Der Mond, das Zauberding (Χάρτινο το φεγγαράκι)

Wir alle wissen, dass uns am 12. August kurz vor der gewöhnlichen Abenddämmerung eine ungewöhnliche zweite Dämmerung erwartet: In Spanien eine vollständige Sonnenfinsternis, weiter östlich nicht vollständig, aber immer noch sehr eindrucksvoll. Wir alle wissen natürlich auch, dass die Sonnenfinsternis dadurch zustande kommt, dass sich die Mondscheibe vor die Sonnenscheibe schiebt und sie vollständig abdeckt.

All das weiß ein jeder, auch ich. Doch als ich gestern nach dem Mond schaute und ihn federleicht und weiß am Tageshimmel entdeckte, wunderte ich mich. Dieses in zwei Tagen ganz unsichtbare Federchen soll uns die Sonne verdecken? Ja, wie ist das denn möglich?

Nun, auch wenn es unwahrscheinlich klingt: genau das wird geschehen. Denn wenn sich Mond- und Erdbahn kreuzen (Mondknoten) und der Mond sich in gerader Linie genau zwischen Erde und Sonne befindet, dann wird für ein paar Minuten nicht das Sonnenlicht, sondern der Mondschatten auf die Erde fallen.

Verstanden? Das „Federchen“ dort oben am Himmel ist ja durchaus der ganze kompakte Himmelskörper, den wir „Mond“ nennen, doch wird momentan nur ein sehr kleiner Teil der uns zugewandten Seite von der Sonne beleuchtet. Dies ist das „Federchen“, das wir derzeit sehen. Bei Neumond wird auch dies Fitzelchen verschwinden und nur noch die Rückseite des Mondes von der Sonne beschienen sein. Die uns zugewandte Vorderseite bleibt für unsere Augen unsichtbar. Dieser für uns unsichtbare „schwarze“ Mond“ schiebt sich zwischen Erde und Sonne, trifft auf den „Mondknoten“, wo sich die Bahnen von Erde und Mond kreuzen, steht nun haargenau zwischen Erde und Sonne … und da sehen wir ihn als schwarze Scheibe vor der Sonne und meinen, eine schwarze Sonne zu sehen.

Diese und andere Mondgedanken gingen mir durch den Sinn, als ich aus einem Papier mit Frottagegekritzel eine Mondsichel und allerlei andere Formen auszuschneiden begann.  Ich legte zuerst einen zunehmenden und einen abnehmenden Mond auf dem Deckel des alten Computers aus:

Wie immer freute ich mich über die expressiven Eigenschaften solcher Schnipsel und probierte weitere Figuren aus.

Ich suchte nun einen Untergrund für weitere Spielchen und fand das Foto eines Mondaufgangs über den Bergen passend.

Und so entstanden weitere Szenen, in denen sich das Mondwesen, sich verwandelnd und vervielfältigend, tummelt.

Χάρτινο το φεγγαράκι (aus Papier der kleine Mond) von Manos Hatzidakis (1925-1994), gesungen von Nana Mouskouri (*1934), ist eines der beliebtesten Lieder der neueren griechischen Musik.

meine Übersetzung:

Es wird das Meer Vögel bringen
Und goldene Sterne der leichte Wind
Um dein Haar zu liebkosen
Um deine Hand zu küssen
Aus Papier der kleine Mond
Künstlich die Küste
Wenn du mir nur ein wenig glauben würdest
Wäre alles wahr.
Ohne deine Liebe
Vergeht die Zeit schnell
Ohne deine Liebe
ist die Welt kleiner
Aus Papier der kleine Mond
Künstlich die Küste
Wenn du mir nur ein wenig glauben würdest
Wäre alles wahr.

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About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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1 Response to Der Mond, das Zauberding (Χάρτινο το φεγγαράκι)

  1. Ein ganz wunderbarer Bericht,.liebe gerda ❣️

    Warum sollte ich dir nicht glauben,?

    Das Begreifen ist für mich etwas schwierig, aber nicht ganz unmöglich 🌟

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