Den Debattenraum erweitern (5): Franz Ruppert: Verordnete Regression

Bei rubikon gibt es ein Interview mit Franz Ruppert, einem von mir geschätzten Spezialisten für Traumaforschung  https://www.rubikon.news/artikel/verordnete-regression.

Ruppert erklärt, welche Folgen es hat, wenn eine Gesellschaft massiv mit Angst überschwemmt wird. „Es wird Zeit, nicht mehr die Rebellen medial auf die Couch zu legen, sondern sich endlich mit der Psychopathologie der Gehorsamen auseinanderzusetzen,“ meint Madita Hampe, die  zusammenfassend in das Interview einführt. Und da ich mich gern zu den Rebellen zähle, ist mir eine solche Schlussfolgerung natürlich sehr sympatisch. Wenn du magst, hörst du in das recht umfangreiche Interview mal rein oder liest die Einführung von M. Hampe.

Dass „eine normale menschliche Psyche mit dem Schock des plötzlichen Shutdown nicht Schritt halten“ kann, haben wir ja beobachten können. Ich sage nur: Klopapier. Als ich von diesen absurden Hamsterkäufen las, begriff ich sogleich: Massive Reggresion in einen kleinkindlichen Zustand, wo der Selbstwert unmittelbar mit dem Vermögen verbunden ist, seine Ausscheidungen  zu kontrollieren. Wer in der analen  Phase steckenbleibt („anale Fixierung“), neigt zu Kadavergehorsam und rigider Unterdrückung Andersdenkender („Analcharakter“).

Unter extremen seelischen Belastungen kippt auch ein ansonsten normal entwickelter Mensch leicht in eine frühe Phase zurück: er stürzt sich in Fressorgien (orale Fixierung)  wird zum ängstlich-aggressiven gehorsamen Hosenscheißer (anale Fixierung) oder will ständig Sex haben, am liebsten mit einer Mutterersatz-Frau (phallische Fixierung).

Unter dem Schock der Nachrichten, Bilder und verordneten Distanzregeln erscheinen die Regierenden wie Mama und Papa, „während die Bürger in der Rolle des traumatisierten Kindes feststecken. Die Lockerungspolitik erinnere zum Beispiel viele an restriktives Erziehungsverhalten der Eltern. Es sei wie bei Ausgehzeiten, die etwas ausgeweitet würden, wenn das Kind brav sei, jedoch wieder verkürzt werden oder der Ausgang ganz verboten wird, wenn das Kind die Regeln bricht. Das social distancing rufe die Erfahrung wach, als Kind allein gelassen worden zu sein.“ (s.o.)

Die Krise hat bei vielen Menschen „existentielle Gefühle wie Angst, Ohnmacht, Hilf- und Ausweglosigkeit“ ausgelöst. „In solchen Situationen greifen Menschen normalerweise auf drei Verhaltensmuster zurück: Flucht, Angriff oder Erstarren“. Physische Flucht ist nicht möglich, Angriff gefährlich bzw aussichtslos, bleibt also für die meisten nur „das Erstarren und die Identifikation mit dem Täter, hier dem Staat in Elternfunktion“.(s.o.)

Genug der Vorrede. Vielleicht reizt es dich, das Thema ein bisschen zu vertiefen.

https://www.rubikon.news/artikel/verordnete-regression.

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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12 Antworten zu Den Debattenraum erweitern (5): Franz Ruppert: Verordnete Regression

  1. kopfundgestalt schreibt:

    Nicht damit 😉

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  2. Gisela Benseler schreibt:

    Interessant, aber , so meine ich, doch zu vereinfachend und pauschal. Ich glaube, daß man doch etwas feiner differenzieren sollte. Dafür braucht man etwas mehr Zeit. Nicht zu schnell urteilen, sondern die Menschen als Menschen sehen. Da gibt es auch viel mehr Freiheit und auch Freude am Entdecken und Entwickeln von Ideen usw. Das äußere Verhalten muß nicht unbedingt ein Zeichen des Inneren sein.

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  3. afrikafrau schreibt:

    Als Trauma Forscher mag er vielleicht seine eigenen Schlüsse ziehen, aber das ganze Volk auf die Couch, nein. Den Medien nach wird dies natürlich etwas befeuert. Für Mensch, die bereits Ängste, unter Panik Attacken, oder Traumatisierungen kämpfen, ein neuer Anlass, zusätzlich neue Ängste aufzubauen. Gebe meiner Vorrednerin recht,, besser wäre zu differenzieren, bzw. Anleitung zur Stärkung der Widerstandskraft,nicht die Verantwortung abgeben,oder in eine andere Verweigerungshaltung zufallen.Vorsicht ja, aber keine neuen Ängste.Vielleicht hat er ein neues Geschäftsmodell entdeckt? Geduld haben die Menschen nicht mehr, da ihnen aber auch viel abverlangt wird. Getrimmt auf schnellen Erfolgt, aber wenn die eigene Existenz einzubrechen droht, sind Lösungen zu finden recht schwer. Ein wenig mehr auf die eigenen
    Stärken schauen, weniger auf die eigenen Schwächen blicken. Es krankt an vielen Ecken und Enden in unserer Art zu leben, wir können aber etwas zu Veränderungen auch beitragen, in unserem Verhalten, für viele nicht leicht, darüber nachzudenken, um für sich Klarheit zu schaffen,sich besinnen wäre ratsam, aber anstrengend.

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    • gkazakou schreibt:

      D’accord, liebe Afrikafrau. Ein ganzes Vok auf die Couch wäre freilich genauso schlimm wie ein ganzes Volk in Abstands-Angststarre und Kadavergehorsam. So weit sind wir zum Glück nicht, denn noch darf jeder auf seine Weise herausfinden, wie er mit den Regierungs- und Virologen-Geboten umgeht. Im Grunde handelt es sich um eine Umkehrung der in den Leitmedien zirkulierenden Ansicht, dass die, die gegen das Masken- und Abstandsreglement protestieren, irregeleitete Idioten sind, die in die Psychiatrie oder sonstwie weggesperrt und mundtot gemacht werden sollten. Da es leider Regime gab und gibt, die Menschen wegen ihrer nicht erwünschten Ansichten in die Psychiatrie wegsperren oder sie zumindest gesellschaftlich fertig machen, ist es gut, einmal den Scheinwerfer auf die Mehrheit zu richten und zu sehen, wie es mit deren Normalität aussieht.
      Ich finde, das ist als argumentatives Vorgehen legitim. Damit will ich natürlich nicht sagen, die Mehrheit sei krank. Vielmehr möchte ich den Rahmen des Normalen erweitern, so dass jeder die Möglichkeit des freien Selbst-Ausdrucks hat.

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  4. TeggyTiggs schreibt:

    …ich schätze Franz Ruppert, den Artikel lese ich jetzt aber nicht, ich bin des Themas leid…eben auf einem gut besuchten Markt wurde ich von zwei Gendarmen aufgefordert, die Maske anzulegen …und konnte dem entkommen wie bisher immer…viele halten sich hier nicht daran und eine Not-wendigkeit sehe ich nicht…die verordneten Maßnahmen haben wesentlich größeren Schaden angerichtet, als durch sie eventuell vermieden wurde…jeder kann sich darüber informieren, ob die Sterblichkeitsrate die letzten Moante erhöht war oder nicht…

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    • gkazakou schreibt:

      Du hast völlig recht. Auch ich bin des Themas schon lange leid – und auch der Pollitiker und Schreiberlinge, die es krampfhaft aufrechterhalten. Es war doch zuuu schön, die Bevölkerung in Angst und Schrecken zu halten und durchzuregieren.

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  5. Johanna schreibt:

    Danke Gerda, hab’s nicht gelesen, aber ein Interview mit ihm über das gleiche Thema. Ich mag ihn und seinen Ansatz und finde es auch mutig und erfrischend, dass er so klar gegen die vorgeschriebene Meinung spricht. Er sagt ja, dass jeder Mensch traumatisiert ist… nun ja, mag sein, aber ich habe keine Lust mich in Therapie zu begeben. Ich habe gefunden, dass mit Wunsch auf Lösung und innerer Offenheit die Probleme sich von selber präsentieren und um Aufarbeitung bitten . Es liegt in unser aller Hand. . Aber fragen,, beobachten, in sich lauschen, gehört auch dazu, so meine ich, und da mag die Therapie helfen 😊

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    • gkazakou schreibt:

      Ich stimme dir zu, Johanna. Ich mag es auch nicht, wenn wir Menschen generelll für therapiebedürftig erklärt werden. Das ist genauso dumm, wie jeden als potentiell Kranken zu behandeln, den man impfen oder Vorsorgeuntersuchungen etc angedeihen lassen muss. Ich gehe immer vom „Normalfall“ der Gesundheit aus, welcher am besten gedient ist, wenn man gesund lebt. „Therapien“ sind für mich Anstöße, sich ein klareres Bild von den eigenen Lebenszielen und Verwicklungen zu verschaffen.

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  6. Susanne Haun schreibt:

    Liebe Gerda,
    ich empfinde es so, dass alle Probleme, die schon lange unterschwellig auf der Welt vorhanden sind, an die Oberfläche treten. Sicher, das ist gut, wenn der / die Mensch es schafft, Lösungen zu finden. Im Moment habe ich eher das Gefühl, dass viele die Lösung nur in der Gewalt suchen.
    Das macht mir Angst.
    Liebe Grüße von Susanne

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    • gkazakou schreibt:

      Dass Gewaltbereitschaft sich in vielen Menschen angesammelt hat und darauf wartet zu expllodieren, das glaube ich auch. Obgleich ich selbst keinerlei solche Tendenzen in mir spüre, kann ich es doch verstehen: die Ungerechtigkeit der Verhältnisse, die wegen der unerträglichen Liaison zwischen Politik, Wirtschaftsmacht, Finanzmacht und Presse nicht thematisiert wird, geschweige denn dass Lösungen angestrebt werden, führt zu einem immer größeren Frust bei den vielen. Was für Aussichten haben junge Menschen denn, die nicht zu den Privilegierten gehören? Das ist im Prinzip kein Rasseproblem, wie es in Amerika grad erscheint, sondern betrifft das Gesamtsystem, das auf Ausbeutung und rücksichtsloser Bereicherung beruht. Dagegen sind die Plünderer und Fenstereinschmeißer nur ein Fliegendreck. Das Schlimme ist, dass die Gewalt blind ist und sich gegen jedermann, der ihr vor die Flinte kommt, richtet, anstatt die wirklichen Verursacher aufs Korn zu nehmen.
      Die Mächtigen haben den Mob leider nicht zu fürchten, sie mögen lokale Gewaltausbrüche sogar ganz gern, denn da wird Dampf abgelassen. In den USA, aber auch in Frankreich und in GB, sind die meisten Gewaltopfer bei Unruhen sowieso Angehörige von Minderheiten, besonders Schwarze. Da heißt es dann „sie bringen sich gegenseitig um, wie praktisch“.

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      • Susanne Haun schreibt:

        Wie recht du hast, Gerda.
        Ohne Kontakte haben junge Menschen fast keine Chance. Sicher, es gibt immer einige, die es vom Tellerwäscher nach ganz oben schaffen, aber der Weg ist meist mit Entbehrung und Gewalt gepflastert.
        Wir haben so viele junge Menschen mit sehr guter Ausbildung (Studium, etc.) die einer desillusionierenden Zukunft entgegen sehen. Ob sie es schaffen, noch zu träumen?
        Liebe Grüße von Susanne

        Gefällt 1 Person

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