XV Der Teufel (Tarot-Legebild-Collagen)

Hols der Teufel! Grad habe ich mich nach dem Gehängtem und dem Tod im Herrschaftsbereich der Mäßigung ein wenig erholt, tritt dieser Herr der Fliegen auf! Er, der nach Tarot-Lesart der Inbegriff von Laster, Versuchung, Täuschung, Besessenheit und Begierden ist, was hat er für eine Gestalt?

Ich habe überhaupt keine Lust, ihn als Ziegenbock-Mensch-Zwitter darzustellen, wie es die Tarot-Spiele gewöhnlich tun. Das ist nichts anderes als eine Verhöhnung des großen Gottes Pan, der in Arkadien zu Hause war. Er, der die Natur selbst verkörpert, Pan=Alles (vergl. Pandemie = im gesamten Staatswesen, vergl auch Panik, in die verfiel, wer des Gottes plötzlich gewahr wurde). NEIN! Diesen Kirchentrick mache ich nicht mit. Es gibt nur einen Pan, aber viele viele Teufel und Teufelchen.

Teufel ist eine Verballhornung des griechischen Worts διαβολος diavolos (im Deutschen erhalten als Deubel und diabolisch). Diabolos bedeutet wörtlich der „Auseinanderwerfer“, und meint den Verleumder, der die Menschen durch Lügen gegeneinander aufbringt und entzweit. Er ist ein träger Typ, der nicht selbst handelt, sondern durch seine Hinterhältigkeit Freunde zu Feinden macht und zu allem Widerwärtigen und Bösartigen anstiftet. Ein Verleumder, Anstifter, Spalter. Einer, der den Biedermann spielt, aber ein Brandstifter ist.

Da gibt es nun viele Anwärter. Ich habe eine Figur gewählt, die durch ihren Hut mit Doppelspitze an die übliche Teufelsfigur mit ihren zwei Hörnern auf Zwist,  Zwiespalt, Zweifel, zwielichtig, zwicken und zwacken anspielt. Bei mir ist er in Rot und in Blau zu haben.

Am Strand begegnet er der Gerechtigkeit und dem Hierophanten und spielt den Nichtsahnenden, der keinen Anteil am Bösen in der Welt hat.

Der Teufel konfrontiert gleichgültig Ritter und Tod, und auch der Herr Kollege mit dem gewaltigen Bockshorn beeindruckt ihn nicht. Mein Teufel, Meister der bösartigen Einflüsterungen,  setzt sich zum Ritter aufs Pferd und träufelt ihm Träume von Ruhm, Gold und Frauen ins Ohr. Oder er erzählt ihm, dass seine Dame zu Hause mit einem Jüngeren ins Bett steigt.

Die bisherigen 15 Karten im Überblick:

 

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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24 Antworten zu XV Der Teufel (Tarot-Legebild-Collagen)

  1. kopfundgestalt schreibt:

    Na da gibt es jetzt einige, die ihr Süppchen kochen. Aber da es sie schon immer gab, die Trickser, Leugner, Redegewandten und dergleichen, sollte man ihre Methoden und ihr Vorgehen eigentlich kennen.
    Ich erinnere mich an H.H. Dickov, der im Stück „Die Dämonen“ so ein Einflüsterer war und den armen Poeten (Hannes Messemer) fast um den Verstand brauchte mit seinen Volten.

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    • gkazakou schreibt:

      Eigentlich sollte man diese Tricks kennen, aber leider gibt es viele Anknpfungspunkte in uns, die dem Einflüsterer immer wieder Macht über uns geben.Da sind die Eifersucht, die Gier, das schwache Selbstvertrauen, die Faulheit und Ignoranz, natürlich die Angst, die Selbstsucht …. o, es gibt viele viele Einfallstore. und die Teufel sind nicht auf den Kopf gefalllen, dienen uns immer neue Tricks an. Nur wenige werden nachträglich als solche erkannt. Aufgeklärt wurde zB die Lüge der Nazis, „ab heute wird zurückgeschossen“, oder die Lüge der Amis, dass Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen habe. Aber sonst?

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  2. rolfnoe schreibt:

    Gefallen mir sehr gut, deine Tarot-Bilder. Normalerweise assoziert man ja zu einem vorgegebenen Bild um seine Aspekte darin zu sehen. Du arbeitest am Bild direkt. Da können dann vieleicht andere darüber assoziieren?

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    • gkazakou schreibt:

      Ja, genauso dachte ich es mir. Hier schreibe ich natürlich ein paar Sachen dazu, aber die sind überhaupt nicht verpflichtend. Im Grunde ist es ein Hilfsmittel, um Assoziationen zu lockern. Von divinatorischen Verfahren (also Vorhersage-Techniken) halte ich nichts, aber Selbsterkundung ist wichtig.

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  3. Werner Kastens schreibt:

    Ich kenne in Zusammenhang mit dem Teufel auch den Beelzebub: den Teufel mit dem Beelzebub austreiben.

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    • gkazakou schreibt:

      ja, so sagen wir auch. Wiki: „Beelzebub (auch Belzebub, Beelzebul, Beelzebock oder Belsebub) ist in der Mythologie ein Dämon oder eine lokale Gottheit der Philister“ und wurde dann als Synonym für den Teufel gebräuchlich. .

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  4. Ulli schreibt:

    Deine Teufel haben etwas napoleones … mag ich.
    herzlichst, Ulli

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    • gkazakou schreibt:

      Der Spitzhut, ja, und die Haltung – da hast du recht. ich dachte eher an kirchliche Würdenträger. die Spitzhüte der Inquisition, auch die der Ku Klux Klan, aber eben gespalten, doppelt, zweideutig.
      Dass die Karte nicht eindeutig ist, dass sie allerlei würdige Leute meinen kann, gefällt mir, auch der Teufel ist ja vieldeutig 🙂

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      • Ulli schreibt:

        Ich denke noch darüber nach wie ich persönlich eigentlich den Teufel sehe, kurz gesagt: als Versucher, als Irreführer, als Einer, der meine Seele haben möchte oder mein Herz (wie in dem Märchen von Hauff – Das kalte Herz), so in etwa und immer denke ich auch an das Märchen vom Teufel und seiner Großmutter …

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    • Ule Rolff schreibt:

      Genau das hätte ich auch angemerkt, Ulli 🙂! Aber du warst schneller …

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  5. Ule Rolff schreibt:

    Eine tolle Doppelfigur, die mal so, mal so auftritt, Gerda! Genau so listig, wie der Teufel in immer neuer Gestalt an uns herantritt – wenn man denn an ihn glaubt. Als Werkzeug der Versuchung, uns selbst untreu zu werden, kann er viele Formen annehmen, du hast eine Reihe davon weiter oben genannt.

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    • gkazakou schreibt:

      danke, Ule. An den Teufel glaube ich eigentlich nicht, wohl aber an die Schwäche des menschlichen Herzens, so dass Menschen zu teuflischen Handlungen fähig werden oder sich den teuflischen Plänen anderer unterwerfen, aus Angst, Habgier usw.

      Gefällt 2 Personen

  6. Gisela Benseler schreibt:

    Da mische ich mich lieber nicht ein, halte Abstand, bleibe lieber bei mir. Es gibt genug zu tun, überall, nicht nur an einem Fleckchen der Erde. Ich hätte den „Spaltpilz“ dort nicht aufziehen lassen, an dem schönen Strand. Gern würde ich mich hinter „das Recht“ stellen. Aber dazu muß ich ja nicht so weit weggehen. Was dort geschieht, geschieht ganz ähnlich auch hier und anscheinend jetzt überall, auf unserer ganzen Erde. Deshalb soll jeder auf seinem /ihrem Platz bleiben, im Bewußtsein, daß zu selben Zeit ganz viele das Gleiche erleben. Das verbindet wiederum, spaltet nicht.

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  7. Rainer Hartwich schreibt:

    Faszinierend was ich bei Dir über die Mythologie lernen darf. Da wird man alt wie ein Ochs und lernt immer noch dazu. Lg. R.😀

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  8. gkazakou schreibt:

    Danke, Rainer,. Dazulernen tun wir ja täglich – grad jetzt wird uns Lektion auf Lektion aufgetischt und wir kommen kaum nach mit dem Begreifen. Ich verbinde mich dann immer gern mit den uralten Gedanken, die in den griechischen Mythen zum Ausdruck gebracht werden, und spinne mir einen Zusammenhang aus, der von fernen Zeiten bis zum Heutigen reicht. Das hebt mich ein wenig aus der drückenden Gegenwart heraus und öffnet meinen Kopf, so dass ich nicht immer nur auf das starre, was gerade vorgeht, sndern auch im Gegenwärtigen nur eine Metapher sehe.

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  9. kowkla123 schreibt:

    sei herzlich gegrüßt und passe auf dich auf, Klaus

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  10. Leinwandartistin schreibt:

    Deinen Teufel finde ich besonders treffend in seiner Haltung und Gestalt. Ich sehe ihn geschmeidig von Mensch zu Mensch gleiten, ganz unaufgeregt, selbstgefällig, scheinbar unbeteiligt und objektiv den Menschen seine Einflüsterungen ins Ohr zu raunen.

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  11. schreibenwaermt schreibt:

    Der Teufel als träger Typ. So habe ich es noch nie betrachtet. Danke für diese neue Sichtweise.

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  12. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    Der Teufel, Herrscher der höllischen Mächte, der Seelenkäufer. Wie anders als üblich hast Du ihn dargestellt, liebe Gerda. Den Teufel in rot mag ich lieber als den in blau. Heimtückisch ist er, mit allen Wasser gewaschen. Immer wieder trägt er andere Masken. Erscheint ihm die eine abgenutzt, hat er schon eine neue, hinter der er sich versteckt.
    Eben hab ich mal in wortbehagen geblättert und ich fand viel, z.B. dieses hier
    http://wortbehagen.de/index.php/gedichte/2011/dezember/luzifer
    Gute Nacht, liebe Gerda, schlafe gut und träume von schönen Dingen und bloß nichts Teuflisches

    Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      Danke, Bruni, dein Gedicht gefällt mir! Luzifer ist allerdings noch mal ein anderes Kaliber als der gewöhnliche Diabolos (Verleumder, Teufel). Sein Name bedeutet ja der „Lichtbringer“, er ist vergleichbar dem griechischen Prometheus, der den Menschen Licht, Feuer, Verstandeskräfte brachte, damit sie leben konnten. Allerdings überredete er sie auch, Gott (Zeus) zu betrügen. Drum wurde er, wurden auch die Menschen schwer bestraft. Luzifer ist ein Geistwesen, das den Menschen in die gottlose Höhe zieht,wo er sich selbst zum Gott wird. Mit dem christlichen Teufel hat er nicht viel gemein. Mephistopheles aus dem Faust kommt da schon näher.
      VonTeufeln träume ich nicht. In meinen Träumen sehe ich immer viele Menschen, solche, die ich kannte und kenne und andere, unbekannte. Sie sind immer ungeheuer genau gezeichnet. Je weniger Menschen ich in Wirklichkeit sehe, desto mehr bevölkern sie meine Träume. Ich mag das. Auch dir Gute Nacht!

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