Emanzipation bzw Unabhängigkeit der Elemente bedeutet, dass sie aus ihrer Funktion, Gegenstände oder leere Flächen dazwischen zu begrenzen, ihre Position und Farbe nach Belieben verändern können. Wer wünschte es sich nicht, aus dem Gefüge der Gesellschaft mit ihren Rollen, Funktionen und erlaubten Farben auszubrechen und frei im selbstgewählten Raum zu fluktuieren?
Das Experimentieren mit dem Wechsel zwischen „realistischer“ Zeichnung und solcher, in der die geometrischen Elemente dieser Zeichnung ihre Unabhängigkeit feiern, macht mir sehr viel Spaß. Und so bin ich im Datum schon mal vorgeprescht zum 12. April, der bei uns der Ostersonntag ist.
So ganz realistisch sind meine „realistischen“ Zeichnungen freilich auch nicht. Die geometrischen Formen proben bereits den Aufstand, längen sich, verschieben sich….Aber ihre Freiheit haben sie noch nicht erreicht.
Die bisherigen Kalenderblätter dieser Aprilserie:










Ob die strenge Geometrie überhaupt Freiheiten zuläßt? – Es mag sein, dass wir alle immer wieder den Wunsch verspüren, uns aus Fesseln, also Regelwerken, zu befreien. Aber ebenso groß dürfte die Lust daran sein, sich (und ich will nicht beurteilen, ob dabei auch masochistische Züge beitragen) gutwillig wieder in die altgewohnten Abhängigkeiten zu begeben: Es ist schwer, dort draußen ohne Bindungen und Stabilität zurechtzukommen, es ist leicht, dort die Orientierung zu verlieren! Darüber, dass das Einfordern der Regelhaftigkeit bei anderen gern und schnell sadistische Züge annehmen kann, brauchen wir gar nicht zu spekulieren.
Warum nur suchten die Denker alter Zeit nach diesen Gesetzmäßigkeiten, nach denn sich Thales Dreieck im Halbkreis zu richten hat, nach denen Phytagoras die Seiten quadrierte? Die Suche nach Freiheit sieht anders aus. Ich glaube, wir brauchen beides. Müssen beides aushalten.
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Danke für deine Interpretation, die die Analogie zur menschlichen Freiheit bzw zum Eingebundensein aufgreift, die auch ich im Sinn hatte. Vergl dazu meinen Komnentar weiter unten.
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Auch geometrisches lässt sich freizügig anordnen und interpretieren. „Think outside the box“, sagt man und das ist vermutlich das schwierigste …
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Bei den Formen selbst kann ich keine neuen Freiheiten erkennen, bleiben die doch in ihren Grenzen zu den freien Flächen dazwischen. Die sind es eher für mich dadurch, dass ihre Farben keine Begrenzung haben. Aber ich bin mir auch nicht sicher, ob ich dich richtig verstehe.
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meine Antwort ist weiter unten zu lesen. Sie hat sich emanzipiert. 🙄
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Der Weg in die Abstraktion …
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ja, in etwa.
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Mein Gedanke: ein braunes Rechteck beschreibt die Seite eines Holzkastens. Es hat diese Funktion im Bild nach Form, Lage und Farbe. Nun erlaube ich dem Viereck, sich frei zu bewegen und die Farbe zu ändern. Es steht nicht mehr „für etwas“, sondern ist nur was es ist: ein Rechteck. Die Parallele zum Menschen: er lebt in Rollen, in Gefügen: zB als Großmutter, Wählerin, Nachbarin, in einem Land, einer Epoche geboren etc. pp. . Nun nehme ich ihn heraus aus all den Zuschreibungen, er nimmt die Position und Farbe an, die ihm gefällt, und er verbindet sich neu nach eigenem Ermessen. Das nennen wir Emanzipation, Selbstbestimmung. Ist natürlich utopisch, aber als Idee befreiend.
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