Griechisches Alphabet des freien Denkens: O wie ΟΡΑΜΑ (Vision)

όραμα = Vision.

Gestern schrieb ich, zum Abschluss meiner Überlegungen zu „o wie Organ“, dass das „kleine O“, das Omikron, vom phönizischen Ajin = Auge hergeleitet wird. Dargestellt wurde es als Auge mit einem Punkt in der Mitte. Bei der Suche nach einem passenden Symbol stieß ich auf die „Vulva von Mekka“(*), ein schönes in Silber getriebenes Schmuckstück in Augenform, aber ohne Punkt in der Mitte. Nach einer kleinen Bearbeitung war das Bild fertig: ein Ajin  – ein Auge. Voila! Ein Organ für das Orama, die Vision.

Da ich das Symbol von der Vulva abgeleitet habe, steht es für mich auch im Zusammenhang mit dem gestrigen ORG-, der gewaltigen Lebenskraft, die sich im Orgasmus entlädt und zeugend und empfangend das Leben weiter gibt.

Das Auge ist ein empfangendes und ein sendendes Organ. Es empfängt Bilder der Welt und es sendet Seelenanteile in die Welt. Der Abwehrzauber des „Auges der Fatima“ soll gegen die bösen Seelenanteile helfen, die in einem neid- oder hasserfüllten Blick tranportiert werden. Dass auch gute Seelenanteile zwischen den Menschen hin und hergehen, wissen wir alle: wie wohl wird dir, wenn dich ein liebevoller Blick trifft. Der erste innige Blickkontakt zwischen Mutter und Kind gilt sogar als Voraussetzung für ein stabiles Vertrauen des Kindes. anh_zirkonia_auge_s

Noch etwas anderes wird in meinem Augen-Symbol deutlich: Das linke Auge öffnet sich nach Innen,  ins Dunkle der eigenen Seele; das rechte Auge hat nur eine kleine runde Öffnung, die Pupille, durch die der Mensch hinausblickt auf das Äußere, auf Gegenstände der umgebenden Welt. (Mehr dazu hier)

Όραμα (sprich: orama mit Betonung auf dem o) leitet sich her vom altgriechischen Wort für Sehen: ορώ. Andere heute noch gebräuchliche, davon abgeleitete Wörter sind όραση (Sehfähigkeit), ορατός (sichtbar), τηλεόραση (Fernsehen, Television).

„Vision“ ist die korrekte Übersetzung von Όραμα, beides heißt das Geschaute. Doch diese Gleichsetzung ist irreführend, denn anders dachten und fühlten die alten Griechen, anders  die christlichen Völker, die sich des lateinischen Wortes Vision bedienen.

Worin besteht der Unterschied?  In einer Vision tritt mir etwas aus der unsichtbaren geistigen Welt entgegen, wird für mich sichtbar. Ein Όραμα hingegen ist eine geistig-seelische Vorstellung, die ich mir über die Zukunft mache. Ich möchte das etwas erläutern, damit deutlich wird, wie sich das eine und andere mit dem freien Denken verbindet.

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Raffael: die Verklärung Christi und die Heilung des epileptischen Knaben

Das Christentum ist eine Offenbarungsreligion – und so sind Visionen ein integraler Bestandteil des Glaubens. In einer Vision wird eine höhere Wirklichkeit „offenbar“. Maria hat die Vision eines Engels, der zu ihr sagt: „Fürchte dich nicht“. Die meisten solcher Visionen werden so angekündigt. „Gegen Ende des Frühjahrs 1916 … erschien drei einfachen Kindern in Fatima ein Junge von übernatürlicher Schönheit. Bei den Kindern angekommen sagte er freundlich:“Habt keine Angst! Ich bin der Engel des Friedens! Betet mit mir mit.“ Verzückt starren die Kinder auf die Erscheinung. Ihre Augen sind weit aufgerissen, sie sehen, was sonst niemand sieht, hören, was für die anderen unhörbar ist. Die Verzückung erzeugt Symptome, die denen der Epilepsie und Hysterie vergleichbar sind. Die Dramatik einer solchen Vision wurde höchst eindrucksvoll von El Greco wiedergegeben Offenbarung des Johannes, Lösung des 5. Siegels . poster-die-vision-des-heiligen-johannes-1436005

Kapitel 6, Verse 9 bis 11: „Als das Lamm das fünfte Siegel öffnete, sah ich unter dem Altar die Seelen aller, die hingeschlachtet worden waren wegen des Wortes Gottes und wegen des Zeugnisses, das sie abgelegt hatten. Sie riefen mit lauter Stimme: Wie lange zögerst du noch, Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger, Gericht zu halten und unser Blut an den Bewohnern der Erde zu rächen? Da wurde jedem von ihnen ein weißes Gewand gegeben; und ihnen wurde gesagt, sie sollten noch kurze Zeit warten, bis die volle Zahl erreicht sei durch den Tod ihrer Mitknechte und Brüder, die noch sterben müssten wie sie.“

Kirchliche Experten überprüfen sorgfältig, ob eine Vision „echt“, also eine „Erscheinung“ aus dem göttlich-geistigen Raum ist oder ob es sich nur um eine „Einbildung“ und „Krankheitserscheinung“ handelt. Wird sie für echt befunden, wird ein Wallfahrtsort gestiftet, eine neue Heiligsprechung erwogen.

All dies sage ich nicht, um über die visionären Erfahrungen von Menschen ein Urteil abzugeben – ich bin da wirklich keine Spezialistin – , sondern nur, um den Unterschied zu dem Begriff όραμα deutlich zu machen.

Das „Orama“ der Griechen entstammt einer ganz anderen Vorstellungswelt als die ekstatische „Vision“ des Christentums. Es enthält Absicht, Mittel und Wege und ein deutliches Ziel. All das bündelt sich in einem Entwurf, der in unermütlicher denkerischer Arbeit zu einem großartigen Bild erweitert wird.

Die Crux ist freilich, dass solche „Visionen“  höchst verschiedene Ziele betreffen können, die oft genug mit den „Visionen“ anderer in Konflikt geraten. Sie sind sogar der häufigste Grund für Katastrophen. So führte die Μεγάλη Ιδέα (Große Idee), die seit Mitte des 19. Jahrhunderts die griechischen Herzen entflammte und 1920 ihren Höhepunkt erreichte, %ce%b7-%ce%bc%ce%b5%ce%b3%ce%ac%ce%bb%ce%b7-%ce%b9%ce%b4%ce%ad%ce%b1-%ce%ba%ce%b1%ce%b9-%ce%bf-%ce%b5%ce%b8%ce%bd%ce%b9%ce%ba%ce%b9%cf%83%ce%bc%cf%8c%cf%82-%cf%86%ce%bf%cf%84%ce%bf21923 schließlich zur Austreibung von 2 Millionen aus ihren kleinasiatischen Siedlungsgebieten.

Gestern nannte ich ein paar andere Beispiele: Viele Kommunisten kämpften für ihre „Vision“ einer gerechten Welt ohne Kriege, in der es keine Ausbeutung und Unterdrückung gibt und jeder Mensch das Nötige zum Leben hat. Diesem Ziel wurden Millionen Menschen geopfert, und erreicht wurde es natürlich nicht. kpdHitler hatte die „Vision“, Führer einer rassereinen germanischen Großmacht zu werden – und er erreichte es leider schreckliche zwölf Jahre lang. 36be007c23e640d4e8d36b2048d4bfbbDie Gründungsväter der EU hatten eine „europäische Vision“, die  viel Gutes bewirkte, im Moment aber grad im Absterben begriffen zu sein scheint.

Kolumbus folgte gegen alle Widerstände seiner „Vision“ von einer Westroute nach Indien, und ein ganzer Kontinent wurde aufgerollt.kolumbus

Keine große Politik kommt ohne Orama aus. Wenn wir den Zustand der politischen Parteien beklagen, dann wegen ihres Mangels an Vision. „Ihr habt keine klaren Vorstellungen von dem, wo ihr hinwollt. Ihr stümpert, stolpert von Tag zu Tag, verwickelt euch in Widersprüche. Ihr habt keine klare Linie, und wir sehen nicht, wohin uns das Ganze führen soll. Was wollt ihr erreichen?“

Um etwas Großes zu erreichen, musst du eine große Vision haben – das ist wahr. Gewaltig ist die Kraft, die von einer Vision ausgeht. Sie setzt alle Lebensgeister in Bewegung, aktiviert, begeistert. Doch leider! heute

Die Vision des Einen wird oft genug zum Alptraum des Anderen. Drum heißt es abzuwägen zwischen dem Gut, das ich anstrebe, und dem Schaden, den ich anrichte. Die allzu große Vision des Einen hat immer wieder Elend und Tod der Vielen bedeutet.

Ein humanes ORAMA gleicht weitgehend dem, was Ulli in ihrem „Alphabet des mutigen Träumens“ ausführt und das ich mit meinem „Alphabet des freien Denkens“ unterfüttere. Wenn wir alle Aspekte zusammengebracht haben – auch die, die in den Kommentaren hinzugefügt wurden -, dann haben wir vielleicht einen ersten gemeinsamen Entwurf von der Karte, die uns zeigt, wohin wir steuern wollen, welche Klippen und Gefahren zu vermeiden sind und welche Mittel uns zur Verfügung stehe

Dies ist mein kleines größenwahnsinniges o wie Όραμα. auge

* Wie mir Deutsche Muslima mitteilt (du kannst das im Kommentarstrang nachlesen), ist diese Bezeichnung falsch. In Wirklichkeit handelt es sich um eine Halterung des Steins.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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34 Antworten zu Griechisches Alphabet des freien Denkens: O wie ΟΡΑΜΑ (Vision)

  1. Ulli schreibt:

    Liebe Gerda, das muss ich jetzt erst einmal alles verdauen, liebe Gerda- dazu reicht es dann jetzt doch nicht mehr und ich tausche nun den Platz am PC mit dem Platz in meinem Bett. trotzallem war es ein langer Tag mit vielen Eindrücken.
    Aber eins sei schon gesagt, die Verwandlung der Vulva in ein Auge ist grandios!
    gute Nacht und bunt Träume wünscht dir herzlichst
    Ulli

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    • Ulli schreibt:

      So, nun bin ich also wieder ausgeschlafen und hoffentlich in der Lage auf deine Darstellung der Vision einzugehen. Ich spreche ja gerne nur von mir in manchen Zusammenhängen- als ich die Ausbidung zur Visionssucheleiterin (was für ein Wort, ich will und werde da noch etwas ändern!) machte, gehörte es dazu selbst eine Visionssuche zu machen- für Viele stellte sich die Frage, was denn überhaupt eine Vision sei und wie sie aussehen könnte- ich selbst überliess mich dem Prozess, der erst einmal heisst Altes noch einmal anzuschauen, zu würdigen und ihm einen Platz einzuräumen, erst nach dieser „Arbeit“ wächst die Freiheit zu schauen, was daraus an Neuem wachsen will oder kann.
      In der eigentlichen Visionssuchenacht fiel ich nach einer Weile in eine Art Trance, die mir Bilder schenkte, insgesamt waren es vier, zwei davon konnte ich sofort verstehen, zwei blieben erst einmal rätselhaft. Die Vision kam sehr leise- ich kann verstehen, dass Mancheine oder -einer Offenbarungen mit Engelgesängen, Pauken und Trompeten gleichsetzt.
      Erkenntnis gehört für mich auch zur Vision- und ja, in dem Moment ist man Sehende/Sehender und wenn es gut läuft erhascht man einen Blick auf das, was nun vor einem liegt.
      Mir gefällt deine Sicht auf die Richtung der Augen, dass das linke Auge nach innen schaut, das rechte nach aussen und denke dabei an viele Momente in denen ich Menschen in verschiedene Richtungen blicken sah- nun bekommt dies einen Boden, danke dafür.
      Du schreibst:“Wenn wir alle Aspekte zusammengebracht haben – auch die, die in den Kommentaren hinzugefügt wurden -, dann haben wir vielleicht einen ersten gemeinsamen Entwurf von der Karte, die uns zeigt, wohin wir steuern wollen, welche Klippen und Gefahren zu vermeiden sind und welche Mittel uns zur Verfügung stehe“ – ich nicke und denke: ein grosses Projekt, das wir da in Angriff genommen haben!

      Nur noch eins: ich finde nicht, dass du meinst „unterfütterst“, ich sehe als gemeinsame Schiffschaukel, die wir durch unser Wissen und Denken jede auf ihre Art in Schwung gebracht haben und weiterschwingen lassen- oben und unten spielt dabei für mich keine Rolle-
      herzliche Sonntagmittaggrüsse
      Ulli

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      • gkazakou schreibt:

        Schiffsschaukel gefällt mir, mir fiel grad kein gutes Wort ein, drum schrieb ich unterfüttert. Ist aber nicht als Ausdruck der Bescheidenheit zu verstehen. Ein gutes Unterfutter ist in Zeiten der Kälte die gute Hälfte der Jacke. 😉
        Deine Erfahrungen mit der Visionssuche unterscheiden sich in Form und Mitteln deutlich von dem, was ich hier mit dem Aufstellen mache. Ziel ist freilich ebenfalls, den Lebensweg zu klären. Wenn du willst, können wir uns mehr darüber austauschen, auch praktisch, wenn du hier bist. Ich könnte mir denken, dass dein Ansatz für manche Menschen besser geeignet ist als meiner – und umgekehrt. Und für manche weder-noch. Die haben halt andere Wege, ihre inneren Ziele zu klären.
        Heute habe ich sehr viele Stunden aufgestellt, mit großen seelischen Erschütterungen. Ich bin danach immer recht erschöpft, aber auch zufrieden. Liebe Grüße dir! Gerda

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      • Ulli schreibt:

        gerne tausche ic ich mit dir darüber aus- und ja, es so viele Methoden, für viele unterschiedliche Menschen-
        hab einen geruhsamen Abend, liebe Gerda!

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  2. kunstschaffende schreibt:

    Alle großen Kriegstreiber waren Visionäre. Oder manche Visionen können sich auch umkehren, dass hast Du uns sehr eindrucksvoll gezeigt! Und dann gibt es wieder die wunderbaren und guten Visionäre, die viel Nutzen und Verbesserungen brachten! Eben wie bei Allem das Yin und das Yang!
    Es zeigt aber auch, wie schwierig es ist für alles die richtige Dosis zu finden!
    Hättest Du eine IDEE oder eine VISION dafür?
    Ich glaube, für das Optimum müsste der Mensch seinen Makel verlieren!

    ❤Gute Nacht Grüße Babsi

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  3. Alice Wunder schreibt:

    Die griechische Vision erinnert mich daran, dass ich eine Besprechung von Eugenides‘ Middlesex schreiben wollte. Sie haben nicht zufällig Material oder Informationen über Rembetiko, falls diese Musik im heutigen Griechenland überhaupt noch irgendeine Bedeutung hat?

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    • gkazakou schreibt:

      Aber klar, hat ne Riesenbedeutung. Was für Informationen sollen es denn sein?.Es gibt da eine ganze Bibliothek drüber. Middlesex ist übrigens ein toller Roman, einer der besten zeitgenössischen, finde ich. Besonders die Szenen in Kleinasien….

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      • Alice Wunder schreibt:

        Darüber habe ich zum ersten mal von diesem Krieg nach dem Krieg gehört und ein wenig über Mustafa Kemal und Zypern und andere wenig besprochene Selbstverständlichkeiten nachgedacht. Ihre Antwort zum Rembetiko überrascht mich jetzt. Ich dachte, der wird eben mit dem verlorenen asiatischen Siedlungsraum assoziiert, den Vertriebenen und den Niederlagen, über die man nicht gern spricht. Jetzt will ich da schon gern viel drüber wissen. Zum Beispiel beliebte Künstler, von früher und von heute. Ob die noch immer kiffen und ob sie heimlich Mokka trinken oder ausschließlich griechischen Kaffee…?

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    • gkazakou schreibt:

      Rembetika ist ein integraler Bestandteil der griechischen Musikkultur, aber es hat natürlich nicht mehr dieselben Orte und Ausdrucksformen. Es gibt Lokale, die darauf spezialisiert sind, aber sie sind nicht mehr so häufig und auch nicht in Kellern, soviel ich weiß. Und sicher wird kein Mokka mehr getrunken. Im TV läuft seit vielen Jahren zB eine beliebte Rembetika-Sendung, mit den jetzigen Künstlern, die die Lieder von Tsitsanis u.a. singen. Im Internet findest du massenhaft Lieder, auch etliche Bücher wurden zum Thema geschrieben. Haschisch wird überall geraucht, ob beim Rebetiko insbesondere, bezweifle ich. Die „kleinasiatische Katastrophe“, wie die Vertreibung der Griechen hier heißt, wird nicht verdrängt, sondern ist ebenfalls ein fester Bestandteil der hiesigen Kultur. Smyrni (Izmir) hat jetzt erstmals wieder einen Metropoliten bekommen, was sehr begrüßt wurde. Immer träumen sich die Griechen dort hinüber in die alten Gebiete, in denen das Griechentum sich ja viele tausend Jahre entwickelt hat. Gerda

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  4. deutschemuslima71 schreibt:

    Die „Vulva“ von Mekka ist keine. Du hast die Halterung die den zerbrochenen schwarzen Stein von weitem besser sichtbar macht und zusammen hält seitlich gekippt. Eigentlich ist sie Hochkant. Dem eine sexuelle Komponente zu geben ist wieder mal so typisch…westlich.

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    • gkazakou schreibt:

      Es tut mir leid, ich hab es so gelesen, danke für die Korrektur. Es ist eine „feministische“ Interpretation, genauso wie die andere von der Mitra (Gebärmutter) auf dem Kopf der Kardinäle. Ich werde deine Korrektur im Text anmerken. im Netz, wo ich suchte, fand ich keine anderen Erklärungen als eben die, die ich anführte.

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    • gkazakou schreibt:

      Ich habe den Hinweis auf deine Korrektur oben, am Ende des Textes. angemerkt.LG Gerda

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    • Ulli schreibt:

      Entschuldigt, dass ich mich einmische, was ist an einer Darstellung oder der Interpretation einer Vulva sexistisch?

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      • Ulli schreibt:

        Schau mal, was ich gerade fand: https://daserwachendervalkyrjar.wordpress.com/2014/07/10/symbole-schreiben-urgeschichte-1-von-2/
        „Das Auge ist ein Symbol für ›Öffnung‹ (im Abendlied von Gottfried Keller sind es die: ›Augen meine lieben Fensterlein‹). Das Udjat Auge ist ebenfalls ein Symbol der Öffnung; für den offenen Muttermund, offen für die Wiedergeburt durch die Schöpfungskraft des weiblichen Schosses. In einem der zahlreichen Mythen setzt sich die Göttin Isis auf den toten Phallus des Osiris, wobei ihre zauberträchtige offene Vulva/Vagina ihn ›heilt‹, d.h. wiederbelebt und sie schwanger wird.
        Der Cervix ist die Öffnung, das untere Ende der Gebärmutter, der äußere Gebärmuttermund und der Eingang in den Uterus durch den Gebärmutterhals. Er hat effektiv eine erstaunliche Ähnlichkeit mit einem ›Auge‹.
        Die silberne Vulva an der Kaaba in Mekka symbolisiert in der Horizontale ebenfalls ein Auge und ist möglicherweise das Udjat-Auge der Göttin Al Uzza.“

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      • deutschemuslima71 schreibt:

        Was ist nicht sexistisch daran alles mit weiblichen Geschlechtsteilen zu verbinden?

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      • Ulli schreibt:

        ich kenne es eher so rum, dass Vieles als phallisch gesehen wird, manches symbolisiert aber eben auch die Vulva- solange es Symbole sind habe ich nichts einzuwenden, Sexismus beginnt bei mir woanders-
        herzliche Grüße
        Ulli

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      • deutschemuslima71 schreibt:

        Es ist in diesem Fall nicht mal ein Symbol. Man interpretiert es einfach hinein. Man hätte es als Auge interpretieren können, wie man sieht, aber statt dessen wird es wieder mal mit Geschlechtsorganen gleichgesetzt. Für mich ist das durchaus sexistisch

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      • gkazakou schreibt:

        ich meine, es kann gar kein Zweifel daran bestehen, dass bei den Urvölkern die Geschlechtsorgane eine gewaltige Rolle spielten, als Organe der Zeugung und empfängnis ein Wunder. Ebenfalls ist offensichtlich, dass das weibliche Geschlechtsorgan wie überhaupt die Weiblichkeit im Laufe der Inthronisierung des Mannes (Patriarchat) immer mehr zur Tabuzone wurde – und zwar in einem Maße, dass davon sogar die offenen, an das weibliche Organ erinnernden Körperteile (insbesondere der Mund) verdeckt werden mussten. Schließlich verschwanden sogar die Augen hinter dem Gitternetz des Tschador.
        Angesichts der fortgeschrittenen Tabuisierung der weiblichen Geschlechtsmerkmale sowie auch aller Vorgänge, die mit der Weiblichkeit in Zusammenhang stehen (Blutung, Orgasmus, Empfängnis, Geburt) verstehe ich, dass die Verbindung der Vulva, der Mitra etc mit den heiligen Orten der patriarchalischen nonotheistischen Religionen (Christentum, Judentum, Islam) als Affront empfunden wird. Ich will niemanden provozieren, habe mich daher entschuldigt, zumal mir einleuchtet, dass in diesem Fall aus der Form vielleicht voreilig auf ein Symbol geschlossen wurde.
        Mit Sexismus hat meine Umwandlung einer Vulva in ein Auge freilich nichts zu tun. Es ist auch nicht sexistisch, Phallussymbole als solche zu bezeichnen. Sexismus ist Folge der Verdrängung. Wo es keine Verdrängung gibt, gibt es keinen Sexismus. Je stärker die Verdrängung des Natürlichen, desto verdrehter die Anschauungen. Beispiel der amerikanische Puritanismus, der mit krudem Sexismus Hand in Hand geht. Madonna und die anonyme Tschadorträgerin sind insofern für mich zwei Seiten derselben Medaille: Ausgeburten einer patriarchalischen Gesellschaft, die die Weiblichkeit entweder verhüllt oder vermarktet. .

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  5. Pingback: M = Mitgefühl |

  6. Herr Ärmel schreibt:

    Ich danke Ihnen für diesen Ihren Beitrag. Zwei Gedanken sind mir aufgestiegen beim Lesen.
    Ich bin unsicher ob Visionen mit Vorstellungen so ohne weiteres gleichzusetzen sind.
    „Vor-stellungen“, bildlich genommen, sind etwas, was ich vor mich stelle. Und mir gleichsam damit die Aussicht verstelle. Ebenso ist es mit den „Über-Legungen“. Beide Male beschränke ich die Offenheit meines Kopfes, dh. dem freien Fluss meiner Wahrnehmungen.
    Das erhebt die Frage nach der Herkunft von Visionen. Woher kommen sie, bzw. wer oder was erzeugt sie?
    Interessanterweise haben Leute, die sich mit diesen Phänomenen beschäftigen, schon immer den feinen Unterschied zwischen sehen und schauen gemacht. Alles in der materiellen Welt Sichtbare sehen wir mit unseren Augen. Alle immateriellen Erscheinungen hingegen, Emanationen der geistigen Welt, zu der auch die Visonen gehören, schauen wir mit unserem inneren Auge.
    Die Realisierung mancher sogenannter Visionen, Sie haben darauf hingewiesen, bringen vielen Menschen Unglück. Nach meiner Erfahrung sind diese sogenannten Visionen nichts weiter als egomanische Illusionen, getrieben oder gesteuert von Machtbedürfnissen.
    Wahre Visionen, von Menschen realisiert, sind segensreich für viele Menschen.

    Abendgruss,
    Herr Ärmel

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  7. gkazakou schreibt:

    Danke für Ihre eingehenden Überlegungen, lieber Herr Ärmel.Über das Sich-Einbilden und das Sich-Vorstellen habe ich mir schon oft Gedanken gemacht, es sind ja wirklich sehr eindrückliche Wortbildungen. Zuerst fiel mir das in dem bekanntesten Gedicht von Konstantinos Kavafis auf, das Sie sicher kennen: Ithaka. „Den Laistrygonen und den Zyklopen, / dem wilden Poseidon wirst du nicht begegnen, / wenn du sie nicht in deiner Seele trägst, / wenn deine Seele sie nicht vor dich hinstellt.“ – Das ganze Gedicht im Original und in meiner Übersetzung finden Sie bei https://gerdakazakou.com/2015/12/01/griechische-lyrik-konstantinos-kavafis-ithaka/

    In dieser doppelten Fügung „du trägst es in deiner Seele“ und „deine Seele stellt es vor dich hin“ ist das, was man gemeinhin als Vision bezeichnet, genial zusammengefasst. Ich ziehe aber dem Wort Vision das Wort orama vor und beschränke „Vision“ auf von außen, aus der geistig-göttlichen Sphäre auf den Menschen zutretende Erscheinungen religiöser Art. Diese Unterscheidung versuche ich im Text zu verdeutlichen. Das orama kann eine enorme Kraft entwickeln und einen Menschen in einen solchen Bann ziehen, dass sein ganzes Leben davon ergriffen wird – und das Leben sehr vieler anderer Menschen, die ihm folgen, ebenfalls. Ich würde neben Kolumbus und andere Entdecker unbedingt auch Feldherren und Staatsmänner wie Alexander, Hitler, Napoleon, Lenin, Trotzky dazu rechnen. „Egomanische Illusionen“ sind es vielleicht, aber sie haben die Tendenz, ganze Epochen zu prägen. Denn diese „Oramatisten“ arbeiten zielstrebig daran, ihre Vor-Stellungen in die Wirklichkeit zu übersetzen.
    Inwieweit religiöse Visionen mit dem Geistes- oder dem physischen Auge wahrgenommen werden, wage ich nicht zu entscheiden, denn ich hatte noch nie eine. ich habe aber einen Film von drei Kindern in einem spanischen Dorf gesehen, die alle drei immer wieder dieselbe Vision hatten, die sie mit weit aufgerissenen Augen anstarrten. Die Körpersprache erinnerte sehr an den „Mondsüchtigen“ auf dem Bild von Raffael. Die Vision „kommt über sie“. Auch solche „Visionäre“ können gelegentlich Epochen prägen (zB Paulus),
    Und dann gibt es noch all uns vielen kleinen Oramatisten, die sich sehr gern eine bessere Welt vorstellen möchten, aber schon müde werden, wenn sie an dem inneren Bild arbeiten. Zur Umsetzung reicht es dann nicht mehr wirklich.

    Herzliche Grüße zur Nacht.

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    • Herr Ärmel schreibt:

      Ich danke Ihnen für Ihre Ausführungen und besonders für das Gedicht, das ich nicht kannte. In modernerer Form sind mir diese Figuren allenfalls aus dem Odysseus des James Joyce bekannt.
      Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag,
      Herr Ärmel

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      • gkazakou schreibt:

        dann kennen Sie auch die „Halcyon days“ (halkyonische Tage), die hier gerade begonnen haben….Oben auf dem Gebirge herrlich reiner weißer Schnee, und hier unten nahe dem Meer Temperaturen zum Küken ausbrüten.
        Beste Grüße! Gerda

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      • Herr Ärmel schreibt:

        Sie legen den Finger akkurat in meine griechische Wunde. Mir fallen immer mehr Worte bzw. Namen durchs Netz der Erinnerung in ein dunkles Vergessen. Selbst die ganz grossen Namen kann ich teilweise schon nicht mehr zuordnen.
        Und dann vermuten Sie, ich würde die halkyonischen Tage richtig zuordnen können. Ich habe nachschauen müssen, um die Wintersonnenwende zu erinnern.
        Vielen Dank für die Erinnerungsauffrischung und Ihnen einen schönen Abend,
        Herr Ärmel

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      • gkazakou schreibt:

        Wenn Sie, lieber Herr Ärmel, in unseren Breiten leben würden, wären „Halkyonische Tage“ kein Wort, an das Sie sich mühsam aus der Joyce-Lektüre erinnern, sondern ein inniges Erlebnis von Frühlingstagen mitten im Winter. Ich selbst warte immer sehnsüchtig auf ihr Kommen. Leider sind sie nach zwei herrlichen Tagen im Regen ertrunken. Ich bin aber zuversichtlich, dass sie sich noch einmal zeigen. Schließlich muss der Eisvogel brüten.
        herzliche Grüße zu Ihnen hinüber. Gerda

        Gefällt 1 Person

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