Nacht für Nacht

img_4245-kontinente-a

Nacht für Nacht irre ich auf den Traummeeren, die sich zwischen Asien und Europa erstrecken. Wachend folge ich jedem Sonnenaufgang,  folge der Bahn der Sonne und finde mich am Abend erneut am Ausgangspunkt.  Nun habe ich die Kompassnadel festgezurrt: Sie schaut nach Osten! Immer nur nach Osten. Es muss doch möglich sein, eine Richtung einzuhalten, selbst auf diesem Planeten, der sich dreht.

In den Traumnächten begegnet mir viel Volk. Ich will gar nicht erst versuchen, all die Wesen aufzulisten, die sich ein Stelldichein geben in den Traumwelten. Du kennst dich aus, weißt, wie unsicher die Auskünfte sind, die man da geben kann. Nur so viel: Immer wieder segele ich auch am Eingang des Hades vorbei, und jedesmal zerrt der Herrscher der Unterwelt,

img_2906-hoellenrachen

auf seinem stierartigen Ross reitend, ein anderes widerstrebendes Opfer in den Rachen seiner Welt.

img_2908-ausschn-3

Aber lassen wir das. Über den Tod haben wir noch genug Zeit zu reden.

Am Tag irre ich durch die Archipele,

6-1-januar-14

nähere mich auch zaghaft der einen und anderen Insel, nur um zu finden, dass sie unbewohnbar ist.  Jedenfalls für mich, zum jetzigen Zeitpunkt. Zu feurig! Meine Seele ist noch zu wässrig, um diesem Feuer standzuhalten.

6-1-2014-inseln-detail-ueb

Denn sagt nicht Heraklit, den ich suche: αὐγὴ ξηρὴ σοφωτάτη καὶ ἀρίστη, ἢ καλύτερα: αὔη ψυχὴ σοφωτάτη καὶ ἀρίστη. Aber lassen wir auch das für den Moment.  Denn es gilt, Kurs zu halten.

Wie die rostigen Blüten auf meiner Gartenschublade, wie die unzähmbaren Blüten auf Cy Twomblys Gemälden präsentieren sich mir die Inselwelten zwischen Europas und Asiens Küsten, feurig und wild.

rost-in-schubkarre-4a

Werde ich zwischen ihnen verrosten? oder mit ihnen erblühen? Wird es mir je möglich sein, mich auf diesem Ozean zurechtzufinden und festes Land zu gewinnen? Die Seele ist ein Ozean, „grenzenlos, und soweit du auch wanderst, du wirst die Grenzen der Seele nicht finden, so große Tiefe hat sie“.  (ψυχῆ ς πείρατα ἰὼν οὐκ ἂν ἐξεύροιο πᾶσαν ἐπιπορευόμενος ὁδόν· οὕτω βαθὺν λόγον ἔχει.)  Das sagt Heraklitos, raunt es mir zu in den Nächten, wenn ich mich ihm auf Traumpfaden nähere.

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Kunst, Kunst zum Sonntag, Leben, Legearbeiten, Malerei, Psyche, Reisen, Träumen, Vom Meere veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

18 Antworten zu Nacht für Nacht

  1. putetet schreibt:

    Schöne Farben und wundervoll beschrieben. Deine Arbeiten passen zu einer Traumwelt, denn Träume sind ja oftmals nur verwischte und nicht klar erkennbare Bilder🙂
    LG Alexander

    Gefällt 1 Person

  2. kunstschaffende schreibt:

    Eine wunderbare Beschreibung in Bilder und Worte! Es sind die Seelenstürme, die es zu überwinden gilt! Dazu brauchen wir ein sicheres Schiff und ein Ziel!
    Das sind meine Gedanken zu Deinem Beitrag! Wie immer sehr bereichernd!

    Wenn ich es richtig verstanden habe, begibst Du Dich auf den Weg nach Rom, so wünsche ich Dir eine gute Reise und eine wunderschöne Zeit!

    Herzliche Grüße Babsi

    Gefällt 1 Person

  3. Martina Ramsauer schreibt:

    Wunderschön deine Traumwelt, die mir auch zeigt, dass es auch dort nicht einfach ist, die Richtung zu halten. Schöne Tage in Rom. Lieben Gruss Martina

    Gefällt 1 Person

  4. Ulli schreibt:

    Das sind grossarzige Bilder, liebe Gerda, sie erscheinen mir, als würde sich etwas Neues ausbreiten, etwas mehr Osten-
    für den Satz von Heraklit bedanke ich mich, er ist so wahr, wie tief …
    liebe Grüsse
    Ulli

    Gefällt 1 Person

  5. bruni8wortbehagen schreibt:

    Die Grenzen der Seele wirst Du nicht finden, denn zu groß ist ihre Tiefe… wunderschön sind diese Worte und ich glaube, so muß es sein, so ist sie zu verstehen.

    Deine Bilder bezaubern und jedes trägt eine Welt in sich.

    Lieber Gruß nach Rom

    Gefällt 1 Person

  6. bruni8wortbehagen schreibt:

    sonnig ist der Tag jetzt auch geworden. Ich werde ihn mal ausprobieren, liebe Gerda, Richtung Bauer *g*

    Gefällt 1 Person

  7. bruni8wortbehagen schreibt:

    🙂

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s