Wie jeden Sonntag trieb ich mich auch heute ein wenig in meinem Blog-Archiv herum, um zu sehen, was mich an einem Tag wie diesem in einem früheren Jahr beschäftigte und was vielleicht auch heute noch bedeutsam ist.
Vor fünf Jahren, am 26. April 2021, gedachte ich des römischen Kaisers Marc Aurel. Heute hätte er seinen 1905. Geburtstag gefeiert, denn er kam am 26. April 121 in Rom zur Welt.

Marc Aurel, Adoptivsohn des Kaisers Antoninus Pius, herrschte ab 161 als bis zu seinem Tode im Jahr 180 als Kaiser über das Römische Reich. Er war der letzte der sogenannten Adoptivkaiser, die nicht durch Geburtsrecht, sondern durch Adoption ins Amt kamen. Dies aus der Not der Kinderlosigkeit der Kaiser geborene Prinzip hatte wohltuende Folgen fürs Reich, und so gilt auch Marc Aurel als „guter Kaiser“.
Seinen Nachruhm aber hat er weniger durch politische und militärische Großtaten als vielmehr durch seine „Selbstbetrachtungen“ erlangt, die er in seinen letzten, vorwiegend in Feldlagern verbrachten Jahren verfasste.
Marc Aurel war ein Anhänger und Verbreiter der Gedanken der Stoa. Diese im Jahr 300 v.Chr. gegründete Athener Philosophenschule hat ihren Namen von der „ΣΤΟΑ“, einer Wandelhalle neben der Athener Agora. Unser deutsches Wort „stoisch“ leitet sich davon ab: Gelassen die Unbill des Lebens ertragen, mäßig und vernünftig leben und nicht ändern wollen, was sich nicht ändern lässt – das ist die ethische Quintessenz des Stoismus, und Marc Aurel war es vor allem, der diesen Grundsätzen bis in die Neuzeit hinein Gültigkeit verleihen wollte. Es gibt wohl kaum ein heutiges Lebensberatungsbuch, das nicht jedenfalls einen seiner Aphorismen zitierte.
Zum Beispiel diesen Satz:
Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern dass man nie zu leben beginnt.
Auch der nächste ist wie vor fast 2000 Jahren wahr und beherzigenswert.
Wenn du am Morgen erwachst, denke daran, wie köstlich es ist zu leben, zu atmen und sich freuen zu können.
Hat Marc Aurel immer nach diesen Grundsätzen leben können? Ich betrachte sein Altersgesicht und vergleiche es mit dem seiner Jugend, und ich verstehe, dass auch ihm nicht leicht wurde zu tun, was er als das aus seiner Stellung sich ergebende Notwendige erachtete.

Marc Aurel empfiehlt, das je gegenwärtige Leben vom Lebensende her zu definieren.
Wie du am Ende deines Lebens wünschest gelebt zu haben, so kannst du jetzt schon leben.
Im 20. Jahrhundert wurde die Essenz dieser Philosophie von Albert Camus so ausgedrückt:
La vraie générosité envers l’avenir consiste à tout donner au présent
(Die wahre Großzügigkeit gegenüber der Zukunft besteht darin, alles der Gegenwart zu geben)
Und das ist auch tatsächlich das Beste, was man tun kann.
In der Gegenwart so leben zu können, dass man Vergangenheit und Zukunft nicht fürchten muss, ist das beste, was uns passieren kann
Marc Aurel und seine selbstbetrachtungen begleiten mich schon seit Jahren und das habe ich Finbar zu verdanken ❣️
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