Dienstag ist Drabbletag. Wortman spendete dafür diesmal die Wörter
Jod – aufhängen – Ernte.
Das Wort Jod ist abgeleitet vom griechischen Wort für Veilchen, ἰοειδής (veilchenfarben). Denn wenn man festes Jod erhitzt, steigt violetter Dampf auf (siehe Video unten). Dasselbe Wort ἰον ist seit altersher in der Liebeslyrik verbreitet. Die Dichterin Sappho sang von Veilchenkränzen, die ihre Geliebte sich ins Haar wand. *πό[λλοις γὰρ στεφάν]οις ἴων καὶ βρ[όδων σφα]κ̣ίων τ᾽ ὔμοι) und von violetten Pfeilen der Augenlider. Veilchenfarben ist auch der Kranz im „Freischütz“ (Carl Maria von Weber): „Wir winden dir den Jungfernkranz aus veilchenblauer Seide“.
Und so kam mir die Idee, Chemie und Liebesdichtung in einem kata-strophischen Drabble zu vereinen.
Passt die Chemie?
„Wir winden dir den Jungfernkranz“
So sang die Freundesschar
Als die Isolde und der Franz
Wurden ein Ehepaar.
*
Das Kränzlein wurde aufgehängt
Wo es alsbald verdorrte
Die Liebe wurde auch verdrängt
Mitsamt der Liebesworte.
*
Und doch, wenn Franz in dem Labor
Das Jod erhitzt und veilchenblau
Die Dämpfe steigen, kommts ihm vor
Als säh ihm Dampfe er die Frau
*
Wie damals, als sie mit dem Kranze
Im Haar ihn lachend-sanft umschlang
Und er hinführte sie zum Tanze…
Wie war ihm damals wohl und bang!
*
Wars richtig, diese Frau zu frein?
Passt‘ die Chemie?
Wie würde ihre Ernte sein?
Ja, wie?

Joddämpfe. Quelle: https://scienceinschool.org/de/article/2013/iodine-de/

Gute Frage, nächste Frage.
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Jodtrunkene Liebe…
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