern und Köpfen herum, nur in Deutschland unterliegt dies einem Tabu.
    Wie ich schon sagte, bündeln sich in solchen Typen Projektionen…..

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  4. bruni8wortbehagen schreibt:

    Ich möchte mich heute nicht reinlegen, in Deine feine Legearbeit, weil da schon einer liegt und dessen Träume möchte ich nicht mitträumen, denn sie sind auch bevölkert von Teufeln und anderen bizarren Gestalten🙂 ER, da in seiner Traumblase scheint sich aber ganz gut zu fühlen, er liegt entspannt und läßt sie mal tanzen und greifen, wohin sie das wollen *lächel*
    Unser Traumwirrwarr wird so deutlich dargestellt, daß es schon verblüffend ist, wie Du es mit so wenigen Mitteln hinbekommst.

    Klischees umgeben uns – leider – und manchmal fallen wir fast darauf herein, weil wir auch wissen, da sind die Wahrheitskörnchen, wie der Deutsche ist schwerfällig, feiert wenig und lachen von Herzenslust ist ihm fremd
    Vorurteile nennen wir es oder auch Schubladendenken und oft müssen wir ändern, was das Klischee uns sagte, eigenes Erleben bringt es an den Tag.

    Bei meinem einzigen 4-wöchigen Griechenlandurlaub vor vielen Jahren war alles anders.
    Da gab es kein Klischee. Ein Arbeitskollege meines Mannes, ein sehr gebildeter Grieche, war in die Heimat zurückgegangen. An die Gründe erinnere ich mich nicht mehr, aber er wohnte in Athen und wir besuchten ihn auf der Durchfahrt für einige Tage. Er managte einiges, denn auch der Käfer hustete und spuckte, hatte sich wohl auf der weiten Reise sehr erklältet und stand in einer Werkstatt., die ihn wundervoll wieder hinbekam.
    Auf Kreta kann ich mich an keinen einzigen Griechen, geschweige denn an eine Griechin erinnern, die diesem Archtetyp geähnelt hätten .-)

    Aber es stimmt schon, es gibt diese Bilder, aber in allen Ländern gibt es solche und andere Menschen und unter bestimmten Umständen ändern sie sich wieder u. jeder dieser unsinnigen Kriege befördert das Grausame im Menschen an die Oberfläche. Ich glaube, hier fallen die Unterschiede zwischen Frauen und Männern sehr auf u. doch gibt es auch da die, die anders sind, als die meisten und hegen und pflegen wollen sie dann nicht, sie wollen mitmischen…
    Vielschichtig ist der Mensch, friedlich und grausig zu gleichen Teilen, denke ich – überall, in jedem Land der Erde.

    Ich hatte einige russische Kollegen und jeder einzelne war liebenswert, auch der mit den Zahlen auf seinen Fingern, über die er nicht reden wollte. Wohl die Insassennr. eines Gefängnisses…
    Sie waren alle, aber auch wirklich alle, Menschen wie du und ich

    Nein, Klischees beeindrucken mich nicht sonderlich

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    • gkazakou schreibt:

      Sehr willkommen dein wie immer nachdenklicher, abwägender Kommentar. Ich kann fast mithören, wie du dich prüfst und fragst, was Klischees mit dir machen …, und dein befreites Aufatmen am Ende höre ich auch: „Sie beeindrucken mich nicht sonderlich“. Und so glaube ich dir, liebe Bruni.

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  5. bruni8wortbehagen schreibt:

    Du hast mich in der relativ kurzen Zeit unseres *Kennens* gut kennengelernt, liebe Gerda,
    denn so ist es wirklich, noch während ich schreibe, bin ich am Überlegen und am Ende komme ich zu einem möglichst ehrlichen Blick auf mich selbst…

    Schreibend werde ich mir über meine eigene Sicht auf etwas klar *g*

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  6. Monika schreibt:

    Liebe Gerda, es gibt Seiten an dir, die überraschen und doch sind sie spannend wie deine Bilder
    Monika

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