„Du verstehst, das Harte unterliegt“ (B. Brecht)

Als ich diese feinen Blumen vor der schweren Steinmauer aus dem Pflaster hervorblühen sah, fiel mir die Lehre des Laotse ein, wie sie Bertold Brecht in seiner „Legende von der Entstehung des Buches Taoteking auf dem Weg des Laotse in die Emigration“ (1938) formulierte:

„Dass das weiche Wasser in Bewegung mit der Zeit den mächtigen Stein besiegt. Du verstehst, das Harte unterliegt.“

Hier ist es nicht das Wasser allein, sondern die zarte und doch so mächtige Kraft der Lebendigen in der Pflanze, die das Material des Steins in blaublühende Glöckchenblumen umwandelt. Das Lebendige bemächtigt sich des toten Minerals und transformiert es.

Das Prinzip hat einst Joseph Beuys wunderbar anschaulich gemacht, als er für sein Kunstprojekt „7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ anlässlich der documenta 1982 neben 7000 Basaltsäulen 7000 junge Eichen pflanzen lassen wollte. Groß waren die Basaltsäulen und klein und schwach die Bäumchen.

Nun, die angestrebte Zahl erreichte sein Projekt nicht, einige Bürger beschwerten sich, dass die Basaltsäulen am Straßenrand Autounfälle begünstigen würden ….., aber wer heute Kassel besucht, kann so manche herangewachsene Eiche neben einer kaum noch wahrnehmbaren Basaltsäule entdecken. Das Größenverhältnis zwischen beiden hat sich umgekehrt.

 

Als Platanen haben sich die „7000 Eichen“ sogar noch prächtiger entwickelt.

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Von Baummapper – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=81586863

Quelle Wikipedia.

Die blauen Blümchen werden niemals die Größe einer Eiche oder Platane erreichen, und die Mauer wird auch in hundert Jahren nicht klein neben ihnen wirken – aber das Prinzip ist doch dasselbe….

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About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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1 Response to „Du verstehst, das Harte unterliegt“ (B. Brecht)

  1. Die blauen Blümchen wachsen hieraus allen ritzen und ich hüte sie gut.
    Brechts worte sind aber so wahr, dass ich kurz schluckte, als ich sie las!

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