25. März 1821 (und Karfreitag)

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Während in meiner alten Heimat Karfreitag ist, sind wir in meiner neuen Heimat noch weit davon entfernt. Wir feiern heute etwas anderes: den Tag, an dem die „griechische Revolution“ ausgerufen wurde. Es ist der erste der beiden Nationalfeiertage (der andere ist das OXI gegen den Faschismus).

Am 25. März 1821 startete die Filiki Etairia (Gesellschaft der Freunde), eine geheime Organisation des Auslandsgriechentums, den Kampf gegen das „Türkische Joch“ an drei Fronten: in der Moldau, in Konstantinopel (Istanbul) und auf der Peloponnes. Nur eine der Aktionen war erfolgreich: die auf der Peloponnes. Denn hier gab es die nötige Unterstützung durch die Bevölkerung, vor allem aber gut organisierte Banden von „Kleften“ (Räuber). In Kalamata, meiner allerneuesten Heimatstadt, schworen die Aufständischen ihren schweren Eid.

Immer noch empfinden die Griechen diesen Tag, der über vierhundert Jahre Unterdrückung und Sklaverei beendete, als hochaktuell. Er steht als Symbol für nationale Identität und Autonomie, für ihr „So-Sein“ als Griechen. Mit wem identifizieren sich die Kleinen noch heute am liebsten? Mit Kolokotronis,  dem Führer der Kleften, dem Revolutionshelden der Peloponnes. Und was ist ihr wichtigster Wert? Die Freiheit!

1821-epanastasis

Der Text auf dem Plakat ist von dem Dichter Kostis Palamas (1859-1943) und besagt: „Meinungen, Herzen, wer auch immer ihr seid, Griechen, vergesst nicht, ihr seid nicht durch eure eigenen Hände allein, nein. Ihr schuldet auch anderen, die kamen, die hindurchgingen, die kommen werden, die hindurchgehen werden. Kritai (Universelle Richter), über uns sprechen Recht die Toten, die Ungeborenen.“

In diesem Jahr marschierte erstmals eine „Kopftuchträgerin“ mit der griechischen Fahne in der ersten Reihe einer Schulklasse: die rundgesichtige 14-Jährige stammt aus Ägypten. Wie es für sie war? O, anfangs habe sie schon ein wenig Angst gehabt, aber dann habe sie gefühlt, dass sie willkommen sei. Es sei eine sehr schöne Erfahrung für sie gewesen, und ihre großen dunklen Augen lachten.

Ich war diesmal nicht bei den Feierlichkeiten, sondern am Strand. Finstere Bewölkung, und über dem Meer mit rotem Sand aus der Sahara zwei Drachenflieger.

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Unter dem Stichwort  „Griechische Revolution 1821“ finden Interessierte alles Wissenswerte zum Verlauf der Revolution und ihre Bedeutung für die nationalen Befreiungsbewegungen in ganz Europa. Sehr informativ finde ich den Artikel „Griechenlandbegeisterung und Philhellenismus“ auf der Seite EGO – Europäische Geschichte online.

Da aber bei den meisten von euch heute Karfreitag ist: Hier eine Foto-Erinnerung an eine Karfreitagsnacht in Kalamata.

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Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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