Griechisches Alphabet des freien Denkens: i wie Ισορροπεία/Gleichgewicht

I – wie  ιδέα?

Auf Deutsch wäre das in etwa „Idee“ – mit all ihren Ableitungen, darunter Idealismus und Ideologie. Es ist ein grundlegender Begriff des Denkens, es lohnt sich, sich damit zu befassen – aber nicht hier, nicht jetzt! Sobald ich mich hineinbegab in die philosophischen und dann auch politischen Verzweigungen dieses Wortes, erfasste mich ein anderes i-Wort, das ich gar nicht liebe: ίλιγγος / Schwindel.

Dagegen half nur ein anderes i-Wort: ισορροπεία / Gleichgewicht. „Zustand eines Körpers im Ruhezustand, da er gleich starken entgegengesetzten Kräften ausgesetzt ist, die sich wechselseitig neutralisieren“ – definiert mein griechisches Lexikon. Sogleich fühlte ich mich auf sicherem Boden: Ja, dachte ich, um frei zu denken, braucht man inneres und äußeres Gleichgewicht. Man muss ausbalancieren zwischen Gefühl und Verstand. Wenn man sich dem Sturm oder der Lähmung der Emotionen ausliefert, erst himmelhoch jauchzt, um im nächsten Moment zu Tode betrübt darniederzuliegen, wie kann man da frei denken? Abwägen muss man können, das vor allem! Denn sonst verfällt man leicht den groben Reizen einer Ideologie oder dem Himmelblau eines illusionären Idealismus. Auch auf das Tempo gilt es zu achten: wenn du zu schnell vorwärtspreschst, begreifst du dein Umfeld nicht mehr,  und wenn du allzu zögerlich auf der Stelle trittst, stagniert auch dein Denken.

Kurzum: Es gilt, die polaren Kräfte im Gleichgewicht zu halten und sie innerlich auszubalanzieren. Παν μετρον αριστον – In allem die Mitte halten, das ist das Beste!

Da ich über dieses Wort schon mal sinniert habe, begnüge ich mich heute mit einem link https://gerdakazakou.com/2016/01/14/gruebeleien/ und einem Lege-Bild, das ich sehr mag:

IMG_4542

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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11 Antworten zu Griechisches Alphabet des freien Denkens: i wie Ισορροπεία/Gleichgewicht

  1. Art of Arkis schreibt:

    Wie der Mond, so das Gleichgewicht als Stabilität auf Grundlage von Veränderung und Bewegung.

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  2. Ulli schreibt:

    Deine Legebild, liebe Gerda, mag ich auch sehr, da bekommt das Gleichgewicht gleich zweimal Raum, wie unten, so oben und umgekehrt … sehr fein und ja klar, auch wenn es manchmal langweilig erscheint, aber die Mitte zu finden war und ist noch immer förderlich.
    Du bist so eine Fleissige, ich werde schon ein bisschen atemlos manchmal 😉
    herzliche Abendgrüsse vom sternenklaren Berg
    Ulli

    Gefällt 2 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Och, ich war dieser Tage gar nicht sonderlich fleißig. Die Texte waren ja so gut wie fertig, ich brauchte nur die Bilder dazu zu suchen. Für euch als Leser war es natürlich viel. 😉
      Hier stürmt es mal wieder, und in Athen fällt Schnee. Beste Grüße vom Kamin.

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      • Ulli schreibt:

        Ach, in Athen ist also der Schnee, das ist ja spannend! Hier scheint die Sonne und in der Nacht funkeln die Sterne. Gestern betrachtete ich mit den Enkeln die Sterne, die Venus kennen sie jetzt- heute fotografierte ich Eisgebilde in einer Schlucht … herrlich war`s

        Liken

  3. kunstschaffende schreibt:

    Herrlich, Deine Legebild Darstellung!
    Die Balance müssen wir wohl unser ganzes Leben lang halten!
    Das fällt um so schwerer, wenn man Gleichgewichtsstörungen hat!

    Jetzt gehe ich mal in den Ruhemodus, vielleicht klappts dann mit dem Gleichgewicht!

    Liebe Abendgrüsse Babsi

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  4. kormoranflug schreibt:

    Hoffentlich hast Du auch ein paar Vorräte für den Kamin um der Kälte und dem Schnee zu trotzen.
    Grüsse ins neue Jahr, Tom

    Gefällt 1 Person

  5. gann uma schreibt:

    Aja, der Narr. Ich begrüble gerade die Bedeutung und Notwendigkeit von „harmonischem Ausgleich“ – da bekommt der jonglierende Narr aus dem Tarot auch eine tragende Rolle.

    Gefällt 1 Person

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