Fröhlicher Adventskalender, 12. Tag

DER ZWÖLFTE DEZEMBER

Und was steht für dieses besondere Datum 12.12.2021 an? Es ist etwas Gewichtiges: der Kopf des Joseph.

So mancher hat sich Gedanken gemacht darüber, was in diesem Kopf vorging, als er erfuhr, dass seine Frau schwanger war. „Wie soll das zugehen?“ fragte sich Maria (in Luthers Übersetzung) bestürzt, „sintemal ich von keinem Manne weiß“? Und nun gar ihr Mann, der Joseph! Ein einfacher Zimmermann war er, ein Mann des Volkes, und was das Volk in solchen Fällen denkt, das wissen wir ganz gut. Aber dachte Joseph genauso? Nun, wir erfahren darüber nichts. Joseph war ein Schweiger. Nicht ein Wort kam über seine Lippen, und wenn doch eins kam, so wurde es nicht kolportiert.  Wir wissen nur, dass er im Traum eine Offenbarung hatte, die ihn verpflichtete, sich um Weib und Kind zu kümmern, egal was die Leute sagten. Und das tat er dann auch, besonnen und pflichtbewusst. Was noch aus ihm wurde, wissen wir leider nicht, er verschwindet irgendwann aus der Geschichte.

Ich bin ein neugieriger Mensch und hatte die heimliche Hoffnung, hinter dem Türchen etwas von Josephs heimlichen Gedanken zu finden. Das wäre eine Weltsensation! Aber ich fand nichts als ein  kräftiges bis die Tiefen aufgewühltes Blau.

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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11 Antworten zu Fröhlicher Adventskalender, 12. Tag

  1. Gisela Benseler schreibt:

    Wunderschön: Dein blaues Gemälde!
    Vielleicht ist das ja ein Weg zu „Josephs Geheimnis“? Wir haben aber eine Buchreihe „Verwehte Zeit erwacht“ und „Aus verklungenen Jahrtausenden“. Darin erfährt man mehr Zusammenhänge.
    Aber das mit Josephs Traum weist ja auch in die richtige Richtung.

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  2. Mitzi Irsaj schreibt:

    Was hinter diesen Kopf vorging, das hätte mich auch interessiert. Jetzt wo du es schreibst, bemerke ich das erste Mal, dass seine Geschichte in der Tat sehr abrupt endete und kaum einer sich darüber wundert.

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  3. Myriade schreibt:

    Aus irgendwelchen Gründen zeigt der reader deine Beiträge bei mir nicht an. Komme ich halt so vorbei, es gibt ja auch meistens was Neues 😉

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  4. Christiane schreibt:

    Mich zieht dein Blau spontan sehr an, vielen Dank dafür 🧡🕯️🕯️🕯️👍

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  5. Es ist ein wunderschönes, ein starkes, auddrucksvolles kräftiges Blau, Gerda!

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Bruni. Ja, das finde ich auch. Doch was drückt es aus? wie oder was denkt und fühlt Joseph dort an der Krippe? Ich wüsste es gern, wüsste gern, ob er wie ein Heutiger kleinherzig über seine biologische Vaterschaft nachdenkt und vielleicht einen Vaterschaftstest anstrebt oder eine Nachprüfung der Intaktheit von Marias Hymen? Oder ob er ein großherziger Mann ist, dem das Wohl des Kindes und seiner Mutter höher steht als die Nachprüfung der Blutsverwandtschaft?
      In den matriarchalen Gesellschaften spielte übrigens die Vaterschaft keine Rolle. Ein Rest davon ist noch im jüdischen Recht erhalten: Über die mütterliche Linie bestimmt sich die Abstammung. Jude bist du nur mit jüdischer Mutter.

      Gefällt 3 Personen

  6. Johanna schreibt:

    Dieses tiefe, lebendige Blau deutet auf eine grosse, weite Seele Josephs hin. Ich mag ihn gleich viel mehr 😊

    Gefällt 1 Person

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