Die Ereignisse pflegen sich nicht an die Normalverteilung zu halten: An manchen Tagen geschieht fast nichts, an anderen überstürzen sich die Ereignisse. Heute war ein Tage der letzteren Art – wenngleich gemäßigt und nicht wirklich dramatisch, dank der Hilfe und Kompetenz meiner Mitmenschen.
Alles begann sehr friedlich: wir beschlossen nach Kalamata zu fahren, um ein paar Erledigungen und Einkäufe zu machen: die Katzen brauchten Futter, eine Buchbestellung war angekommen, eine Brille aus der Reparatur abzuholen … Mann und Frau gingen ihres Wegs, und später würden wir uns in der Taverne Thiassos (die Theatertruppe) zum Mittagessen treffen.
Am Wochenmarkt kaufte ich eine kleine blau blühende Topfpflanze, um sie mitsamt dem Kunstbuch „Luna“ der Freundin zu bringen, die heute ihren Hund begrub. Dann machte ich einen Bummel zum „Koukouvagaki“, der „kleinen Eule“, einem Laden mit Antiquitäten der alltäglichen Art: Die Erben brauchen es nicht mehr, Freundin Maria sammelt es und bietet es zum Verkauf an. Auch einige meiner Tierbilder hütet sie, um sie für den Tierschutzverein zu verkaufen. Seit langem schon wollte ich vorbeigehen. Ich traf sie an, besah mir ihr zweites Ladengeschäft, das sie nun dazugemietet hat, fotografierte eine Ansammlung fein bemalter Tassen und zog glücklich mit einem geschenkten Eulen-Rucksack ab.
Noch dies und jenes kaufte ich und fand meinen Mann auch bei der Taverne Thiassos, die freilich geschlossen war. Also beschlossen wir, erstmal bei der Freundin vorbeizufahren, um ihr das Mini-Zine und die Blume zu bringen. Sie war nicht da, aber ihre Schwiegermutter und die drei Mitarbeitenden der kleinen Produktion von Marmeladen etc, die sie betreibt. Alle fingen an zu weinen, als sie das Heftchen sahen.
Sie hatten Luna sehr geliebt. Später schickte mir die Freundin ein Foto des Grabes mit dem neu gepflanztes Bäumchen, anderen Pflanzen, meinem Blümchen und dem „Kunstbuch“.
Es ist ein sehr schöner Platz geworden. Möge Luna hier von ihren Qualen ausruhen, und mögen ihre Leute Trost finden.
Wir beschlossen nun heimzufahren. Unterwegs leuchtete am Kadran ein rotes Warnlicht auf. Ich steuerte „meine“ Tankstelle an, um zu fragen, was das bedeute, doch da war geschlossen. Also fuhr ich weiter, aber das Rot wurde immer bedrohlicher, und so steuerte ich die nächste Tankstelle an. Auch dort war eigentlich geschlossen, aber eine reizende junge Frau war bereit, einen Blick auf die Armatur zu werfen. „Wasser“, sagte sie. „Können Sie bar bezahlen? Die Kasse ist geschlossen“. Ok, sie holte Wasser für die Kühlung, goss ein – und ein mächtiges Gezische und gewaltiger Dampf waren die Antwort. O mei, ein größerer Schaden? Vielleicht, meinte sie und holte den Kollegen. Es stellte sich heraus: die Zuleitung zum Kühlwasser war zerbrochen und das Wasser ausgelaufen. Unmöglich weiterzufahren. Also hieß es, den Abschleppdienst und meine Werkstatt anzurufen. Zum Glück gingen beide an den Apparat, und nun hieß es warten.
Mein Mann bestieg das herbeigerufene Taxi, um mit den Einkäufen heimzufahren. Mir wurde ein doppelter Espresso gebracht. So freundlich die Angestellten! Drei Viertel Stunden später war der Abschlepper da, und ruckzuck war mein Auto aufgeladen und festgezurrt.
Ich kletterte hinauf und hatte während der Überführung ans andere Ende Kalamatas Zeit, die Künste des Fahrers zu bewundern, der mit dem Riesending fuhr, als sei es ein Motorrad. Auch die Landschaft war von meinem hohen Sitz aus sehr eindrucksvoll, zumal es wieder Neuschnee auf den Berggipfeln zu bewundern gab.
In der Werkstatt besah man sich den Schaden und versicherte mir, in einer Stunde sei er behoben. Ich setzte mich in das Cafe nebenan und trank eine heiße Schokolade …
Das war’s. Um fünf war ich zu Hause und legte mich aufs Ohr. Später machte ich uns dann, anstelle des ausgefallenen, ein leckeres Mittagessen.
Du sagst: Na und? Das, was ich heute erlebt habe, hat mich mal wieder tief versöhnt mit der Menschheit: alle Menschen, mit denen ich zu tun hatte, waren ausnahmslos reizend, hilfsbereit, freundlich, kompetent… Ich weiß zwar sowieso, dass ich nichts, gar nichts vermag ohne die Hilfe meiner Mitmenschen, aber ich musste wohl erst einen Schaden erleiden, um mir bewusst zu werden, dass meine Mitmenschen eben diese Hilfe auch jederzeit zu leisten bereit sind. Genauso wie ich ja auch bereit dazu bin.
Ein schöner Tag.





Anrührend und bewegend!
Ein bisschen Glück hatte sich wohl dazugesellt!
LikeLike
ohne ein bisschen Glück ist man aufgeschmissen.
LikeLike
Auf all unseren Reisen treffen wir sie allerorts. Die Guten 😊. Es gibt viel mehr gutes auf der Erde, als man uns weiß machen will. Herzliche Grüße
LikeLike