Geschichten von und mit Philippe (4) Fortsetzung vom Fuchs

Die Begegnung mit der Füchsin Alepou (hier) hatte heute noch eine Fortsetzung. „Diese Alepou ist ganz anders als mein Freund, der Fuchs“, sagt Philippe bekümmert. „Er trug keine Stöckelschuhe und keine Bermudashorts und all das, er war einfach ein Fuchs mit einem schönen Fell und einem buschigen Schwanz….

Vor allem redete er ganz anders. Die Alepou redet nur von sich und ihren Anziehsachen und wie elegant sie ist. Mein Freund der Fuchs aber…“ – „Nun?“ frage ich, „was ist mit deinem Freund dem Fuchs? Was hat er denn gesagt?“ – „O, über vieles hat er gesprochen, und dann hat er geweint.“ – „Geweint?“ Ich bin bestürzt. „Dein Freund der Fuchs hat geweint? Warum denn?“ – „Weil ich nicht bei ihm geblieben bin. Ich wollte weiter, wollte die Menschen kennenlernen, und also bin ich weitergezogen, obgleich der Fuchs traurig war.“ – „Hm“, sage ich. Weiter fällt mir dazu nichts ein. – „Er sagte“, fährt Philippe fort, „er würde weinen, wenn ich weg wäre, und das tat mir sehr leid. Und alles nur, weil ich ihn gezähmt hatte.“ – „Du hast ihn gezähmt?“ frage ich. „Wie denn?“ – „Ach, das ist eine längere Geschichte…. Am Ende waren wir Freunde, und er war traurig, weil ich fortging.“ – „Ja, das verstehe ich“, sage ich. „Wir beide kennen uns bisher ja noch nicht sehr gut, Philippe, aber ich bin sicher, wenn das Jahr um ist und du gehen wirst, werde ich auch traurig sein.  Trotzdem freue ich mich, dass du jetzt bei mir bist. Und wenn du weg sein wirst, werde ich mich an dich und an deine goldenen Haare erinnern. Und jedesmal, wenn ich ein Weizenfeld sehe, werde ich an dich denken, weil es dieselbe Farbe wie deine Haare hat.“ – „Das hat mein Freund der Fuchs auch gesagt. Und wenn ich einen Sonnenuntergang sehe, erinnere ich mich an sein goldrotes Fell und bin traurig.“ – „Ich bin ja gespannt, wann du dich an mich erinnerst. Vielleicht wenn es schneit, wegen meiner weißen Haare?“ frage ich ihn lächelnd. – Da lächelt er auch und umarmt mich und sagt: „Vielleicht, man wird sehen. Bis dahin haben wir ja noch viele viele Tage zusammen.“ – Als er das sagt, strahlt er übers ganze Gesicht. „Ich will auch nicht mehr traurig sein, wenn ich an meinen Freund den Fuchs denke. Es war sehr schön, dass ich ihn kennengelernt habe. Es ist gut einen Freund gehabt zu haben, selbst wenn man sterben muss … Ich bin sehr froh, dass ich einen Fuchs zum Freund hatte.“

„Aber noch musst du ja nicht sterben“, sage ich schnell. „Und ich auch nicht. Noch bleiben wir zusammen, ja?“ – Da nickt er und lacht und kriegt rote Backen, und es ist fast, als sei er jetzt erst richtig angekommen.

 

 

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About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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2 Responses to Geschichten von und mit Philippe (4) Fortsetzung vom Fuchs

  1. So bekommt diese Geschichte ja doch doch mal eine gute Wende, so scheint mir.
    Ich hatte ja die Geschichte noch nicht zuende gelesen, als ich so begeistert reagierte beim letzten Mal.
    Da war doch manches, was mir an Deinem Fuchs nicht gefiel….Aber nun sehen wir weiter. Alles Gute insgesamt!

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  2. Hier gefällt mir auch Deine Zeichnung vom kleinen Prinzen besonders gut, Gerda.

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