Tagebuch der Lustbarkeiten. Zeitgenössische Kunst begucken

Ein fantastisch lebendiger Traum, aus dem ich froh gestimmt aufwachte, befeuerte mich heute morgen. Ich packte einen Kanister Öl und ein Geschenk für meine „kleine Schutzbefohlene“ ein, um sie in Athen zu treffen und anschließend noch die eine oder andere Kunstausstellung zu besuchen. Die Freude des beschenkten Kindes und seiner Mutter schloss sich nahtlos an meinen frohen Traum an.

Anschließend besuchte ich eine Ausstellung in der großen Pinakothek der Theoharakis-Stiftung. Das Gefühl wurde da weniger bedient. Professionell einwandfreie Organisation, eine interessante Auswahl von Werken einiger bekannter und einige weniger bekannter zeitgenössischer griechische Künstler, darunter besonders vieler Frauen.  Malerei im engeren Sinne gabs nicht zu sehen. Materialien und neue Materialverbindungen und deren perfekte Verarbeitung dominieren.

Eine Ausnahme vielleicht Fotis Sagonas, „Epitaph“ von 2022. Es ist eine „gestische“ Zeichnung mit Graphit und wasserlöslicher Pastelkreide auf Papier.

Eindrucksvoll und rätselhaft-vieldeutig die Arbeiten des hier sehr bekannten Bildhauers Giorgos Lappas:

„Großer Buchstabe im Umschlag“ von 1999 – eine „mixed-media-Skulptur“ 

Eine überlebensgroße rote Figur im Handstand auf einem Sockel, daneben aus Eisen geschnittene rote Silhouetten.

Neonlicht als „Malmittel“ benutzen auch andere Künstler, so die durch ihre Neon-Installationen international bekannte Chryssa, hier mit „Cityscape Time Square“ von 1997 vertreten. (Über Chryssa berichtete ich schon hier und hier)

Yiannis Bouteas mit einer Arbeit aus seiner Reihe „Transformationen“ von 1976-1980, gefertigt aus Nägeln, Bindfaden und Neonröhre.

Ein großflächiges Diptychon von Dimitris Efeoglu stammt aus seiner Reihe „One last look“, gefertigt mit Ölpastell, Öl, Akryll, Papier auf aufgerauter Aluminiumplatte.

Von Nahem betrachtet:

„Am Golde hänget, zum Golde dränget doch alles“ (Faust), dachte ich bei den beiden goldglänzenden Kuben von Maria Hasapi. Der eine zeigt einen reliefartigen „Kopf“, der andere ein Bein, 2021. Gefertigt sind sie aus Farbe, Goldfolie, goldenem Spiegel und Holz. 

Zwei Künstlerinnen: Nikomachi Karakostanoglou mit einem „Sakralgefäß“ aus Marmor von der Insel Thassos (2024) und Evgenia Apostolou mit dem sechsteiligen Werk „Uovo Uovo“ (Kohle auf Papier, 2006)

 

Nachtrag für Gerhard:

Eine weitere Arbeit derselben Künstlerin.

Das sind einige der Arbeiten, die ich heute sah. In der Metrostation begrüßte mich dann erneut die Neonskulptur von Chrissa, die ich schon öfter fotografierte.

Betrachtet man sie von der Seite, verliert sich die Ordnung, die Schriftzeichen lösen sich auf und das rote Neonlicht tropft wie Kunstblut auf die weißen Marmorfliesen der Wand und des Bodens. 

 

 

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About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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15 Responses to Tagebuch der Lustbarkeiten. Zeitgenössische Kunst begucken

  1. Wahrlich zeitgenössisch!
    Meist findet sich da Besonderes.
    Das Sakralgefäß erinnert mich an eine Arbeit, die ich heute vorhatte, aber dann doch sein lies, aufgrund der Zeit, die mir in den nächsten Tagen bleibt.

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  2. Avatar von wildgans wildgans sagt:

    Interessante Werke in verschiedenen Techniken! Das mit den Nägeln, den Bindfäden und der Neonröhre erinnert mich an Arbeiten im Kunstunterricht, wo manchmal über die gespannten Fäden noch etwas mittels nasser Gipsverbänden modelliert wurde. Die Schüler liebten diese Art zu arbeiten!

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  3. Avatar von pflanzwas pflanzwas sagt:

    Es gibt zeitgenössische Kunst, die mich anspricht, andere gar nicht. Diese Arbeiten gefallen mir überwiegend gut.

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  4. Mit ist fast alles zu kühl, zu *modern*.
    Die Neonskulptur von Chrissa gefällt mir tatsächlich am besten

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  5. Avatar von anneeulia anneeulia sagt:

    Zum ersten Bild fällt mir persönlich: „Die Tänzerin im Sturm.“ ein.
    Keine Ahnung warum…sieht ein bissel so aus finde ich.

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