Monatskarte „König der Kelche“ (2): die Taufe Jesu

Januar: König der Kelche

In der ersten Raunacht und für den Monat Januar 2025 habe ich, wie ich hier darstellte, die Tarotkarte „König der Kelche“ gezogen und eine erste neurografische Zeichnung dazu angefertigt. Der „König der Kelche“, schrieb ich, „steht für die Beherrschung des Wassers bzw der oft chaotischen Gefühlswelt.“

Wie aber kann ich das Thema nun weiterentwickeln, mit Inhalt füllen, für mich als Hilfe zur Selbsterziehung nutzen und mit  künstlerischen Mitteln ausformen? Ich weiß es noch nicht, werde mich täglich etwas mehr herantasten.

Heute, am Epiphaniastag, wurde das Wasser überall in Griechenland mit  kirchlichen Festakten gesegnet. Epiphanie (oder Theophanie = Erscheinung Gottes) findet eigentlich erst anlässlich der Taufe Jesu durch Johannes statt: Gottes Stimme ertönt und versichert dem Getauften, dass er sein geliebter Sohn sei. So „offenbart“ sich Gott. Jesus wird zum Christus.

Meine Zeichnung ist formal an die Taufszene angelehnt: Jesus kommt zu Johannes, vertraut sich ihm an, unterwirft sich ihm. Nicht er tauft Johannes, sondern umgekehrt. Das hat die Kirchenväter später sehr in Verlegenheit gebracht, sie haben es zu kaschieren versucht, aber es ist eine Tatsache: Johannes ist der Überlegene, der, zu dem die Menschen strömen, um sich taufen zu lassen. Er ist streng, asketisch und predigt „Reue und Umkehr“, denn das Reich Gottes sei nahe. 

Beim Zeichnen gingen mir viele Gedanken durch den Kopf, unter anderem fragte ich mich: wie mag Johannes sich wohl gefühlt haben, als er seinen jüngeren Cousin Jesus taufte und erfuhr, dass dieser und nicht er selbst der „Gesalbte Gottes“, der Christus war? Fühlte er sich betrogen? Fühlte er Groll? Eifersucht? Fühlte er Liebe? Gehorsamspflicht? Resignation? Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“, sagte Johannes und verglich Jesus mit dem Bräutigam, der die Braut heimführt, und der Freund steht daneben und freut sich mit ihm. Einfach ist das bestimmt nicht, sich zu freuen, wenn ein anderer die Braut zugesprochen bekommt, die man selbst heimführen wollte…. Wenn Johannes  es schafft, gleichmütig zu bleiben und sich sogar zu freuen, ist er ein „König der Kelche“. Ich könnte das nicht.

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About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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5 Responses to Monatskarte „König der Kelche“ (2): die Taufe Jesu

  1. Bin sehr gespannt! Liebe Grüße

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  2. Avatar von Lopadistory Lopadistory sagt:

    Was Du immer alles weißt …

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  3. Avatar von Leela Leela sagt:

    Ich könnte das. Ich kann psychischen Schmerz in Freude verwandeln. Mit physischem Schmerz kenne ich mich weniger gut aus…

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  4. Johannes der Täufer… Er wußte, daß Jesus kommen würde und es war für ihn eine große Ehre, ihn taufen zu dürfen…

    So las ich es immer, als ich noch sehr am Christentum interessiert war, liebe Gerda…

    Interessant, Deine Gedanken, aber gut nachvollziehbar!

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